Der Goldpreis ist am Donnerstag erneut unter Druck geraten, die Verluste blieben aber überschaubar. Reuters zufolge fiel die Feinunze um 0,1 Prozent auf 4.042,77 US-Dollar, während Rohöl der Sorte Brent gleichzeitig über die Marke von 100 US-Dollar kletterte. Auf Wochensicht stand dennoch ein Plus von rund 0,8 Prozent zu Buche – der erste Wochengewinn seit drei Wochen. Die Journalistin Angela Göpfert stellte in einem Beitrag für tagesschau.de die grundsätzliche Frage, ob Gold angesichts der jüngsten Schwankungen seine Funktion als sicherer Hafen noch zuverlässig erfülle.
Nahost-Eskalation bremst den Ausverkauf
Hintergrund der Nervosität sind Huthi-Angriffe auf saudische Öltanker im Roten Meer, die den Ölpreis über die psychologisch wichtige 100-Dollar-Marke trieben. US-Präsident Trump kündigte eine militärische Reaktion gegen den Iran an, während Teheran einen Waffenstillstand ablehnte. Goldman Sachs rechnet vor diesem Hintergrund im Juli und August mit anhaltend hohen Ölpreisen. Diese geopolitische Prämie stützt die Nachfrage nach Gold als Absicherung, obwohl steigende Energiepreise gleichzeitig die Inflationsrisiken erhöhen und damit das Argument für eine straffere Geldpolitik stärken – ein Zielkonflikt, der den Goldpreis in dieser Woche in beide Richtungen zog. Die US-Rendite zehnjähriger Staatsanleihen kletterte parallel auf den höchsten Stand seit Januar 2025.
Fed-Entscheid am 29. Juli als nächster Prüfstein
Die US-Notenbank entscheidet am 29. Juli über die Zinsen, der Leitzins liegt seit Dezember 2025 unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Der effektive Tagesgeldsatz verharrt bei 3,63 Prozent und damit praktisch auf dem Niveau von Februar. Nach aktuellen Notierungen an den Terminmärkten wird für die Juli-Sitzung mit rund 65 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinspause erwartet, für September preisen die Märkte dagegen mit etwa 82 Prozent Wahrscheinlichkeit bereits eine Zinserhöhung ein. Für den Goldpreis ist weniger die Entscheidung selbst als der Realzins entscheidend, der sich aus Leitzins und Inflationserwartung ergibt. Die Juni-Inflation lag bei 3,5 Prozent, die Kernrate bei 2,6 Prozent, während der Arbeitsmarkt mit nur 57.000 neuen Stellen im Juni an Schwung verlor.
Analysten skizzieren für die Fed-Sitzung vier mögliche Szenarien: Ein „hawkish hold“ könnte den Goldpreis Richtung 4.000 US-Dollar drücken, ein neutraler Kurs dürfte eher Seitwärtsbewegung bedeuten, ein „dovish hold“ könnte eine Erholung auf 4.300 bis 4.400 US-Dollar auslösen, während eine tatsächliche Zinserhöhung den Preis in Richtung 3.900 US-Dollar drücken könnte. JPMorgan nennt ein Kursziel von 4.500 US-Dollar, Goldman Sachs sieht sogar 4.900 US-Dollar als erreichbar an. IG-Analyst Tony Sycamore verortet die charttechnische Basis oberhalb von 3.942 US-Dollar, ein bullisches Signal sieht er erst über 4.202 US-Dollar, mit Ziel an der 200-Tage-Linie bei 4.495 US-Dollar.
Zentralbanken und China treiben die strukturelle Nachfrage
Unabhängig von der kurzfristigen Zinsdebatte bleibt die strukturelle Nachfrage robust. Eine Umfrage des World Gold Council zeigt, dass 89 Prozent der befragten Zentralbanken weitere Goldkäufe erwarten und 45 Prozent planen, ihre eigenen Bestände auszubauen. Mittlerweile halten 93 Prozent der Institute überhaupt Goldreserven, im Vorjahr waren es erst 81 Prozent. Seit vier Jahren kaufen Notenbanken jährlich mehr als 1.000 Tonnen Gold.
China setzte diesen Trend im Juni fort: Wie die Straits Times berichtete, importierte das Land 173 Tonnen Gold und damit so viel wie seit März 2024 nicht mehr – nach 163 Tonnen im Mai. In den ersten fünf Monaten des Jahres lagen die Importe um 76 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Goldreserven der chinesischen Notenbank stiegen den 20. Monat in Folge und erreichten im Juni 2.346 Tonnen. Ein neues Lizenzsystem für Importe, das seit Anfang Juni gilt, erleichterte den Banken den Zugriff auf entsprechende Quoten zusätzlich. Gegenläufig berichten Marktbeobachter, Russland habe im laufenden Jahr rund 44 Tonnen aus seinen Reserven verkauft – der größte Verkauf seit 25 Jahren.
Kurzfristig bleibt die Marke von 4.000 US-Dollar der zentrale Referenzpunkt, an dem sich laut mehreren Marktkommentaren entscheidet, ob der Rückgang der vergangenen Wochen ausläuft. Die Fed-Sitzung am 29. Juli dürfte darüber mitentscheiden, während die Lage im Nahen Osten als zusätzlicher, schwer kalkulierbarer Faktor über dem Markt schwebt.
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