Der Iran-Krieg eskaliert, die Inflation steigt — und Gold fällt. Was wie ein Widerspruch klingt, folgt einer eigenen Logik. Genau diese Logik setzt das Edelmetall derzeit unter Druck.
Wenn Krisen gegen Gold wirken
US-Streitkräfte griffen erneut militärische Ziele im Iran an. Die Ölpreise sprangen daraufhin um mehr als drei Prozent. Irans Revolutionsgarden meldeten Gegenschläge auf einen US-Luftwaffenstützpunkt.
Höhere Energiepreise treiben die Inflation. Höhere Inflation zwingt die Fed möglicherweise zu Zinserhöhungen. Und höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des zinslosen Metalls. Fed-Gouverneurin Lisa Cook machte das explizit: Die Notenbank sei bereit, die Zinsen bei Bedarf anzuheben — angesichts von Zöllen, dem Iran-Krieg und KI-getriebenen Preisschüben.
Die Folge: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 5,2 Prozent — den höchsten Stand seit 2007. Die zweijährigen Renditen stiegen seit Ausbruch des Konflikts um knapp 60 Basispunkte. Die Korrelation zwischen diesen Renditen und Gold liegt bei rund -0,6. Das erklärt den Gegenwind besser als jede geopolitische Analyse.
Der Goldpreis notiert aktuell bei rund 4.549 US-Dollar je Unze — rund 16,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.450 Dollar.
Rekordnachfrage, aber kein Kursimpuls
Das strukturelle Bild bleibt stark. Der World Gold Council meldete für das erste Quartal 2026 eine globale Barren- und Münznachfrage von 474 Tonnen — der zweithöchste Wert aller Zeiten. Die Gesamtnachfrage lag bei 1.231 Tonnen mit einem Rekordwert von 193 Milliarden US-Dollar.
Die People’s Bank of China kaufte im März 2026 zum 17. Mal in Folge Gold und erhöhte ihre Bestände auf 2.313 Tonnen. Asiatische Käufer stützen den Markt. Westliche ETF-Investoren hingegen wurden zurückhaltender.
Das reicht nicht aus, um Dollarstärke und Renditedruck zu neutralisieren.
Was Gold wirklich braucht
Gold glänzt nicht in jeder Krise gleich. Es profitiert dann, wenn Vertrauen in Notenbanken und Währungen erodiert — wie in den 1970er-Jahren oder während der Pandemie 2020. Der Iran-Krieg hat bislang einen Inflationsschock ausgelöst, aber keinen Glaubwürdigkeitsschock. Solange Märkte der Fed zutrauen, die Inflation einzudämmen, zahlt Gold den Preis für dieses Vertrauen.
UBS senkte sein Jahresendziel um 400 Dollar auf 5.500 Dollar je Unze und verweist auf dauerhaft erhöhte Realzinsen. Andere Häuser bleiben bullisher: J.P. Morgan hält an einem Kursziel von 6.300 Dollar fest, die Deutsche Bank bestätigt 6.000 Dollar. Die Bandbreite der Jahresend-Prognosen für 2026 liegt insgesamt zwischen 5.400 und 6.300 Dollar. Entscheidend wird sein, ob der Inflationsdruck nachlässt und die Fed den Zinserhöhungspfad verlässt — erst dann dürfte Gold seinen strukturellen Rückenwind wieder voll spüren.
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