Der Goldpreis hat am Donnerstag die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar gebrochen. Am Londoner Spotmarkt fiel die Feinunze zeitweise auf 3.967 Dollar — den tiefsten Stand seit November 2025. Zwei Kräfte drücken gleichzeitig: ein starker Dollar und eine hawkishe Fed.
Warsh verschiebt die Zinserwartungen
Seit Kevin Warsh die Führung der Federal Reserve übernommen hat, dominiert ein klares Signal: Preisstabilität vor allem anderen. Märkte preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 67 Prozent für einen weiteren Zinsschritt im September ein.
Das stützt den Dollar. Der DXY-Index kletterte auf ein 13-Monats-Hoch. Ein teurer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums schlicht unattraktiver. Hinzu kommen gestiegene Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen auf 4,15 Prozent — das erhöht die Opportunitätskosten für das unverzinste Metall spürbar.
Geopolitische Risikoprämie schmilzt
Gold profitierte lange von globaler Unsicherheit. Das ändert sich gerade. Das Islamabad-Abkommen vom 19. Juni und Signale einer Einigung im US-Iran-Konflikt haben die Kriegsrisikoprämie deutlich gedrückt.
Brent-Öl fiel zuletzt auf 72,60 Dollar je Barrel — ein weiteres Zeichen der Entspannung. Zum Vergleich: Im Januar 2026 trieben Spannungen den Goldpreis noch auf ein Rekordhoch von über 5.590 Dollar. Von diesem Allzeithoch ist der aktuelle Kurs inzwischen rund 28 Prozent entfernt.
Zentralbanken kaufen, ETF-Anleger verkaufen
Das Bild am Markt ist gespalten. Die chinesische PBOC kauft laut Marktberichten weiter — rund 50 Tonnen pro Monat. Gold-ETFs dagegen verzeichnen seit fünf Wochen kontinuierliche Nettoabflüsse.
Mit einem RSI von 31,5 nähert sich Gold der überverkauften Zone. Technisch wichtig ist jetzt die Unterstützung bei rund 3.960 Dollar. Fällt diese nachhaltig, sehen Marktbeobachter weiteres Abwärtspotenzial bis 3.900 Dollar — nahe dem 52-Wochen-Tief von 3.901 Dollar.
Am Nachmittag folgen die US-PCE-Inflationsdaten. Als bevorzugtes Maß der Fed für die Teuerung könnten sie die Zinserwartungen neu kalibrieren — und damit kurzfristig darüber entscheiden, ob die 3.960-Dollar-Marke hält.
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