Der überraschend robuste US-Arbeitsmarktbericht für August hat den Goldpreis am Freitag deutlich unter Druck gesetzt. Das US-Arbeitsministerium meldete einen Zuwachs von 162.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft – der stärkste Anstieg seit März und weit über den Erwartungen von rund 55.000 bis 58.000 Stellen. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent stabil, zudem wurden die Vormonate um insgesamt 55.000 Stellen nach oben revidiert.
Aktuell notiert Gold bei 4.421,84 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 1,1 Prozent im Tagesverlauf. Bereits am Donnerstag hatte der Kurs bei 4.473,07 US-Dollar geschlossen, sodass sich die Korrektur seit Wochenbeginn fortsetzt.
Zinserhöhungswetten treiben Anleger aus dem Gold
Die kräftigen Jobzahlen befeuerten sofort Spekulationen auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank. Die an den Terminmärkten gehandelte Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt bei der Fed-Sitzung am 15. und 16. September kletterte im Tagesverlauf von rund 50 Prozent auf bis zu 65 Prozent.
Steigende Leitzinsen erhöhen die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall und stärken zugleich den US-Dollar – beides klassische Belastungsfaktoren für Gold. Parallel zogen die Renditen am Anleihemarkt an: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen legte um 7,6 Basispunkte auf 4,41 Prozent zu, die zehnjährige stieg um 3,2 Basispunkte auf 4,792 Prozent.
Innerhalb der Fed selbst zeichnet sich Uneinigkeit ab. Während Gouverneur Warsh sich nach den Daten für eine straffere Geldpolitik aussprach, hatte sich sein Kollege Waller zuvor noch für eine mögliche Zinspause ausgesprochen, sollte sich die Disinflation fortsetzen. Diese Divergenz sorgt für Nervosität an den Märkten und dürfte die Volatilität bei Gold in den kommenden Wochen hochhalten.
Debasement-Trade bleibt strukturelle Stütze
Trotz des akuten Rücksetzers bleibt das übergeordnete Kaufargument für Gold intakt: der sogenannte Debasement-Trade. Anleger fürchten eine schleichende Entwertung von Staatsanleihen angesichts einer US-Staatsverschuldung von über 40 Billionen Dollar und anhaltender Anleihekäufe, die auch mit US-Finanzminister Bessent in Verbindung gebracht werden. Die Rendite 30-jähriger US-Anleihen war zuletzt bis auf 5,23 Prozent gestiegen – ein Umfeld, das viele Investoren als Absicherung in Gold treibt.
Die Analysten von TD Securities halten an einem Kursziel von 5.350 US-Dollar fest, während MKS PAMP vor Risiken durch Öl- und Zinsentwicklungen warnt. Damit spiegelt der heutige Rücksetzer weniger einen Trendbruch als eine kurzfristige Reaktion auf die Zinserwartungen wider.
Der Goldpreis bleibt damit deutlich unter seinem Rekordhoch von 5.598,58 US-Dollar aus dem Januar, hat sich aber seit seinem Jahrestief im September vergangenen Jahres um rund ein Viertel erholt.
Für Anleger dürfte in den kommenden Tagen entscheidend sein, wie die Fed die neuen Arbeitsmarktdaten in ihrer Sitzung Mitte September gewichtet. Bleibt die Notenbank bei ihrem Zinserhöhungskurs, könnte der Druck auf Gold zunächst anhalten – die strukturellen Treiber der Rally dürften davon jedoch unberührt bleiben.
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