Explosionen in der Golfregion, ein geplatztes Atomabkommen mit dem Iran – und trotzdem gab der Goldpreis zuletzt nach. Am Freitag rutschte die Feinunze um 1,54 Prozent auf 4.098,60 US-Dollar ab. Zum Auftakt der neuen Handelswoche kämpft das Edelmetall nun um seine psychologisch wichtige Marke bei 4.000 Dollar.
Zwei Kräfte ziehen an Gold in entgegengesetzte Richtungen. Die Fed könnte im September die Zinsen erhöhen. Das schwächt zinslose Anlagen wie Gold. Auf der anderen Seite treibt die Eskalation im Nahen Osten Anleger in den sicheren Hafen.
ISM-Daten könnten die Fed-Erwartung kippen
Im Zentrum des heutigen Handelstags steht der US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Analysten erwarten für Juli einen Wert von etwa 54,0 Punkten. Das wäre eine leichte Beschleunigung gegenüber dem Juni-Wert von 53,3 Punkten.
Die Daten könnten die Zinspolitik der Fed beeinflussen. Aktuell rechnen die Märkte mit einer weiteren Zinserhöhung im September. Fällt der ISM-Index schwächer aus als erwartet, könnten Spekulationen über eine geldpolitische Pause aufkommen. Das würde Gold neuen Auftrieb geben.
Waffenruhe beendet, Nachfrage nach Sicherheit steigt
Der eigentliche Preistreiber liegt aber im Persischen Golf. Das mühsam ausgehandelte Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ist offiziell beendet. Die Hoffnung auf Deeskalation hat sich zerschlagen.
Am 30. Juli flogen die USA erneut massive Luftschläge gegen strategische Ziele im Iran, unter anderem in der Provinz Buschehr und auf der Insel Gheschm. Saudi-Arabien beteiligte sich erstmals an Angriffen gegen proiranische Milizen im Irak. Die Eskalation gefährdet die Handelswege durch die Straße von Hormus – und genau das treibt Anleger in Gold als Absicherung.
Notenbanken kaufen, Analysten senken Prognosen
Auch strukturell bleibt Gold gestützt. Der World Gold Council meldet für das zweite Quartal 2026 Netto-Käufe der Notenbanken von 289 Tonnen, angeführt von Polen und China. Für das erste Quartal revidierte der Council die Zahlen allerdings deutlich nach unten: Statt der ursprünglich gemeldeten 244 Tonnen waren es nur 57 Tonnen – das schwächste Startquartal seit über zehn Jahren.
Führende Banken haben ihre Preisziele für 2026 zuletzt angepasst:
- HSBC senkte im Juli die Jahresdurchschnittsprognose auf 4.560 US-Dollar je Feinunze.
- Goldman Sachs sieht das Kursziel bis Dezember 2026 bei 4.900 US-Dollar.
- J.P. Morgan erwartet für das vierte Quartal 2026 rund 4.500 US-Dollar.
Charttechnik zeigt Konsolidierung
Der Goldpreis bewegt sich derzeit in einer Konsolidierungsphase. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 4.199,84 US-Dollar – gut 2,4 Prozent über dem aktuellen Niveau. Der RSI notiert bei 48,6 Punkten und signalisiert damit weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustände.
Verteidigt Gold die Marke von 4.000 Dollar, bleibt der Weg zurück in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts offen. Rutscht der Kurs jedoch unter diese Schwelle, dürfte der Verkaufsdruck aus Ende Juli zurückkehren – mit dem Tief bei 3.960 Dollar als nächstem Ziel.
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