Gold hat am Donnerstag eine abrupte Kehrtwende vollzogen. Nach frühen Verlusten stieg der Spotpreis um 1,1 Prozent auf 4.504,07 US-Dollar je Unze. Auslöser war ein Memorandum of Understanding über eine 60-tägige Verlängerung der Waffenruhe zwischen den USA und Iran — das allerdings noch der Zustimmung von US-Präsident Donald Trump bedurfte.
Die Marktreaktion lief über mehrere Kanäle. Der US-Dollar-Index gab um 0,2 Prozent nach, Brent-Öl tendierte schwächer. Ein schwächerer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger. Sinkende Ölpreise reduzierten kurzfristig den Inflationsdruck. Gleichzeitig blieb die Unsicherheit über die endgültige Zustimmung zur Waffenruhe bestehen.
Dass Gold zuvor auf den niedrigsten Stand seit Ende März gefallen war, verstärkte die technische Bedeutung der Gegenbewegung. Am Donnerstag schloss der Preis bei 4.538,40 US-Dollar. Seit Jahresanfang liegt Gold damit 4,53 Prozent im Plus, bleibt aber 16,73 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.450 US-Dollar aus dem Januar.
PCE-Daten halten Zinsfrage offen
Parallel lieferten US-Inflationsdaten den zweiten Impuls. Der Preisindex für persönliche Konsumausgaben stieg im April gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent. Ohne Lebensmittel und Energie lag das Plus bei 0,2 Prozent. Im Jahresvergleich erhöhte sich der PCE-Preisindex um 3,8 Prozent, die Kernrate um 3,3 Prozent.
Die Fed-Protokolle vom 28. und 29. April zeigen: Die US-Notenbank schätzt die Inflationsrisiken weiter als nach oben gerichtet ein. Die Fed verwies auf den Nahost-Konflikt, höhere Energiepreise und mögliche Folgen für die Preisbildung in anderen Bereichen der Wirtschaft.
Für Gold ist diese Gemengelage ambivalent. Geopolitische Unsicherheit, ein schwächerer Dollar und nachlassende Ölpreise stützen die Nachfrage. Gleichzeitig begrenzen anhaltend hohe Inflationsraten den Spielraum der Fed für Zinssenkungen. Steigende oder länger hohe Zinsen belasten Gold, weil das Metall keine laufenden Erträge abwirft.
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Investoren ersetzen Schmuckkäufer
Der physische Goldmarkt zeigt eine deutliche Verschiebung. Nach Angaben des World Gold Council erreichte die gesamte Goldnachfrage einschließlich OTC-Geschäft im ersten Quartal 2026 1.230,9 Tonnen — 2 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Angebot stieg ebenfalls um 2 Prozent auf 1.230,9 Tonnen, getragen von höherer Minenproduktion und einem Anstieg des Recyclings um 5 Prozent.
Besonders auffällig ist die Zusammensetzung der Nachfrage:
- Barren und Münzen: 473,6 Tonnen (+42 Prozent)
- Schmucknachfrage: 299,7 Tonnen (-23 Prozent)
- Zentralbanken und Institutionen: 243,7 Tonnen netto (+3 Prozent)
- Goldgedeckte ETFs: Zuflüsse von 62 Tonnen
Der World Gold Council bezeichnet schwächere Schmucknachfrage und wachsendes Anlegerinteresse als strukturellen Wandel in der Zusammensetzung der Goldnachfrage.
Markt zwischen Dollar, Öl und Zinsen
Die aktuelle Bewegung zeigt: Gold reagiert nicht nur auf geopolitische Schlagzeilen. Entscheidend ist die Marktkette dahinter. Eine mögliche Verlängerung der Waffenruhe dämpft Ölpreise, schwächt den Dollar und verändert die Erwartungen an Inflation und Geldpolitik.
Genau diese Verbindung machte den Rohstoff am Donnerstag wieder attraktiv. Die Fed-Protokolle weisen allerdings weiterhin auf erhöhte Inflationsrisiken hin. Solange die US-Inflation klar über dem Ziel der Fed liegt und die Notenbank eine Rückkehr zum 2-Prozent-Ziel als unsicher betrachtet, bleibt der Goldpreis eng an Dollar, Renditen und Ölmarkt gekoppelt.
Ob fallende Energiepreise die Inflationssorgen tatsächlich entschärfen, wird den weiteren Handel bestimmen. Die Volatilität liegt aktuell bei 18,44 Prozent auf 30-Tage-Basis. Der RSI von 49,8 signalisiert eine neutrale technische Lage.
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