Der Goldpreis erlebt sein schwächstes Quartal seit über einem Jahrzehnt. Trotzdem kaufen Zentralbanken munter weiter. Im Mai erwarben sie netto 41 Tonnen Gold – während der Kurs bereits den vierten Monat in Folge fiel. Diese Diskrepanz zeigt: Offizielle Käufer und Kursentwicklung laufen aktuell in völlig unterschiedliche Richtungen.
Schwächstes Quartal seit 2013
Die Zahlen der vergangenen Wochen sind drastisch. Im Juni verlor Gold 11,7 Prozent, nach einem Minus von 1,8 Prozent im Mai. Auf das Quartal bis zum 30. Juni summiert sich das zu einem Rückgang von rund 16 Prozent. Das ist der schlechteste Dreimonatswert seit dem zweiten Quartal 2013.
Am 30. Juni markierte der Kurs mit 3.942 US-Dollar sein tiefstes Niveau seit Anfang November 2025. Seither hat sich das Bild etwas aufgehellt. Am Donnerstag schloss Gold bei 4.131,20 US-Dollar, ein Plus von 0,67 Prozent binnen sieben Tagen.
Auf Monatssicht bleibt der Abstand aber groß: minus 7,42 Prozent in 30 Tagen, minus 4,85 Prozent seit Jahresbeginn. Der Kurs notiert 6,65 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.425,61 US-Dollar. Zum 52-Wochen-Tief vom 28. Oktober 2025 bei 3.901,30 US-Dollar beträgt der Puffer nur 5,89 Prozent. Der RSI von 42,6 signalisiert derzeit keine klare Richtung.
Als Belastungsfaktoren gelten vor allem geldpolitische Erwartungen. Anleger rechnen mit weniger Zinssenkungen der US-Notenbank als noch vor Monaten. Unsicherheit im Nahen Osten drückt zusätzlich auf die Stimmung.
Notenbanken lassen sich nicht beirren
Während der Kurs schwankt, bleibt die institutionelle Nachfrage stabil. Polens Notenbank kaufte im Mai 18 Tonnen Gold – bereits der vierte Monat in Folge mit zweistelligen Zukäufen. Angeführt wurden die Käufe insgesamt von Polen und China.
Das Muster zieht sich durch das gesamte Jahr. Im ersten Quartal 2026 summierten sich die weltweiten Nettokäufe der Zentralbanken auf rund 244 Tonnen. Das liegt über dem Vorquartal und über dem Fünfjahresdurchschnitt.
Fed-Politik als zentraler Belastungsfaktor
Goldman Sachs hat auf die veränderte Zinslage reagiert. Die Bank senkte ihr Kursziel für Ende 2026 von 5.400 auf 4.900 US-Dollar je Feinunze. Der Grund: Die Fed dürfte die Zinsen in diesem Jahr nicht mehr senken.
Trotz der kurzfristig vorsichtigeren Einschätzung bleibt Goldman Sachs langfristig konstruktiv. Die Nachfrage der Zentralbanken spielt dabei die entscheidende Rolle. Zur Einordnung ziehen die Analysten einen Vergleich heran: Die Käufe sind vom Hoch bei 67 Tonnen monatlich im Jahr 2024 zurückgekommen. Sie liegen aber noch immer etwa dreimal höher als die 17 Tonnen vor dem Einfrieren russischer Vermögenswerte 2022.
Die Mai-Zahlen bilden allerdings noch die Zeit vor dem Kursrutsch im Juni ab. Der nächste Bericht des World Gold Council zu den Juni-Käufen wird zeigen, ob die Notenbanken ihr Kauftempo trotz des zweistelligen Quartalsverlusts gehalten haben.
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