Im ersten Quartal kauften Investoren so viel Gold wie selten zuvor. An der Börse dominiert aktuell ein anderes Bild. Makroökonomischer Gegenwind drückt das Edelmetall auf Talfahrt.
Am Montag schloss die Feinunze bei 4.571 US-Dollar. Auf Monatssicht steht damit ein Minus von rund 5,6 Prozent auf der Anzeigetafel. Seit Jahresbeginn verteidigt das Edelmetall immerhin ein moderates Plus.
Zinsen und Inflation belasten
Der Hauptgrund für die Schwäche liegt in Washington. Die US-Inflation stieg im April überraschend auf 3,8 Prozent. Auch die Kernrate zog stärker an als erwartet. Investoren schließen Zinssenkungen der US-Notenbank Fed für dieses Jahr zunehmend aus.
Die Folge: wachsende Sorge vor weiteren Zinserhöhungen. Restriktive Zinsen treiben die Anleiherenditen nach oben. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte zuletzt auf 4,53 Prozent. Festverzinsliche Anlagen werden dadurch im Vergleich zum zinslosen Gold attraktiver.
In dieser Woche blicken Händler auf die Veröffentlichung der jüngsten FOMC-Protokolle. Offenbaren die internen Fed-Beratungen einen strikteren Kurs, dürfte das den Verkaufsdruck verstärken. Derzeit rechnen fast alle Marktteilnehmer mit unveränderten Leitzinsen im Juni.
Geopolitik stützt den Boden
Auf der anderen Seite verhindern geopolitische Risiken einen tieferen Absturz. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran blockiert weiterhin Handelsschiffe in der Straße von Hormuz. Am Wochenende gab es Angriffe auf Energieinfrastruktur im Persischen Golf. Das treibt die Ölpreise und befeuert die Inflation.
Physisches Gold bleibt derweil gefragt. Der World Gold Council meldet für das erste Jahresviertel eine Rekordnachfrage. Weltweit stieg der Absatz um zwei Prozent auf knapp 1.231 Tonnen. Zentralbanken und private Käufer stützen den Markt.
Kurzfristig bleibt das Spannungsfeld bestehen. Solange die Fed ihren restriktiven Kurs beibehält, deckeln der starke US-Dollar und hohe Anleiherenditen das Aufwärtspotenzial. Neue Impulse liefern in dieser Woche die anstehenden US-Einkaufsmanagerindizes für Mai. Sie geben Aufschluss über die Robustheit der amerikanischen Wirtschaft.
