Der Bilanzskandal bei Gerresheimer hat längst eine eigene Dynamik entwickelt. KPMG steht unter berufsrechtlichem Druck, die BaFin ermittelt, und der gesamte Finanzkalender des Unternehmens liegt auf Eis. Jetzt verdichtet sich alles auf einen einzigen Monat.
Regulatorischer Druck auf allen Ebenen
Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Der Vorwurf: Der Wirtschaftsprüfer hatte den Jahresabschluss 2024 trotz systematischer Fehler bei der Umsatzrealisierung uneingeschränkt testiert — und das ausgerechnet in seinem ersten Jahr als Prüfer nach der Ablösung von Deloitte.
Die BaFin legte am 6. März nach und eröffnete eine formelle Prüfung des Konzernzwischenabschlusses. Im Visier stehen konkret: möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Mio. Euro, fehlerhaft angegebene Nutzungsdauern aktivierter Entwicklungskosten mit einem Buchwert von 29,4 Mio. Euro sowie nicht korrekt erfasste Wertminderungen im Segment Advanced Technologies (Buchwert: 196,5 Mio. Euro).
Centor-Verkauf soll Liquidität sichern
Parallel versucht das Management, den Druck auf die Kreditlinien zu reduzieren. Den Verkauf der US-Tochter Centor Inc. — spezialisiert auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente — hat Gerresheimer bereits eingeleitet und Morgan Stanley als Berater mandatiert. Der Abschluss ist noch für dieses Jahr geplant.
Weniger weit gediehen ist der ursprünglich ebenfalls für 2026 vorgesehene Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts. Gerresheimer will die Separierung zwar vorantreiben, den eigentlichen Verkaufsprozess aber erst zu einem späteren Zeitpunkt starten.
Hintergrund der Eile beim Centor-Deal: Das Unternehmen befindet sich in technischem Verzug, weil vertraglich vereinbarte Reporting-Pflichten verletzt wurden. Das Management verhandelt derzeit mit Kreditgebern über Fristverlängerungen.
Übernahme und institutionelle Käufer
Im März hatten Reuters-Berichte über Interesse des US-Verpackungskonzerns Silgan Holdings kurzzeitig für Aufmerksamkeit gesorgt. Genannt wurde ein mögliches Angebot von 41 Euro je Aktie — deutlich über dem aktuellen Kursniveau von rund 17 Euro. Verbindlich ist davon nichts: Die Gespräche befinden sich Insidern zufolge noch in einem frühen Stadium, offizielle Stellungnahmen gibt es von keiner Seite.
Trotz der ungelösten Lage haben erste institutionelle Investoren zugegriffen. CastleKnight und Deka Investment meldeten zuletzt neue Beteiligungen — ein Zeichen, dass einzelne Marktteilnehmer das stark gedrückte Kursniveau als Einstiegsgelegenheit werten.
Was im Juni auf dem Spiel steht
Der testierte Jahresabschluss 2025 soll im Juni 2026 vorliegen. Gelingt das, wäre zumindest eine Grundlage für eine Stabilisierung geschaffen. Eine erneute Verzögerung hingegen würde den Verkaufsdruck auf die Aktie — die seit Jahresbeginn bereits rund 38 Prozent verloren hat — weiter verschärfen.
Die Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 steht explizit unter dem Vorbehalt, dass die Kreditfazilitäten gesichert und die BaFin-Beanstandungen ausgeräumt werden. Der nächste belastbare Einblick in die Lage folgt mit dem Halbjahresbericht am 14. Juli 2026.
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