Satte 26 Prozent Kursplus in nur sieben Tagen. Bei Gerresheimer scheinen Anleger aufatmen zu wollen. Die Realität hinter der jüngsten Rally sieht allerdings deutlich komplexer aus. Der Pharmaverpackungsspezialist kämpft mit gravierenden Fehlern in der Buchhaltung und verschobenen Abschlüssen.
Kreditgeber lockern die Leine
Mitte April sicherten die Kreditgeber dem Düsseldorfer Konzern wichtiges Überlebensterrain. Fast alle Inhaber der Schuldscheindarlehen verlängerten die Frist. Gerresheimer hat nun bis Ende September 2026 Zeit, den testierten Jahresabschluss vorzulegen. Parallel dazu setzten die Gläubiger wesentliche Bedingungen zum Verschuldungsgrad vorübergehend aus. Das verschafft dem Vorstand Luft.
Die eigentliche Wurzel der Krise liegt in massiven internen Fehlern. Die Finanzaufsicht BaFin prüft konkrete Anhaltspunkte für falsche Bilanzen. Im Zentrum stehen unzutreffend erfasste Umsätze und ignorierte Wertminderungen. Die Folge: Gerresheimer erwartet nun nicht-zahlungswirksame Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro.
Auch die Wirtschaftsprüfer stehen unter Druck. Die Prüferaufsicht APAS ermittelt gegen KPMG wegen eines uneingeschränkten Testats für das Vorjahr. Mittlerweile durchleuchtet die Gesellschaft Grant Thornton die Bücher. Der gesamte Finanzkalender ist aus dem Takt geraten. Eine Hauptversammlung hat aktuell keinen Termin.
US-Tochter steht zum Verkauf
Um die Kapitalstruktur zu stärken, treibt das Management den Verkauf der US-Tochter Centor voran. Die Investmentbank Morgan Stanley sucht nach Käufern für den Spezialisten für Medikamentenverpackungen. Aktuell prüfen mehrere Interessenten den Bereich. Ende 2024 stand Centor mit knapp 290 Millionen Euro in den Büchern. Gerresheimer strebt den Verkauf noch in diesem Jahr an.
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Trotz der Turbulenzen hält der Konzern an seinen operativen Zielen fest. Für 2026 peilt das Unternehmen einen Umsatz von bis zu 2,4 Milliarden Euro an. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei rund 18 Prozent liegen. Laut Vorstand läuft das Tagesgeschäft im Rahmen der Erwartungen.
Aktie im Erholungsmodus
An der Börse sorgte die Einigung mit den Gläubigern für Erleichterung. Am Dienstag schloss die Aktie bei 22,24 Euro und verzeichnete auf Wochensicht ein sattes Plus. Der längerfristige Blick zeigt allerdings das wahre Ausmaß des Absturzes. Auf Jahressicht notiert das Papier weiterhin 57 Prozent im Minus.
Der nächste harte Prüfstein steht bereits fest. Das Management will den testierten Jahresabschluss im Juni 2026 vorlegen. Gelingt diese Veröffentlichung, verschwindet ein massiver Unsicherheitsfaktor aus dem Markt. Parallel dazu muss der Konzern den Verkauf der US-Tochter zügig abschließen.
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