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Symbolbild, KI-generiert

Gerresheimer Aktie: Gefährlicher Bilanz-Krimi

Gerresheimer verzögert Jahresabschluss und verhandelt mit Banken, während die BaFin Millionenposten prüft. Der Aktienkurs ist stark unter Druck.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Fehlender Jahresabschluss führt zu Kreditverhandlungen
  • Finanzaufsicht prüft Wertminderungen von 196,5 Millionen Euro
  • Verkauf der US-Tochter Centor zur Kapitalentlastung geplant
  • Aktienkurs verliert 84 Prozent seit Allzeithoch

Der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist kommt einfach nicht zur Ruhe. Während interne Buchungsfehler die dringend benötigte Vorlage des Jahresabschlusses blockieren, weitet die Finanzaufsicht BaFin ihre Untersuchungen massiv aus. Gleichzeitig tickt bei den Gläubigern die Uhr, da vertragliche Meldefristen bereits verstrichen sind.

Da der testierte Abschluss für 2025 fehlt, befindet sich das Unternehmen in einem technischen Verzug seiner Kreditverträge. Das Management muss aktuell intensiv mit den Banken über Fristverlängerungen verhandeln, um eine Kündigung der Kreditlinien abzuwenden. Ein geprüfter Abschluss wird frühestens für Juni 2026 erwartet. Entsprechend wurden die für Mitte April geplante Quartalsmitteilung sowie die Hauptversammlung auf unbestimmte Zeit verschoben.

BaFin prüft weitere Millionenposten

Die Unsicherheit wird durch das Eingreifen der Aufsichtsbehörden weiter verschärft. Neben den bereits bekannten Unregelmäßigkeiten bei der Umsatzverbuchung (sogenannte „Bill-and-Hold“-Geschäfte) nimmt die BaFin nun konkrete Bilanzposten ins Visier:

  • Wertminderungen im Bereich Advanced Technologies: 196,5 Millionen Euro
  • Leasingverbindlichkeiten: 65,5 Millionen Euro
  • Aktivierte Entwicklungskosten: 29,4 Millionen Euro

Um die Vorgänge der Jahre 2024 und 2025 lückenlos aufzuklären, hat Gerresheimer neben dem regulären Abschlussprüfer eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft engagiert. Bisherige Erkenntnisse belegen, dass einzelne Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und IFRS-Vorgaben verstoßen haben. Infolgedessen rechnet der Konzern für 2025 mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, die vor allem Technologieprojekte und das US-Geschäft betreffen.

Harte Einschnitte zur Stabilisierung

Um die angespannte Finanzlage in den Griff zu bekommen, drückt das Management nun bei Strukturmaßnahmen aufs Tempo. Das US-Tochterunternehmen Centor Inc. soll mithilfe von Morgan Stanley noch in diesem Jahr verkauft werden, um die Kapitalstruktur zu entlasten. Zudem steht die Schließung des Moulded-Glass-Werks in Chicago Heights bis Ende 2026 fest. Zwar hält das Unternehmen an der Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 fest, knüpft diese aber an den erfolgreichen Ausgang der Bankgespräche und das Ausbleiben weiterer BaFin-Korrekturen.

An der Börse hinterlässt dieser Mix aus fehlenden Zahlen und regulatorischem Druck tiefe Spuren. Mit einem jüngsten Rücksetzer auf 18,73 Euro fiel das Papier Anfang April erneut unter die 20-Tage-Linie. Damit summiert sich der Verlust seit dem Allzeithoch im September 2023 auf rund 84 Prozent. Solange die Gespräche mit den Kreditgebern nicht erfolgreich abgeschlossen sind und der testierte Bericht im Juni aussteht, fehlt der Aktie jegliches fundamentale Fundament für eine nachhaltige Bodenbildung.

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