Die weltweite Versorgung mit Diesel gerät unter spürbaren Druck. Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine blockieren wichtige Exportmengen, während die weltweiten Vorräte auf historische Tiefststände fallen. Für die Weltwirtschaft bedeutet das eine anhaltende Belastung: Der spürbare Mangel an Treibstoff dürfte sich bis in das Jahr 2027 ziehen.
Diesel treibt Lastwagen, Landmaschinen und Fabriken an. Entsprechend deutlich schlägt der Engpass auf die Betriebskosten der Realwirtschaft durch. In den Vereinigten Staaten kletterten die Preise an den Zapfsäulen in diesem Monat erstmals über die Marke von 6 Dollar pro Gallone. Transportunternehmen passen ihre Fahrtrouten bereits an, um unnötige Fahrten zu vermeiden. Jeder zusätzliche Kilometer wiegt schwer.
Leere Tanks und gekündigte Verträge
Wie angespannt die Lage ist, zeigt sich in den Vorratslagern. Bis zum 11. September sanken die US-Bestände an Diesel auf 107,9 Millionen Barrel. Das ist der niedrigste Wert für diesen Zeitraum seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1982.
Weil schlicht kein Treibstoff vorhanden ist, der eingelagert werden könnte, lassen Raffinerien und Händler ihre Verträge für Tanklager auslaufen. Lagerbetreiber verzeichnen daher ungewöhnlich viele ungenutzte Kapazitäten. Üblicherweise werden Tanks für ein halbes oder ganzes Jahr fest gemietet. Angesichts der akuten Knappheit verzichten viele Akteure auf eine Verlängerung, um unnötige Fixkosten zu vermeiden.
Auch in Übersee lichten sich die Reserven. Im europäischen Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen lagen die Bestände zuletzt 16 Prozent unter dem langjährigen Fünfjahresdurchschnitt. In asiatischen Märkten zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, wo die Vorräte ebenfalls unter dem Vorjahresniveau verharren.
Raffinerien stoßen an Grenzen
Rekordhohe Veredelungsmargen schaffen für Raffinerien zwar starke finanzielle Anreize, die Produktion maximal hochzufahren. Die Prämie für US-Diesel gegenüber Rohöl kletterte Mitte September auf einen Höchststand von 118,62 Dollar je Barrel. Allerdings bremsen politische Eingriffe das Angebot: Russland hat seine Ausfuhrbeschränkungen für Diesel bis Ende Oktober verlängert.
Die US-Energiebehörde EIA rechnet damit, dass die Destillatbestände in den Vereinigten Staaten bis Ende 2026 und über weite Teile des Jahres 2027 unter ihren Fünfjahrestiefs verharren werden. Solange der Konflikt im Nahen Osten Förder- und Verarbeitungsstrukturen blockiert, bleibt das weltweite Dieselangebot auf Kante genäht.
