Ein starker US-Arbeitsmarktbericht hat den Goldmarkt am Montag stärker bewegt als neue Kriegsschlagzeilen aus dem Nahen Osten. Das Edelmetall fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit dem 23. März — bevor Hoffnungen auf eine Waffenruhe zwischen Israel und Iran für Stabilisierung sorgten.
Fed-Erwartungen kippen den Markt
Der Auslöser kam vom Freitag. Das US-Arbeitsministerium meldete 172.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft im Mai. April wurde auf 179.000 nach oben revidiert. Robuste Zahlen — und der Markt zog sofort Konsequenzen.
Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember sprang auf über 70 Prozent. Eine Woche zuvor lag sie bei 45 Prozent. Gold reagierte mit Abgaben, weil das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft. Steigende Zinsen erhöhen die Kosten des Haltens.
Ein fester Dollar verstärkte den Druck. Er handelte nahe dem höchsten Niveau seit fast zwei Monaten. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen zeitweise auf ein Zwei-Wochen-Hoch. Diese Kombination ließ kaum Spielraum für eine Erholung.
Nahost-Eskalation — und sofort Deeskalation
Israel und Iran tauschten am Montag erstmals seit der April-Feuerpause wieder direkte Angriffe aus. Ölpreise zogen um mehr als vier Dollar je Barrel an. Höhere Energiepreise schüren Inflationssorgen — und die wiederum stützen die Erwartung weiterer Fed-Straffung. Für Gold entstand damit ein widersprüchlicher Impuls: Krisennachfrage auf der einen Seite, Zinsdruck auf der anderen.
Dann meldete Trump, Israel und Iran strebten eine sofortige Waffenruhe an. Gold erholte sich von den Tagestiefs. Spot-Gold notierte bis 9:27 Uhr New Yorker Zeit nahezu unverändert bei 4.330,98 Dollar — nachdem der Preis zuvor auf 4.268,39 Dollar gefallen war.
Aktuell steht Gold bei rund 4.360 Dollar. Im Wochenverlauf liegt das Minus bei gut drei Prozent, auf Monatssicht bei knapp acht Prozent.
Was jetzt zählt
Die Marktstruktur ist klar: Geopolitische Schlagzeilen lösen schnelle Gegenbewegungen aus. Den Ton gibt aber die Zinsdebatte vor.
Am Mittwoch folgen die US-Verbraucherpreise für Mai, am Donnerstag die Erzeugerpreise. Bestätigen beide Berichte den Inflationsdruck, dürfte der Markt die Dezember-Zinserwartungen weiter nach oben schrauben. Das würde den Erholungsspielraum für Gold weiter einengen. Zeigen die Daten hingegen eine Abkühlung, könnte ein Teil des Zinsdrucks schnell wieder aus dem Markt weichen.
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