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Gold: 36.000 Tonnen Zentralbank-Rekord seit 1975

Hongkong startet Clearingsystem für physischen Goldhandel, während Zentralbanken weltweit Rekordmengen kaufen. Der Goldpreis gibt dennoch leicht nach.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Hongkong startet Gold-Clearingsystem
  • Zentralbanken kaufen wie seit 1975 nicht
  • Goldpreis fällt trotz starker Nachfrage
  • Fed-Protokolle sorgen für Zurückhaltung

Hongkong hat ein neues Clearingsystem für den physischen Goldhandel gestartet. Gleichzeitig kaufen Zentralbanken weltweit so viel Gold wie seit 1975 nicht mehr. Der Preis selbst gibt trotzdem leicht nach.

Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.144,90 US-Dollar je Unze, ein Minus von 0,76 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 4,53 Prozent zu Buche. Vom Rekordhoch bei 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar trennen den Rohstoff mittlerweile mehr als 26 Prozent.

Hongkong positioniert sich als Gold-Drehscheibe

Am Dienstag hat Hongkong ein zentrales Clearingsystem für den Goldhandel in Betrieb genommen. Regierungschef John Lee kündigte bei der Markteinführung zusätzliche Steueranreize an. Sie sollen internationale Handelsakteure in die Sonderverwaltungszone locken.

Kernstück der Neuausrichtung ist das „Delivery Connect“-Programm. Es verknüpft Hongkong enger mit der Shanghai Gold Exchange. Parallel dazu belebt die Stadt den Handel mit Gold-Futures wieder. Marktteilnehmer prüfen zudem neue Terminkontrakte, die auf Yuan lauten.

Das Ziel dahinter: Hongkong will sich als regionaler Reserve-Hub für Gold etablieren. Die Infrastruktur-Offensive trifft auf eine physische Nachfrage, die ohnehin schon kräftig wächst.

Zentralbanken kaufen wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Die weltweiten Goldbestände der Notenbanken haben mit über 36.000 Tonnen den höchsten Stand seit 1975 erreicht. Rund 89 Prozent der befragten Institutionen wollen ihre Vorräte weiter aufstocken.

Indien liefert das deutlichste Beispiel. Die dortigen Goldreserven haben sich innerhalb von zwei Jahren fast verdoppelt und liegen jetzt bei rund 115,8 Milliarden US-Dollar. Gold macht damit etwa 17 Prozent der indischen Devisenreserven aus, verglichen mit 12 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Auch Usbekistan und Polen bauen ihre Bestände deutlich aus. Polen kommt inzwischen auf 583 Tonnen.

Fed-Protokolle sorgen für Zurückhaltung

Trotz der starken physischen Nachfrage gibt der Goldpreis am Dienstag leicht nach. Marktbeobachter machen dafür die Unsicherheit vor der Veröffentlichung der Fed-Protokolle verantwortlich. Die Sitzungsniederschriften vom Juni-Meeting werden am Mittwoch erwartet.

Die US-Notenbank hatte den Leitzins zuletzt in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh verzichtete auf eine eigene Zinsprognose. Entsprechend gespannt warten Händler auf Details aus dem Protokoll. Das CME FedWatch Tool signalisiert derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 56 Prozent für eine Zinserhöhung im September.

Konsolidierung nach Rekordjahr

Nach dem Allzeithoch im Januar befindet sich Gold in einer Konsolidierungsphase. Der Kurs liegt aktuell 5,7 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und knapp 9 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Der RSI von 43,9 deutet auf keine überverkaufte Lage hin, eher auf eine neutrale bis leicht schwache Marktverfassung.

JPMorgan hat sein Kursziel für das Jahresende von zuvor 6.000 auf 4.500 US-Dollar gesenkt. Analysten von Saxo sehen in der aktuellen Schwächephase dagegen erste Anzeichen einer Bodenbildung. Ihr Argument: Ein stärkerer Dollar und die restriktive Fed-Haltung belasten kurzfristig, geopolitische Spannungen etwa an der Straße von Hormus stützen aber weiter die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen.

Die Entscheidung fällt am Mittwoch mit der Veröffentlichung der Fed-Protokolle. Bis dahin dürfte der Goldpreis in seiner engen Spanne zwischen dem 30-Tage-Tief und dem jüngsten 7-Tage-Plus von 3,06 Prozent verharren.

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Diskussion zu Gold

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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