Ein verschobener Jahresabschluss, eine ausgeweitete Prüfung durch die Finanzaufsicht BaFin und drohende Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe erschüttern den Pharmaverpackungsspezialisten Gerresheimer. Was zunächst als isoliertes Problem bei der Umsatzrealisierung begann, hat sich zu einer handfesten Vertrauenskrise ausgeweitet. Interne Richtlinienverletzungen zwingen das Management nun zu weitreichenden Schritten.
Sonderprüfung verzögert Jahresabschluss
Ursprünglich sollte der testierte Konzernabschluss für 2025 Ende März vorliegen. Nach Abstimmung mit den Prüfern rechnet das Unternehmen infolge einer Ad-hoc-Meldung vom Dienstag nun erst im Juni 2026 mit einer Veröffentlichung. Eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht derzeit intensiv Geschäftsvorgänge der Jahre 2024 und 2025. Aktuellen Erkenntnissen zufolge haben einzelne Mitarbeiter interne Bilanzierungsvorschriften verletzt, was vor allem die Erfassung von Umsätzen sowie die Bewertung von Vorräten betrifft.
BaFin-Ermittlungen und massive Abschreibungen
Parallel dazu hat die BaFin ihre Untersuchungen deutlich ausgeweitet und nimmt nun auch den Zeitraum bis Mai 2025 unter die Lupe. Im Zentrum der Ermittlungen stehen umstrittene „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen sowie möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten und aktivierte Entwicklungskosten. Die finanziellen Konsequenzen für den Konzern fallen drastisch aus:
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- Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 sinkt auf 16,5 bis 17,5 Prozent.
- Beim bereinigten Gewinn je Aktie droht ein hoher zweistelliger prozentualer Rückgang oder gar ein Nettoverlust.
- Es fallen Abschreibungen von 220 bis 240 Millionen Euro an, primär auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und einen Standort in Chicago.
Um die angeschlagene Bilanz zu entlasten, plant das Management den Verkauf der hochmargigen US-Tochter Centor. Dieser Schritt dürfte die Profitabilität des Gesamtkonzerns in Zukunft allerdings weiter schwächen. Den Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts hat das Unternehmen hingegen gestoppt.
SDAX-Ausschluss und Kursverfall
Der Kapitalmarkt reagiert unerbittlich auf die Nachrichtenlage. Die Verzögerung des Abschlusses führt wegen verletzter Transparenzanforderungen der Deutschen Börse voraussichtlich zum Ausschluss aus dem SDAX, was Indexfonds zu Zwangsverkäufen zwingen wird. Entsprechend verheerend sieht die Kursentwicklung aus: Mit einem Schlusskurs von 17,56 Euro am Freitag hat der Titel auf Sicht von zwölf Monaten gut 77 Prozent an Wert verloren und notiert auf dem tiefsten Stand seit der Finanzkrise 2009.
Bis zur Vorlage des testierten Abschlusses im Juni 2026 bleibt die Transparenz für Anleger stark eingeschränkt. Das Unternehmen muss in der Zwischenzeit nicht nur die Quartalsmitteilung und die Hauptversammlung neu terminieren, sondern auch in laufenden Verhandlungen mit Kreditgebern eine Verlängerung der Finanzierungsfristen erwirken. Gelingt hier keine rasche Einigung, droht zusätzlicher Druck durch Leerverkäufer, die ihre Short-Positionen zuletzt bereits ausgebaut haben.
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