Schwächere US-Inflationsdaten sollten Gold eigentlich Auftrieb geben. Stattdessen behauptet sich das Edelmetall an diesem Mittwoch nur knapp über der psychologischen Marke von 4.000 Dollar. Der Grund: Steigende Ölpreise drohen den positiven Effekt der Inflationsdaten zunichtezumachen.
Der Kurs notiert aktuell bei 4.040,60 US-Dollar, ein Minus von 0,46 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,15 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar von 6,71 Prozent.
Seit Jahresbeginn hat Gold fast sieben Prozent verloren. Der Preisverfall zeigt: Die Rekordrally vom Januar ist erst einmal gestoppt.
Inflationsdaten dämpfen Zinssorgen
Der US-Verbraucherpreisindex für Juni fiel am Dienstag mit einer Jahresrate von 3,5 Prozent niedriger aus als erwartet. Die Kernrate, ohne Energie und Lebensmittel, kühlte sich auf 2,6 Prozent ab. Anleger reduzierten daraufhin ihre Wetten auf weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause im September ist gestiegen. Das drückte den US-Dollar und die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen, die auf etwa 4,59 Prozent sank. Weil Gold als unverzinstes Asset direkt mit Anleiherenditen konkurriert, sprang der Spot-Preis kurzzeitig auf bis zu 4.089 US-Dollar je Feinunze.
Auch der neue Fed-Chef Kevin Warsh äußerte sich am 14. und 15. Juli erstmals vor dem Kongress. Er betonte die Bedeutung der Preisstabilität und die Unabhängigkeit der Notenbank. Die schwachen Inflationsdaten nehmen aber den Druck für schnelle Zinsschritte im September.
Das Öl-Paradox bremst den Aufschwung
Die Eskalation in der Straße von Hormus hat den Ölpreis deutlich über 80 US-Dollar getrieben. Das stellt den Goldmarkt vor ein Dilemma.
Einerseits suchen Investoren in geopolitischen Krisen Schutz im sicheren Hafen Gold. Andererseits schüren steigende Energiepreise die Sorge vor einer neuen Inflationswelle. Diese könnte die Fed zu einer längerfristig restriktiveren Politik zwingen.
Genau dieses Spannungsfeld verhinderte zuletzt einen nachhaltigen Ausbruch über die jüngsten Widerstandszonen. Kein Wunder, dass der Kurs seit Tagen zwischen Erleichterung und neuer Vorsicht pendelt.
Charttechnik zeigt Erschöpfung
Der aktuelle Kurs liegt 28,19 Prozent unter dem Rekordhoch von 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar. Zum 52-Wochen-Tief fehlen dagegen nur 3,57 Prozent.
Der Relative-Stärke-Index von 40,2 zeigt weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Lage.
Gold notiert zudem 6,73 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 11,00 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 28,06 Prozent.
Zentralbanken stützen von unten
Während Privatanleger zuletzt eher vorsichtig agierten, bleibt die institutionelle Nachfrage ein stabilisierender Faktor. Berichte des World Gold Council zeigen: Zentralbanken kaufen weiter physisches Gold, um ihre Reserven zu diversifizieren.
Allen voran bauen China und Polen ihre Bestände aus. Die chinesische Notenbank stockte ihre Reserven im Juni um knapp 15 Tonnen auf.
Die anhaltenden Käufe des offiziellen Sektors liefern dem Goldpreis derzeit ein fundamentales Gegengewicht zu den hohen Realzinsen. Die Zentralbank-Nachfrage wiegt den Verkaufsdruck aus steigenden Renditen zumindest vorerst auf. Damit bleibt die Marke von 4.000 Dollar vorerst die Verteidigungslinie für den Goldpreis.
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