Die USA haben in der Nacht zum Montag zum neunten Mal in Folge Ziele im Iran angegriffen. Die Straße von Hormus ist praktisch blockiert, am Sonntag passierten nur noch vier Schiffe die Meerenge. Kuwait meldete zudem einen iranischen Angriff auf eine Ölanlage. Brent-Rohöl kletterte deshalb über 90 US-Dollar je Barrel. Eigentlich ein klassisches Szenario für den sicheren Hafen Gold – das Edelmetall pendelte den Handelstag über dennoch wiederholt knapp um die psychologische Marke von 4.000 Dollar, mal leicht darüber, mal leicht darunter.
Kriegsangst treibt Öl, nicht Gold
Am Montag notiert die Feinunze bei 4.028,60 US-Dollar, ein Plus von 0,18 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit bewegt sich Gold weiterhin oberhalb seines Zwölfmonatstiefs von 3.901,30 Dollar aus dem Oktober 2025 – aktuell beträgt der Abstand gut drei Prozent. Dass der Ölpreisschub diesmal nicht auf Gold durchschlägt, liegt an einem Gegenspieler: der Geldpolitik. Fed-Vertreterin Hammack signalisierte am Wochenende erneut die Bereitschaft zu weiteren Zinserhöhungen, was den Dollar stützt und Gold als zinslosen Vermögenswert unattraktiver macht.
Fed-Falken und starker Dollar bremsen
Die Terminmarktbeobachtung über CME FedWatch zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Dezember-Zinserhöhung binnen einer Woche spürbar gestiegen ist. Ein Analyst mit dem Namen Wong verweist auf eine kritische Unterstützung bei 3.886 Dollar – falls diese Marke reiße, drohe ein Rutsch bis 3.500 Dollar. Andere Beobachter sehen die Schwelle bereits bei 4.000 Dollar selbst als entscheidend an. Sollte sie nachhaltig unterschritten werden, rechnen sie ebenfalls mit einem Test tieferer Niveaus. Verschärft wird der Druck durch den China-Faktor: Die chinesischen Gold-ETFs haben in den drei Monaten bis zum 16. Juli Mittelabflüsse von 85,74 Milliarden Yuan verzeichnet, ein Zeichen nachlassender Spekulationsnachfrage im wichtigsten Wachstumsmarkt für physisches Gold.
Zentralbanken kaufen unbeirrt weiter
Während private Anleger in Asien Kasse machen, bauen Notenbanken ihre Bestände weiter aus. Die People’s Bank of China erhöhte ihre Goldreserven im Juni um 15 Tonnen – der größte monatliche Zukauf seit Oktober 2023 und bereits die 20. Aufstockung in Folge, zusammengerechnet 82 Tonnen in etwas mehr als anderthalb Jahren. Weltweit kaufen Zentralbanken laut Goldman Sachs derzeit netto rund 1.000 Tonnen pro Jahr, allein im Mai waren es 81 Tonnen. Eine Umfrage des World Gold Council vom Mai zeigt, dass 89 Prozent der befragten Notenbanken ihre Goldbestände weiter aufstocken wollen. Nach Zahlen der Europäischen Zentralbank machte Gold Ende 2025 bereits 27 Prozent der globalen offiziellen Reserveaktiva aus, gegenüber 20 Prozent ein Jahr zuvor – und liegt damit inzwischen vor US-Staatsanleihen, deren Anteil im gleichen Zeitraum von 25 auf 22 Prozent sank. Der Dollar bleibt mit einem Anteil von 57 Prozent an den globalen Devisenreserven zwar weiterhin dominant, doch die strukturelle Verschiebung zugunsten von Gold ist unübersehbar.
Wall Street uneins über die nächsten Monate
Kurzfristig überwiegt an den Terminmärkten die Skepsis: Von 14 befragten Analysten erwarten elf einen weiteren Rückgang des Goldpreises, zwei sehen ihn seitwärts, nur einer bleibt bullish. Goldman Sachs hält an einem Jahresendziel von 4.900 Dollar fest, JPMorgan erwartet im Schnitt 4.300 Dollar im dritten und 4.500 Dollar im vierten Quartal. Die hohen Preise kommen unterdessen chinesischen Minenkonzernen zugute: Zijin Gold International steigerte den Nettogewinn im ersten Halbjahr um 169 Prozent auf umgerechnet rund 1,4 Milliarden US-Dollar, bei einer Fördermenge von 27 Tonnen gegenüber 19 Tonnen im Vorjahr. Lingbao Gold erhöhte seinen Gewinn um 57 Prozent auf umgerechnet rund 1,05 Milliarden Yuan. Zusätzliche Fantasie liefert ein Fund in der chinesischen Provinz Liaoning: Dort wurde mit rund 1.444 Tonnen die größte einzelne Goldlagerstätte seit 1949 entdeckt, mit einem geschätzten Wert von 180 Milliarden Dollar. Für den kurzfristigen Kursverlauf dürfte jedoch weiterhin entscheidend sein, ob sich der Konflikt im Nahen Osten weiter zuspitzt – und wie die US-Notenbank auf die daraus resultierenden Inflationsrisiken reagiert.
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