Gerresheimer setzt auf Eigenrestrukturierung — und schließt die Tür für externe Käufer. Der Düsseldorfer Pharma-Verpackungshersteller hat ein Übernahmeangebot des US-Konkurrenten Silgan abgelehnt. Gespräche finden laut drei mit der Situation vertrauten Quellen nicht mehr statt.
Silgan hatte im März mit einer unverbindlichen Offerte von 41 Euro je Aktie angeklopft — mehr als doppelt so viel wie der damalige Börsenkurs. Die Nachricht trieb die Aktie kurzzeitig um 15 Prozent nach oben. Inzwischen notiert das Papier bei 24 Euro, rund 63 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro. Der Börsenwert des Konzerns liegt bei knapp 730 Millionen Euro — vor einem Jahr war er noch dreimal so hoch.
Centor-Verkauf und Schuldenmoratorium
Statt einem Käufer die Hand zu reichen, konzentriert sich das Management auf zwei konkrete Maßnahmen. Erstens: den Verkauf der US-Tochter Centor Inc., die auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente spezialisiert ist. Der von Morgan Stanley begleitete Prozess läuft mit einer zweistelligen Zahl von Interessenten, ein Abschluss ist noch für 2026 geplant.
Zweitens hat Gerresheimer eine kritische Finanzierungsbrücke gesichert. Inhaber von 96 Prozent des Schuldscheinvolumens — insgesamt 870 Millionen Euro — stimmten einer Fristverlängerung bis Ende September 2026 zu. Bankpartner zogen mit, wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad sind bis einschließlich des dritten Quartals ausgesetzt.
BaFin-Prüfung überschattet alles
Das eigentliche Problem sitzt tiefer. Die BaFin hat konkrete Anhaltspunkte für Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften identifiziert: falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten, fehlerhafte Angaben zu Nutzungsdauern aktivierter Entwicklungskosten und nicht erfasste Wertminderungen im Segment Advanced Technologies mit einem Buchwert von knapp 197 Millionen Euro.
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Solange der testierte Jahresabschluss 2025 fehlt — Gerresheimer peilt Juni an —, bleibt das wahre Ausmaß der Bilanzprobleme unklar. Institutionelle Investoren dürften sich bis dahin zurückhalten. Die für den 3. Juni 2026 geplante ordentliche Hauptversammlung wurde bereits abgesagt; ein neuer Termin steht noch nicht fest.
Für 2026 erwartet Gerresheimer Umsatzerlöse von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Diese Prognose steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt eines positiven BaFin-Ergebnisses — was ihr als Planungsgrundlage erheblich an Belastbarkeit nimmt.
Der Jahresabschluss im Juni wird der erste echte Belastungstest für die Eigenrestrukturierung sein. Fällt das BaFin-Ergebnis negativ aus, dürfte die Debatte über externe Lösungen schnell wieder aufflammen. Der Halbjahresbericht folgt am 14. Juli 2026.
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