Der Goldpreis hält sein hohes Niveau. Am Freitag notiert die Feinunze bei rund 4.268 US-Dollar. Anleger wägen dabei zwei Kräfte gegeneinander ab: geopolitische Risiken im Nahen Osten und Zentralbank-Käufe auf der einen Seite, eine restriktive US-Notenbank auf der anderen.
Zentralbanken kaufen weiter
Notenbanken stützen den Goldpreis mit stetigen Käufen. Im zweiten Quartal 2026 kauften sie laut World Gold Council netto 288,9 Tonnen. Vor allem asiatische und osteuropäische Institute griffen zu. Sie wollen ihre Reserven angesichts hoher Staatsschulden breiter aufstellen.
Diese Nachfrage bildet aktuell einen wichtigen Boden für den Preis. Selbst über der 4.000-Dollar-Marke lässt das Interesse der Notenbanken nicht nach. Private Anleger zeigen sich dagegen zurückhaltender und ziehen zuletzt verstärkt Geld aus physisch besicherten Gold-ETFs ab.
Die 4.278-Dollar-Marke entscheidet
Charttechnisch steckt Gold in einer heiklen Phase. Seit dem Rekordhoch von knapp 5.595 US-Dollar Ende Januar 2026 hat der Kurs rund 27 Prozent verloren. Jetzt versucht das Edelmetall die Wende.
Im Fokus steht der exponentielle 200-Tage-Durchschnitt bei 4.278 US-Dollar. Analysten sehen einen nachhaltigen Schlusskurs über dieser Linie als Voraussetzung, um den Abwärtstrend seit dem Frühjahr zu brechen. Der Directional Movement Index liefert bereits ein positives Signal: Der Kaufdruck übertrifft mittlerweile den Verkaufsdruck.
Die Fed bleibt gespalten
Das Umfeld bleibt trotzdem schwierig. Notenbankchef Kevin Warsh hält an einer restriktiven Linie fest. Ende Juli stimmte das Gremium mit 9 zu 3 Stimmen für den unveränderten Leitzins zwischen 3,50 und 3,75 Prozent.
Drei Mitglieder forderten dagegen eine sofortige Zinserhöhung. Das ist die stärkste interne Abweichung seit zehn Jahren. Ein Warnsignal für den Markt, das zeigt: Der Kurs der Fed ist längst nicht mehr einstimmig.
Zusätzliche Unruhe kommt aus der Straße von Hormus. Berichte über Angriffe auf „feindliche Ziele“ und eine mögliche Sperrung durch den Iran treiben die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen. Diese geopolitische Risikoprämie überdeckt derzeit sogar den festen US-Dollar, der Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums normalerweise teurer macht.
Der Nachmittag entscheidet mit
Am Nachmittag blicken Händler auf die US-Arbeitsmarktdaten für Juli. Erwartet werden rund 80.000 neue Stellen bei einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent. Schwächere Konjunkturdaten haben die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zuletzt bereits unter Druck gesetzt.
Fällt der Bericht enttäuschend aus, dürften die Realrenditen weiter sinken. Das senkt die Opportunitätskosten fürs Halten von Gold und könnte den nötigen Schub für einen Ausbruch über die 4.278-Dollar-Marke liefern.
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