Eigentlich müsste Krieg den Goldpreis treiben. Diese Woche zeigt das Gegenteil. Das Edelmetall rutscht unter die Marke von 4.000 US-Dollar und steuert auf den größten Wochenverlust seit sechs Wochen zu.
Der Spotpreis liegt aktuell bei rund 3.977 US-Dollar je Feinunze. Auf Wochensicht verliert Gold damit 3,65 Prozent. Der Grund dafür liegt nicht im Nahen Osten – sondern in Washington.
Eskalation zwischen USA und Iran
Die USA griffen in dieser Woche mehrfach Ziele im Iran an. Präsident Donald Trump drohte zusätzlich mit weiteren Angriffen auf die iranische Infrastruktur. Sollten diplomatische Bemühungen scheitern, könnte dies bereits kommende Woche geschehen.
Der Iran reagierte mit Vergeltungsschlägen auf US-Stützpunkte in Nachbarländern. Die Sorge vor einer längeren Störung der Energieversorgung wächst. Die Ölpreise reagierten prompt und zogen deutlich an.
Normalerweise treibt genau das den Goldpreis nach oben. Diesmal wirkt der Ölpreisanstieg jedoch als Bremse. Er nährt die Inflationssorgen – und damit die Erwartung, dass die US-Notenbank ihre Zinsen länger hochhält.
Fed-Politik bremst das Edelmetall
Die Zinsdebatte in Washington überschattet aktuell die geopolitische Risikoprämie. Schwächer als erwartete US-Inflationsdaten haben eine Zinserhöhung im Juli praktisch ausgeschlossen. Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte trotzdem sein Ziel, die Preisstabilität wiederherzustellen.
Für September bleibt die Lage unklar. Händler taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf rund 51 Prozent, am Vortag lag die Einschätzung noch niedriger. Diese Unsicherheit hält den zinslosen Goldpreis unter Druck.
Ein stärkerer Dollar und steigende Anleiherenditen verschärfen den Gegenwind. Beides macht Gold für Investoren außerhalb der Dollarzone teurer. Hinzu kommt: Die Opportunitätskosten für das zinslose Metall steigen dadurch zusätzlich.
Andere Edelmetalle uneinheitlich
Silber und Platin gaben zeitweise nach, bevor sich im Tagesverlauf eine leichte Gegenbewegung zeigte. Analysten rechnen damit, dass auch Silber, Platin und Palladium in der kommenden Woche unter Druck bleiben.
Zentralbanken bleiben struktureller Käufer
Kurzfristig schwächelt Gold, langfristig bleibt die Nachfrage robust. Eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken zeigt: 45 Prozent wollen ihre Goldbestände binnen eines Jahres aufstocken. Das ist der höchste Anteil seit Beginn der Erhebung 2018.
Nur eine einzige Zentralbank plant, ihre Bestände zu verringern. Diese strukturelle Nachfrage unterscheidet sich fundamental von kurzfristigen Bewegungen an den Terminmärkten.
Der aktuelle Kurs liegt nur noch 1,94 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 3.901 US-Dollar aus Ende Oktober 2025. Kommende Woche entscheidet sich, ob Trump seine Drohung gegen die iranische Infrastruktur wahr macht. Bleibt es bei der Ankündigung, dürfte die Zinsdebatte in Washington den Goldpreis weiter dominieren.
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