Gerresheimer hat ein Problem, das sich nicht wegdiskutieren lässt. Der testierte Jahresabschluss für 2025 fehlt — und ohne ihn bleibt der gesamte Finanzkalender in der Schwebe.
Das Unternehmen plant, den Abschluss erst im Juni 2026 vorzulegen. Erst dann kann der Halbjahresbericht am 14. Juli folgen. Die Banken spielen mit: Wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad sind bis einschließlich des dritten Quartals ausgesetzt. Das schafft Zeit, löst aber nichts.
Drei offene Posten bei der BaFin
Im Hintergrund läuft die Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die BaFin hatte sie im September 2025 eingeleitet — und inzwischen ausgeweitet. Drei Punkte stehen im Raum:
- Leasingverbindlichkeiten mit einem Buchwert von 65,5 Millionen Euro sollen falsch ausgewiesen sein
- Nutzungsdauern aktivierter Entwicklungskosten (Buchwert: 29,4 Millionen Euro) sind laut BaFin im Anhang falsch angegeben
- Vermögenswerte des Segments Advanced Technologies mit einem Buchwert von 196,5 Millionen Euro wurden demnach wertgemindert, ohne dass der Aufwand korrekt erfasst wurde
Die BaFin wird das Ergebnis veröffentlichen. Einen Zeitplan gibt es nicht.
Prognose mit Vorbehalt
Operativ hält Gerresheimer an seinen Zielen fest. Für 2026 kalkuliert das Unternehmen mit Erlösen zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro sowie einer bereinigten EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Der freie Cashflow soll moderat positiv ausfallen.
Diese Prognose steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt eines positiven BaFin-Ergebnisses. Solange das aussteht, fehlt institutionellen Investoren die Grundlage für eine Positionierung.
Die Aktie handelt bei 22,76 Euro — rund 65 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp 18 Prozent verloren, obwohl es sich vom Februar-Tief bereits deutlich erholt hat.
Centor-Verkauf soll Spielraum schaffen
Parallel läuft der Verkaufsprozess für die Tochter Centor, die Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente herstellt. Eine zweistellige Zahl von Interessenten ist laut Unternehmensangaben im Rennen. Morgan Stanley begleitet die Transaktion. Gerresheimer rechnet noch 2026 mit dem Abschluss. Der Erlös soll die Finanzierungsstruktur stabilisieren.
Der Juni wird zeigen, wie tief die Bilanzprobleme tatsächlich reichen. Erst mit einem testierten Abschluss lässt sich das wahre Ausmaß beziffern — und erst dann dürfte der Kurs eine belastbare Basis finden.
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