Das US-Finanzministerium hat am Mittwoch ein deutliches Signal gesendet: Die Behörde verdoppelt ihre Rückkaufoperationen für langlaufende Staatsanleihen mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar pro Operation. Die Maßnahme greift ab dem 9. September und läuft bis zum 4. November. Finanzminister Scott Bessent bezeichnete die Rückkäufe als strategisches Werkzeug zur Stützung der Marktliquidität.
Der Schritt kam nicht aus heiterem Himmel. Am Dienstag hatte die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen mit rund 5,34 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreicht. Bei einer Auktion 20-jähriger Papiere lag die Beteiligung indirekter Bieter mit 62,9 Prozent so niedrig wie zuletzt im Juni, die Nachfragequote fiel auf den schwächsten Wert des Jahres.
Ausländische Bestände an US-Anleihen waren im Juni bereits um 72,1 Milliarden Dollar gesunken, angeführt von Rückzügen aus Japan und China. Vor diesem Hintergrund wirkte die Ankündigung wie ein Eingeständnis, dass der Anleihemarkt unter Druck steht.
Renditen fallen, Gold reagiert sofort
Die Reaktion an den Anleihemärkten folgte prompt: Die 30-jährige Rendite gab um rund 9 Basispunkte auf etwa 5,19 bis 5,20 Prozent nach, der stärkste Tagesrückgang seit Juni.
Die zehnjährige Rendite rutschte von zuvor über 4,70 Prozent auf etwa 4,65 Prozent. Parallel schwächte sich der Dollar-Index um 0,8 Prozent auf rund 98,84 Punkte ab und markierte damit den tiefsten Stand seit Mai.
Gold profitierte unmittelbar von dieser Kombination aus sinkenden Renditen und einem weicheren Dollar. Der Goldpreis kletterte gestern um 3,7 Prozent und schloss bei 4.551,10 Dollar je Feinunze – der höchste Stand seit Anfang Juni. Auch Silber, Platin und Palladium zogen im Sog des Edelmetalls kräftig an.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur eigentlichen geldpolitischen Lage. Am selben Tag veröffentlichte die Fed ihr Protokoll der Juli-Sitzung, das eine deutlich falkenhaftere Tonlage offenbarte als erwartet.
Mehrere Notenbanker sprachen sich für eine Zinserhöhung aus, drei von zwölf Stimmberechtigten votierten explizit dafür – der schärfste Dissens seit 2016. Die Fed sieht die Inflation weiterhin über ihrem Zwei-Prozent-Ziel und hält das Risiko einer strafferen Geldpolitik für real. Normalerweise würde ein solches Signal Gold belasten, schließlich verteuern höhere Zinsen das zinslose Edelmetall relativ zu verzinsten Anlagen.
Warum die Treasury-Intervention schwerer wiegt als das Fed-Protokoll
Dass der Goldpreis trotz hawkischer Fed-Signale zulegte, zeigt: Anleger bewerteten die Treasury-Intervention als das gewichtigere Ereignis. Die Rückkaufankündigung deuteten viele Marktteilnehmer als Sorge des Finanzministeriums über die Stabilität des Anleihemarkts selbst – ein Umfeld, in dem Gold traditionell als sicherer Hafen gefragt ist.
Die US-Staatsverschuldung hatte zudem erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, nach einem Anstieg um 2,9 Billionen Dollar binnen eines Jahres. Das Haushaltsdefizit im Juli lag bei 432 Milliarden Dollar und damit rund 50 Prozent höher als im Vorjahresmonat.
Analysten von Bank of America und Deutsche Bank sehen laut Berichten inzwischen einen strukturellen Bullenmarkt für Gold. Untermauert wird das durch Zuflüsse in Gold-ETFs von 1,5 Millionen Unzen innerhalb von 30 Tagen. Der Goldpreis notiert derzeit rund 8,8 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.184,31 Dollar, was auf eine dynamische, aber nicht überhitzte Aufwärtsbewegung hindeutet.
Anleger dürften nun genau beobachten, ob die für den 9. September angekündigten Rückkäufe die Anleiherenditen dauerhaft dämpfen können – oder ob die falkenhafte Fed am Ende die Oberhand gewinnt.
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