Gold fällt nicht wegen fehlender Krisen. Es fällt, weil der Markt die Folgen der Krise anders einpreist. Höhere Ölpreise treiben Inflationssorgen, stützen den Dollar und halten Renditen oben. Für das zinslose Edelmetall ist das eine unangenehme Mischung.
Am Dienstag notiert Gold bei 4.515,60 Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,17 Prozent zum Montag. Auf Monatssicht beträgt der Rückgang 3,88 Prozent.
Ölpreis schlägt Krisenprämie
Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 hat Gold deutlich nachgegeben. Eigentlich müsste die geopolitische Unsicherheit helfen. Der Markt schaut aber vor allem auf Energiepreise und die Reaktion der US-Notenbank.
Die Lage am Golf bleibt fragil. Die USA und Iran sprechen über einen Rahmen, der den Waffenstillstand um rund zwei Monate verlängern könnte. Washington würde die Blockade aufheben, Teheran die Straße von Hormus öffnen.
Ungeklärt bleiben aber schwere Punkte. Dazu zählen Irans Atomprogramm und die Kontrolle über den Schiffsverkehr durch die Wasserstraße. Neue US-Militäroperationen im Süden Irans zeigen, wie brüchig jede Annäherung bleibt.
Brent-Futures für Juli stiegen in Asien um 2 Prozent auf 98,26 Dollar je Barrel.
Die Preissignale sind uneinheitlich. Am Kernproblem ändert das wenig: Energie bleibt teuer.
WTI-Futures für Juli fielen dagegen um 5,1 Prozent auf 91,73 Dollar. Der Rohölpreis für Sofortlieferung liegt mehr als 40 Prozent über dem Vorkriegsniveau.
Fed nimmt Gold den Rückenwind
Hohe Energiepreise nähren die Sorge, dass die Inflation länger hoch bleibt. Für Gold zählt damit nicht nur die Krise, sondern der Zinskanal. Steigende Renditen erhöhen die Opportunitätskosten des Haltens von Gold.
Laut CME FedWatch Tool liegt die Chance auf unveränderte Zinsen bei der nächsten Fed-Sitzung bei 99,9 Prozent. Der Markt rechnet also kaum mit schneller Entlastung.
Bei ihrer Sitzung am 29. April 2026 beließ die Fed den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Das Komitee verwies auf erhöhte Inflation und erhebliche Unsicherheit im Nahen Osten.
Diese Woche können neue Konjunkturdaten den nächsten Impuls liefern. Im Kalender stehen die US-BIP-Daten für das erste Quartal und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe am 28. Mai.
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Technisch bleibt das Bild angespannt. Seit Jahresanfang steht noch ein Plus von 4,00 Prozent, zum Jahreshoch fehlen aber 17,14 Prozent.
Der Kurs liegt 2,89 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI von 49,8 zeigt keine extreme Übertreibung. In der Vorwoche hielt die Unterstützungszone zwischen 4.466 und 4.423 Dollar.
Zentralbanken halten dagegen
Der kurzfristige Druck trifft auf robuste physische Nachfrage. Zentralbanken kauften im ersten Quartal netto geschätzt 244 Tonnen Gold. Das lag über dem Vorquartal und über dem Fünfjahresschnitt.
Polen blieb der größte Käufer. Die Nationalbank erhöhte ihre Reserven um 31 Tonnen auf 582 Tonnen und steuert weiter auf ihr Ziel von 700 Tonnen zu.
Diese Käufe sind für Gold wichtig, weil sie weniger von Tagesrenditen abhängen. Sie spiegeln Reservediversifizierung und geopolitische Vorsicht.
China kaufte im ersten Quartal 7 Tonnen und hält nun 2.313 Tonnen Gold. Das war mehr als doppelt so viel wie im Vorquartal.
Die gesamte Nachfrage inklusive OTC-Geschäften lag im ersten Quartal bei 1.231 Tonnen. Sie übertraf das Vorjahr um 2 Prozent.
Die hohen Preise verändern dabei die Wahrnehmung. Nicht nur die Menge zählt, sondern auch der Geldwert der Nachfrage.
Der Nachfragewert stieg um 74 Prozent auf einen Rekord von 193 Milliarden Dollar. Barren und Münzen erreichten mit 474 Tonnen das zweithöchste Quartal überhaupt.
Damit bleibt der private und staatliche Kaufdruck ein Gegengewicht zum Makro-Gegenwind. Im Januar hatte der World Gold Council seine Prognose gesetzt: Zentralbanken könnten in diesem Jahr rund 850 Tonnen kaufen, nach 863 Tonnen im Vorjahr.
Am 28. Mai rücken die US-Daten in den Mittelpunkt. Hält die getestete Unterstützung, kann sich Gold stabilisieren; steigen Renditen und Dollar weiter, bleibt der Makrodruck dominant.
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