Morgen läuft die Transparenzfrist ab — und Gerresheimer steht ohne testierten Abschluss da. Der Rauswurf aus dem SDAX ist damit besiegelt. Schwerer wiegt jedoch, was hinter den Kulissen passiert: Verhandlungen mit Kreditgebern, laufende Sonderprüfungen und ein Notverkauf in den USA.
Bilanz unter Beschuss
Der Konzern kann den geprüften Jahresabschluss für 2025 nicht bis zum 31. März vorlegen. Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht Geschäftsvorgänge aus 2024 und 2025, im Mittelpunkt stehen sogenannte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen — Buchungspraktiken, bei denen Umsätze erfasst werden, bevor Waren tatsächlich geliefert sind. Das Management peilt eine Veröffentlichung erst für Juni 2026 an.
Die verspätete Bilanzvorlage verletzt Informationspflichten aus bestehenden Kreditverträgen. Gerresheimer verhandelt deshalb mit seinen Geldgebern über verlängerte Vorlagefristen, um eine Kündigung von Kreditlinien oder eine Neufestsetzung der Konditionen abzuwenden.
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Centor-Verkauf soll Luft verschaffen
Um die Finanzierungsstruktur zu stabilisieren, hat das Unternehmen den Verkauf seiner US-Tochter Centor Inc. eingeleitet. Die auf Verpackungen für verschreibungspflichtige Medikamente spezialisierte Einheit gilt als profitabel. Morgan Stanley begleitet den Prozess; ein Abschluss ist noch für 2026 geplant.
Gleichzeitig belasten Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro das Zahlenwerk — hauptsächlich für Technologieprojekte der Tochter Sensile Medical sowie das Glaswerk in Chicago Heights, das Ende 2026 schließen soll. Die Dividende für 2025 wurde bereits auf das gesetzliche Minimum von 0,04 Euro je Aktie zusammengestrichen.
Ausblick mit wenig Sichtweite
Für 2026 stellt das Management einen Umsatz zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro sowie einen moderat positiven Free Cash Flow in Aussicht. Solange die testierten Zahlen für 2025 fehlen, bleibt diese Prognose jedoch schwer einzuordnen. Die Aktie notiert aktuell bei rund 20 Euro — weit entfernt vom Niveau vor einem Jahr, als der Kurs noch jenseits der 70-Euro-Marke stand. Ob die laufenden Kreditgespräche zu einer tragfähigen Einigung führen, entscheidet sich in den kommenden Wochen und dürfte den nächsten Kursimpuls maßgeblich bestimmen.
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