Während die Finanzaufsicht BaFin ihre Untersuchung rund um fehlerhafte Buchungen massiv ausweitet, sorgt ein unerwartetes Übernahmegerücht für Aufsehen. Der US-Verpackungskonzern Silgan Holdings fasst offenbar eine Offerte ins Auge, die den aktuellen Börsenwert weit übersteigen würde. Diese Spekulationen treffen auf einen Konzern, der nach verschobenen Bilanzen und dem SDAX-Abstieg tief in einer regulatorischen Krise steckt.
Laut Insiderinformationen der Nachrichtenagentur Reuters arbeitet Silgan mit Beratern an einem möglichen Angebot von 41 Euro je Aktie. Das entspricht mehr als dem Doppelten des jüngsten Kursniveaus, das nach Zwangsverkäufen von Indexfonds infolge des SDAX-Ausschlusses spürbar unter die Marke von 19 Euro gerutscht war. Ob tatsächlich ein verbindliches Angebot auf den Tisch kommt, ist angesichts der unübersichtlichen Zahlenlage allerdings völlig offen.
Aufsichtsbehörden erhöhen den Druck
Die regulatorischen Probleme von Gerresheimer nehmen derweil zu. Die BaFin hat ihre Prüfung des Konzernzwischenabschlusses ausgeweitet. Neben umstrittenen „Bill-and-Hold“-Verträgen stehen nun auch die Bilanzierung von Leasingverbindlichkeiten, aktivierte Entwicklungskosten und unterlassene Abschreibungen im Fokus. Allein für das Jahr 2024 geht es um fehlerhafte Verbuchungen von 35 Millionen Euro beim Umsatz.
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Parallel dazu hat die Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) ein Verfahren gegen KPMG eingeleitet, da die Gesellschaft diesen fehlerhaften Abschluss zuvor uneingeschränkt testiert hatte. Zur Klärung der komplexen Sachlage wurde nun das Prüfungsunternehmen Grant Thornton hinzugezogen.
Die buchhalterischen Korrekturen hinterlassen tiefe Spuren in der Bilanz. Gerresheimer rechnet mit nicht-zahlungswirksamen Abschreibungen in Höhe von 220 bis 240 Millionen Euro. Diese enormen Wertminderungen resultieren primär aus Technologieprojekten der Schweizer Tochtergesellschaft Sensile Medical sowie der für Ende 2026 geplanten Schließung eines US-Glaswerks. Angesichts dieser Entwicklung prüft der Aktionärsschutzverband DSW bereits Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Führungskräfte, darunter Ex-CEO Dietmar Siemssen.
Fristen rücken näher
Die bestätigte Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt erfolgreicher Bankgespräche und ausbleibender weiterer BaFin-Korrekturen. Ein entscheidender Meilenstein folgt im Juni 2026: Dann muss das Management den testierten Jahresabschluss vorlegen und die Ergebnisse der laufenden Kreditverhandlungen präsentieren. Spätestens mit dem für den 14. Juli terminierten Halbjahresbericht wird sich der aktuelle finanzielle Spielraum des Unternehmens in harten Zahlen ablesen lassen.
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