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Globale Zinswende nimmt Fahrt auf

Notenbanken in Australien, Japan und Europa planen Zinserhöhungen im September. Treiber sind Inflation, Energiekosten und schwache Währungen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • RBA-Zinserhöhung im September wahrscheinlicher
  • BOJ-Ökonomen erwarten Zinsschritt im September
  • EZB plant Anhebung auf 2,50 Prozent
  • Iran-Konflikt treibt Energiepreise weltweit

Drei Kontinente, ein Muster: Von Sydney über Tokio bis Frankfurt bereiten sich Notenbanken auf neue Zinserhöhungen vor. Was diese Zinswende antreibt, ist erstaunlich ähnlich – hartnäckige Inflation, hohe Energiepreise durch den Iran-Konflikt und Währungen, die unter Druck stehen. Während die US-Notenbank am Jackson-Hole-Symposium auf sich warten lässt, ziehen andere Zentralbanken bereits die Zügel an.

Australien: Inflation trotzt Erwartungen

In Australien liefern die jüngsten Verbraucherpreisdaten reichlich Zündstoff. Der monatliche Verbraucherpreisindex stieg im Juli um 1,0 Prozent zum Vormonat – deutlich mehr als die erwarteten 0,8 Prozent. Treiber waren vor allem Treibstoffpreise, die nach drei rückläufigen Monaten um 7,5 Prozent nach oben schnellten.

Noch brisanter fiel die Kernrate aus: Das getrimmte Mittel, ein von der Reserve Bank of Australia (RBA) bevorzugtes Maß für die zugrunde liegende Teuerung, kletterte um 0,5 Prozent – der stärkste Anstieg seit einem Jahr und weit über der Prognose von 0,3 Prozent. Auf Jahressicht liegt die Kernrate nun bei 3,6 Prozent.

Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten. Die Wahrscheinlichkeit für eine vierte RBA-Zinserhöhung im September sprang von 17 auf 36 Prozent. Deutsche Bank-Ökonom Phil Odonaghoe brachte es auf den Punkt: Die Juli-Daten ließen der Notenbank kaum eine andere Wahl, als ihre restriktive Haltung nun auch in die Tat umzusetzen – je früher, desto besser. Auch Oxford Economics Australia warnt, das Risiko einer verfestigten Inflation oberhalb der RBA-Prognosen sei real. Der australische Dollar reagierte mit einem moderaten Anstieg auf 0,7176 US-Dollar.

Japan: BOJ vor schnellerem Kurswechsel

In Japan zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, nur mit anderen Vorzeichen. Die Bank of Japan (BOJ) dürfte laut einer aktuellen Reuters-Umfrage bereits im September nachlegen und den Leitzins von 1,0 auf 1,25 Prozent anheben. Bemerkenswert ist der Stimmungsumschwung: Im Juli-Poll erwarteten gerade einmal 5 Prozent der befragten Ökonomen einen Zinsschritt in diesem Quartal, nun sind es 57 Prozent.

Die Gründe liegen auf der Hand. Die Dienstleistungs-Erzeugerpreise zogen im Juli um 3,6 Prozent zum Vorjahr an, nach 3,4 Prozent im Juni – ein Indiz dafür, dass Unternehmen steigende Kosten zunehmend an Kunden weiterreichen. Ein angespannter Arbeitsmarkt verstärkt diesen Trend zusätzlich. Hinzu kommt der schwache Yen, der Importe verteuert und die Inflation über den Kriegsfolgen im Nahen Osten weiter anheizt.

Selbst die gemeinsame Yen-Stützungsaktion von Japan und den USA im Vormonat konnte daran wenig ändern – mehr als zwei Drittel der befragten Ökonomen halten die Intervention für wirkungslos oder wenig effektiv. Sie habe die eigentlichen Probleme allenfalls verzögert, nicht gelöst. JPMorgan-Chefvolkswirtin Ayako Fujita bringt die Zwickmühle der BOJ auf den Punkt: Der Markt habe eine September-Erhöhung bereits eingepreist, eine Verschiebung würde die Lage nur destabilisieren.

Pikant: Gouverneur Kazuo Ueda verzichtet in dieser Woche auf seinen Auftritt beim Jackson-Hole-Symposium der Fed und schickt stattdessen den als Falken geltenden Notenbankdirektor Naoki Tamura. Ueda dürfte stattdessen kommende Woche beim G20-Finanzministertreffen in Asheville auftauchen, wo US-Finanzminister Scott Bessent bereits ein Treffen angekündigt hat. Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch die Fiskalpolitik von Premierministerin Sanae Takaichi: 89 Prozent der befragten Ökonomen sehen in ihren geplanten Steuersenkungen einen Faktor, der den Yen weiter schwächen und die BOJ ins Hintertreffen geraten lassen könnte.

Europa: EZB zwischen Energiepreisen und Zurückhaltung

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) steuert offenbar auf eine Zinserhöhung im September zu. Wie mehrere mit den Beratungen vertraute Personen gegenüber Reuters bestätigten, wollen die EZB-Gouverneure den Leitzins von 2,25 auf 2,50 Prozent anheben. Auslöser ist auch hier der Iran-Konflikt, der über steigende Erdgas- und Benzinpreise die Inflation in der Eurozone auf knapp 3 Prozent treibt.

Anders als in Japan, wo weitere Zinsschritte bereits als wahrscheinlich gelten, zeigt sich die EZB zurückhaltender bei Signalen für die Zeit danach. Die langfristigen Inflationserwartungen gelten als gut verankert nahe dem 2-Prozent-Ziel, weshalb die Notenbank keinen Anlass sieht, weitere Straffungen anzudeuten – auch wenn die Finanzmärkte ein bis zwei zusätzliche Erhöhungen einpreisen. Bemerkenswert ist zudem, dass die robuste Konjunktur der Eurozone den Zinserhöhungskurs offenbar nicht bremst: Deutschland etwa übertraf im zweiten Quartal die Wachstumserwartungen, und das Geschäftsklima kletterte im August auf ein Jahreshoch. Citi’s Überraschungsindex für Europa liegt inzwischen so weit über dem US-Pendant wie seit Februar 2023 nicht mehr.

Ausblick

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob dieser globale Gleichklang bei den Notenbanken Bestand hat. Für die Finanzmärkte bedeutet die Aussicht auf gleich drei Zinserhöhungen binnen kurzer Zeit – in Australien, Japan und der Eurozone – ein verändertes Zinsumfeld, das Anleihen, Währungen und letztlich auch Aktienbewertungen neu justieren wird. Entscheidend wird sein, wie die Fed unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh in Jackson Hole reagiert, und ob die US-Geldpolitik dem restriktiveren Kurs anderer Notenbanken folgt oder eigene Wege geht. Die am Mittwoch anstehenden PCE-Inflationsdaten aus den USA dürften dafür erste Hinweise liefern.

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Dr. Robert Sasse

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Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

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