Das US-Finanzministerium hat mit einer überraschenden Ankündigung den Anleihemarkt beruhigt – und damit dem Gold neuen Schub verliehen. Am Mittwoch kündigte die Behörde an, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mit Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren ab dem 9. September deutlich auszuweiten: Das maximale Volumen pro Operation steigt von 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden Dollar, die Regelung gilt bis zum 4. November. Die Reaktion an den Bondmärkten fiel deutlich aus.
Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen fiel im Anschluss um rund 9 Basispunkte auf etwa 5,19 Prozent, nachdem sie zuvor mit fast 5,34 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreicht hatte. Die 10-jährige Rendite gab auf rund 4,64 Prozent nach.
Parallel dazu geriet der Dollar unter Druck: Der Dollar-Index rutschte auf ein Mehrmonatstief nahe 98,9 Punkte. Sinkende Realrenditen und ein schwächerer Dollar sind für den zinslosen Goldpreis traditionell ein Kauftreiber.
Kurzer Ausbruch, dann Rücksetzer
Gold reagierte auf die Nachricht mit dem größten Tagesanstieg seit sechs Monaten und markierte am Mittwoch mit gut 4.525 Dollar je Feinunze den höchsten Stand seit Anfang Juni.
Am heutigen Donnerstag hat sich ein Teil dieser Bewegung wieder zurückgebildet: Das Edelmetall notiert bei 4.539,80 Dollar und gibt im Tagesverlauf um 0,9 Prozent nach, nachdem es am Mittwoch noch bei 4.581,30 Dollar geschlossen hatte.
Der Goldpreis bleibt damit deutlich über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.191,07 Dollar, ein Abstand von 8,3 Prozent, der die intakte Aufwärtsdynamik unterstreicht.
Überlagert wird die Treasury-Nachricht von der Debatte um die explodierende US-Staatsverschuldung. Diese hat erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, ein Anstieg um rund eine Billion Dollar in weniger als fünf Monaten.
Die Zinskosten summieren sich laut Marktbeobachtern auf etwa 100 Milliarden Dollar im Monat. Genau diese Gemengelage aus Rekordverschuldung und wachsendem Refinanzierungsdruck nährt die Sorge, wonach Washington künftig verstärkt auf finanzielle Repression setzen könnte – ein klassisches Argument für Goldanleger.
Fed-Protokoll bremst die Euphorie
Ganz ungetrübt ist das Bild nicht. Das jüngste Fed-Protokoll zeigte, dass mehrere Notenbanker offen für eine Zinserhöhung sind, sollte die Inflation nicht in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels zurückkehren. Diese falkenhafte Tonlage hat den ersten Kursrutsch am Donnerstag mit ausgelöst und zeigt, dass der Goldpreis zwischen zwei Kräften gefangen bleibt: sinkenden Renditen durch die Treasury-Intervention auf der einen, restriktiven Zinssignalen der Fed auf der anderen Seite.
An der Wall Street bleibt die mittelfristige Einschätzung dennoch überwiegend positiv. Die Analysten von Bank of America bezeichnen eine Long-Position in Gold derzeit als den attraktivsten Trade am Markt. Goldman Sachs sieht das Edelmetall bis Ende 2026 bei 4.900 Dollar, während andere Häuser Zielspannen zwischen 4.700 und 5.100 Dollar nennen.
Sollte sich die Kombination aus lockerer Finanzierungspolitik des Finanzministeriums und anhaltender Verschuldungsdynamik fortsetzen, dürfte das ein tragendes Argument für weiter steigende Goldpreise bleiben – auch wenn kurzfristige Rücksetzer wie am heutigen Donnerstag angesichts der Fed-Unsicherheit einkalkuliert werden müssen.
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