Der Goldpreis hat sich am Mittwoch spürbar von seiner jüngsten Schwächephase erholt. Das Edelmetall notiert bei 4.122,70 US-Dollar und legt damit im Tagesverlauf um 1,00 Prozent zu, nachdem es am Dienstag noch bei 4.082,00 Dollar geschlossen hatte. Auslöser der Rally ist die weitere Eskalation im Nahen Osten, die Anleger in sichere Häfen treibt.
Iran-Konflikt und Rote-Meer-Spannungen befeuern die Nachfrage
Das US-Militär flog in der Nacht auf Mittwoch bereits die elfte Angriffswelle in Folge auf iranische Ziele, darunter Kommandozentren, Marine- und Luftwaffeneinrichtungen. Nach längerer Ruhe wurde in Teheran erstmals wieder die Flugabwehr aktiviert. US-Präsident Trump drohte laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zudem mit einem Angriff auf eine Anlage namens „Pickaxe Mountain“. Pentagon-Chef Hegseth bezifferte die bisherigen Kriegskosten auf 37,5 Milliarden US-Dollar und beantragte einen Nachtragshaushalt über 67 Milliarden Dollar.
Parallel dazu sorgen Drohungen der Huthi-Miliz gegen saudische Öltanker für Unruhe in der Schifffahrt: Mehrere Tanker mit saudischem Rohöl änderten im Roten Meer ihren Kurs. Die Ölpreise kletterten daraufhin auf ein Sechs-Wochen-Hoch, was zusätzlich Inflationssorgen schürt und die Attraktivität von Gold als Absicherung erhöht. Der iranische Innenminister Momeni reiste unterdessen nach Pakistan, um als Vermittler aufzutreten – ein Hoffnungsschimmer, den Analyst Edward Meir von Marex als stützend für Rohstoffe wertete.
Trotz des jüngsten Anstiegs bleibt Gold weit von seinem Rekordhoch entfernt: Zum Jahreshoch von 5.626,80 Dollar, erreicht Ende Januar, beträgt der Abstand aktuell 26,73 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 49,1 signalisiert zudem eine neutrale Marktverfassung – von Überhitzung ist trotz der Kaufwelle also nichts zu spüren.
Fed-Sitzung Ende Juli rückt in den Fokus
Für zusätzliche Nervosität sorgt die anstehende Sitzung der US-Notenbank am 28. und 29. Juli. Eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen erwartet, dass die Fed die Zinsen bis Ende 2026 unverändert lässt. Am Terminmarkt zeichnet sich laut CME FedWatch dennoch ein anderes Bild ab: Dort werden Wahrscheinlichkeiten von rund 64 bis 68 Prozent für eine Zinserhöhung im September eingepreist – ein Signal, das die Unsicherheit unter Investoren widerspiegelt. IG-Analyst Tony Sycamore sieht in einem nachhaltigen Ausbruch über die Marke von 4.120 Dollar eine Bestätigung der Erholung. ActivTrades-Analyst Ricardo Evangelista bezeichnet die runde Marke von 4.000 Dollar als starke Unterstützung.
Notenbanken kaufen weiter Rekordmengen
Strukturell bleibt die Nachfrage der Zentralbanken der wichtigste Preistreiber. China erhöhte seine Goldreserven im Juni um 15 Tonnen – der größte monatliche Zukauf seit Oktober 2023 und bereits der 20. Monat in Folge mit Zukäufen, womit die chinesischen Bestände auf 2.346 Tonnen steigen. Laut einer aktuellen Erhebung erwarten 89 Prozent der befragten Zentralbanken weltweit steigende Goldreserven im kommenden Jahr, ein Rekordanteil von 45 Prozent plant sogar, die eigenen Bestände auszubauen. Damit hat Gold laut den Berichten inzwischen US-Staatsanleihen im Anteil an den globalen Reserven überholt – ein Beleg für den fortschreitenden Trend zur Diversifikation weg vom US-Dollar.
Analysten uneins über die weitere Richtung
Die Einschätzungen der großen Häuser gehen weit auseinander. Goldman Sachs hält an einem Jahresendziel von 4.900 Dollar fest und verweist auf die anhaltenden Notenbankkäufe von im Schnitt 1.000 Tonnen pro Jahr. JPMorgan senkte dagegen seine kurzfristige Prognose um rund 25 Prozent, begründet mit den Fed-Erwartungen und der hohen Volatilität, sieht die langfristigen strukturellen Stützen aber unverändert intakt. Die UBS-Strategen Dominic Schnider und Giovanni Staunovo würden einen Rücksetzer auf 3.850 Dollar als Kaufgelegenheit werten, verweisen kurzfristig aber auf Gegenwind durch Nahost-Spannungen, hohe Ölpreise und eine falkenhafte Fed. Wells Fargo geht sogar von einem langfristigen Ziel zwischen 5.300 und 5.500 Dollar bis Ende 2026 aus. Die Schroders-Analysten wiederum rechnen angesichts des begrenzten Zinsspielraums der Fed durch die hohe US-Verschuldung mit einer Bodenbildung binnen drei bis sechs Monaten.
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