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Gerresheimer Aktie: Trennung von Centor und PPP soll Marge stützen

Gerresheimer richtet sein Portfolio neu aus: Verkäufe an Apax sind vereinbart, während das Kerngeschäft im ersten Quartal höhere Margen erzielte.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Hauptversammlung bestätigt sämtliche Beschlussvorlagen
  • Drei neue Aufsichtsräte gewählt
  • Verkäufe an Apax vereinbart
  • Containment-Sparte steigert bereinigte Marge

Am Dienstag hat die Hauptversammlung von Gerresheimer bei einer Präsenz von 41,59 Prozent des Grundkapitals allen Beschlussvorschlägen mehrheitlich zugestimmt. Für mich ist das die am wenigsten überraschende Nachricht der vergangenen Wochen – und genau deshalb nicht der Punkt, an dem sich die Investmentstory entscheidet.

Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurden Rainer Beaujean, Markus Sieger und Eva van Pelt, Klaus Röhrig wurde wiedergewählt. Sieger wurde direkt zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden bestellt. Ausgeschieden sind Axel Herberg, Andrea Abt und Annette Köhler.

Der Vorstand um Uwe Röhrhoff, Wolf Lehmann und Achim Schalk wurde für 2025 entlastet, KPMG als neuer Abschlussprüfer für 2026 gewählt. Ein glatter, geräuschloser Ablauf – nach den Turbulenzen der vergangenen Monate fast schon bemerkenswert unspektakulär. Wer hier eine Gegenwehr der Aktionäre erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Das eigentliche Signal steckt im Portfolio-Umbau

Für mich liegt der eigentliche Hebel nicht im Kontrollgremium, sondern in der Ende Juli verkündeten Vereinbarung mit Apax Funds. Gerresheimer verkauft die Centor US Holding sowie das globale Geschäft mit Kunststoff-Primärverpackungen (PPP) zu einem kombinierten Unternehmenswert von rund 1,5 Milliarden Euro.

Die betroffenen Einheiten erwirtschafteten zuletzt kombiniert etwa 570 Millionen Euro Umsatz mit rund 2.400 Beschäftigten. Der Centor-Abschluss wird bis Ende des laufenden Geschäftsjahres erwartet, der PPP-Deal erst in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2027.

Das ist aus meiner Sicht die eigentliche Wette des Managements: weg vom margenschwächeren Kunststoffgeschäft, hin zu einer schärferen Fokussierung auf das Kerngeschäft mit pharmazeutischen Verpackungs- und Delivery-Systemen.

Die Zahlen aus dem vorläufigen Bericht zum ersten Quartal, veröffentlicht Ende August, stützen diese Lesart durchaus. Der Bereich Containment & Delivery Systems steigerte seinen Umsatz auf 296 Millionen Euro und die bereinigte EBITDA-Marge auf 20,6 Prozent – ein deutlicher Sprung gegenüber 18,5 Prozent im Vorjahresquartal.

Konzernweit bleibt der Druck spürbar

Auf Konzernebene sieht das Bild gemischter aus. Der Gesamtumsatz stieg zwar leicht auf 524 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA fiel jedoch von 81 auf 66 Millionen Euro, die Marge sackte von 15,7 auf 12,6 Prozent ab.

Positiv immerhin: Der freie Cashflow verbesserte sich deutlich von minus 141 auf minus 32 Millionen Euro. Das Management bestätigte die Jahresprognose und stellte ein stärkeres zweites Halbjahr in Aussicht – eine Ansage, die Anleger im Hinterkopf behalten sollten, wenn die kommenden Quartale enttäuschen.

Parallel dazu treibt Gerresheimer operativ die Internationalisierung voran: Im Juli ging eine neue Glashütte in Zhenjiang Dagang in China in Betrieb, die die Kapazitäten für Primärverpackungen erweitert. Das passt ins Bild eines Unternehmens, das trotz des Portfolio-Umbaus in sein verbleibendes Kerngeschäft investiert, statt nur zu verkaufen und zu schrumpfen.

Von Analystenseite gibt es derzeit keine frischen Impulse – die jüngste dokumentierte Einschätzung stammt bereits aus dem Mai und taugt für mich nicht mehr als aktuelle Meinungsgrundlage.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich Gerresheimer in einer Phase, in der die strategische Neuausrichtung mehr über die künftige Ertragskraft aussagt als jede Hauptversammlung. Die Trennung von Centor und PPP dürfte die Konzernmarge mittelfristig stützen, wenn das margenstärkere Kerngeschäft weiterläuft wie im ersten Quartal gezeigt.

Die Kehrseite: Bis beide Transaktionen tatsächlich vollzogen sind, bleibt Unsicherheit über Timing und endgültige Konditionen. Wer auf die Story setzt, sollte weniger auf die Aufsichtsratsbesetzung schauen als auf die Frage, ob sich die Margenverbesserung im Kerngeschäft in den kommenden Quartalen fortsetzt – genau daran wird sich zeigen, ob der Umbau aufgeht.

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Diskussion zu Gerresheimer

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.