Der Bilanzskandal bei Gerresheimer erreicht die nächste Stufe. Jetzt geraten die eigenen Kontrolleure ins Visier der Behörden. Während die Aufseher ihre Ermittlungen massiv ausweiten, greift das Management zu drastischen Mitteln zur Liquiditätssicherung.
Behörden weiten Ermittlungen aus
Die Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Der Vorwurf wiegt schwer. Die Prüfer hatten den Jahresabschluss 2024 uneingeschränkt testiert, obwohl systematische IFRS-Fehler bei sogenannten „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen vorlagen. Dabei wurden Umsätze für noch nicht ausgelieferte Waren zu früh verbucht. Nun durchleuchtet Grant Thornton als zweite Gesellschaft die Bücher.
Zeitgleich vergrößert die BaFin ihren Prüfungsradius. Neben Leasingverbindlichkeiten untersuchen die Aufseher eine möglicherweise zu spät gebuchte Wertminderung von 196,5 Millionen Euro im Segment Advanced Technologies. Ein zweites Verfahren nimmt den Halbjahresbericht 2025 ins Visier. Hier geht es konkret um die Risikoeinschätzung beim Zukauf von Bormioli Pharma. Aktionärsschützer der DSW prüfen derweil Schadensersatzansprüche gegen den ehemaligen Vorstand.
Notverkauf und Werkschließung
Der finanzielle Druck zwingt den Konzern zu harten Einschnitten. Um Spielraum zu gewinnen, hat Morgan Stanley den Auftrag erhalten, die US-Tochter Centor noch in diesem Jahr zu veräußern. Ein Glaswerk in Chicago schließt bis Ende 2026. Die Produktion wandert nach Italien und Indien.
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Für das Geschäftsjahr 2025 erwartet das Unternehmen nicht zahlungswirksame Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro. Der Kapitalmarkt reagiert auf die anhaltende Krise unerbittlich. Mit einem gestrigen Schlusskurs von 17,26 Euro hat das Papier auf Sicht von zwölf Monaten knapp 68 Prozent an Wert verloren.
Bankengespräche unter Zeitdruck
Der reguläre Finanzkalender ruht in weiten Teilen. Quartalszahlen und Hauptversammlung sind auf unbestimmte Zeit vertagt. Das Management verhandelt intensiv mit Kreditgebern, um Fristverlängerungen zu erwirken. Parallel nutzen erste institutionelle Adressen wie CastleKnight und Deka das gedrückte Kursniveau für Neueinstiege und stellen sich damit gegen die aktiven Leerverkäufer.
Alle Sanierungsbemühungen laufen auf einen fixen Termin hinaus. Im Juni 2026 muss Gerresheimer den testierten Jahresabschluss vorlegen. Nur wenn diese Frist gehalten wird und die BaFin-Prüfung positiv endet, ist die Umsatzprognose von bis zu 2,4 Milliarden Euro für 2026 gültig. Ein erneutes Scheitern würde den Verhandlungsspielraum mit den Banken drastisch einschränken.
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