Der Juni wird zum Schicksalsmonat für Gerresheimer. Der Pharmaverpackungshersteller steckt tief in einer Bilanzkrise. Nun muss das Unternehmen endlich testierte Zahlen liefern. Ohne diesen Abschluss bleibt die Aktie für viele Großinvestoren unantastbar.
Bilanzkrise und Fristen
Im Kern des Problems stehen sogenannte Bill-and-Hold-Transaktionen. Gerresheimer verbuchte Umsätze zu früh und verstieß damit gegen IFRS-Regeln. Eine Kanzlei bestätigte diese systematischen Fehler. Sie belasten den Umsatz um 35 Millionen Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis sinkt um 24 Millionen Euro.
Die Abschlussprüferaufsichtsstelle untersucht mittlerweile den langjährigen Prüfer KPMG. Das erhöht die Unsicherheit am Markt massiv. Der Kapitalmarkt wartet seit Monaten auf verlässliche Daten. Die Hauptversammlung fiel bereits aus.
An der Börse spiegelt sich diese Hängepartie wider. Das Papier beendete die Handelswoche bei 25,14 Euro und damit knapp unter der wichtigen 200-Tage-Linie. Auf Sicht von zwölf Monaten verlor der Wert fast die Hälfte. Vom Jahrestief im Februar hat sich der Kurs zwar erholt. Ein nachhaltiger Aufwärtstrend fehlt aber.
Notverkauf und Digital-Strategie
Um die Bilanz zu entlasten, treibt das Management den Verkauf der US-Tochter Centor voran. Morgan Stanley begleitet den Prozess. Laut Konzern gibt es eine zweistellige Zahl an Interessenten. Ende 2024 stand Centor mit 292 Millionen Euro in den Büchern.
Das Dilemma: Centor erzielt überdurchschnittliche Margen. Ein Verkauf senkt die Schulden, drückt aber die Profitabilität des Restkonzerns.
Parallel dazu blickt Gerresheimer in die Zukunft. Eine neue Partnerschaft mit Newel Health soll digitale Gesundheitsangebote stärken. Der Fokus liegt auf der Datenerfassung bei GLP-1-Präparaten und Parkinson-Therapien. Der Konzern will weg von reinen Medikamentenverpackungen.
Kreditgeber setzen Ultimatum
Trotz der Turbulenzen hält der Vorstand an seinen Jahreszielen fest. Für 2026 plant Gerresheimer bis zu 2,4 Milliarden Euro Umsatz. Die bereinigte operative Marge soll knapp unter 20 Prozent liegen. Diese Prognose gilt aber nur bei einem positiven BaFin-Ergebnis.
Die Zeit drängt. Kreditgeber haben dem Konzern bis Ende September 2026 Aufschub gewährt. Wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad sind bis dahin ausgesetzt. Große Investoren wie Active Ownership und Goldman Sachs brachten sich zuletzt in Stellung.
Sobald Gerresheimer den testierten Jahresabschluss vorlegt, fällt der größte Bewertungsabschlag weg. Fehlt das Testat im Juni erneut, droht im Herbst der Bruch der Kreditverträge.
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