Buchungsfehler, BaFin-Prüfung, fehlender Jahresabschluss — Gerresheimer kämpft seit Monaten an mehreren Fronten gleichzeitig. Der Pharmaverpackungshersteller steuert aktiv gegen, aber das Ende der Krise ist nicht absehbar.
Centor-Verkauf soll Kapitalstruktur stabilisieren
Den ersten konkreten Schritt hat das Unternehmen bereits eingeleitet. Gerresheimer verkauft seine US-Tochter Centor Inc., die Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente herstellt. Morgan Stanley begleitet den Prozess. Eine zweistellige Anzahl von Interessenten hat sich gemeldet — der Abschluss soll noch 2026 folgen.
Der Erlös soll die Finanzierungsstruktur stabilisieren. Parallel schließt Gerresheimer ein Glaswerk in Chicago Heights zum Ende des Geschäftsjahres 2026.
BaFin dreht die Daumenschrauben enger
Schwieriger ist die Lage bei der Finanzaufsicht. Die BaFin hatte im September 2025 eine Prüfung eingeleitet — und diese Anfang März 2026 ausgeweitet. Es geht um drei Problemfelder: falsch erfasste Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro, fehlerhafte Angaben zu Entwicklungskosten sowie nicht gebuchte Wertminderungen im Segment Advanced Technologies.
Auslöser waren Fehler bei sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen — ein Verstoß gegen IFRS-Vorschriften. Die BaFin hat angekündigt, die Öffentlichkeit über ihr Ergebnis zu informieren. Wann das passiert, ist offen.
Jahresabschluss fehlt, institutionelle Investoren warten
Die internen Untersuchungen zwingen Gerresheimer zu weiteren Verzögerungen. Den testierten Jahresabschluss 2025 will das Unternehmen im Juni 2026 vorlegen. Die Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026 folgt kurz danach, der Halbjahresbericht ist für den 14. Juli 2026 geplant.
Solange diese Berichte fehlen, dürfte institutionelles Kapital weitgehend abseits stehen.
Kreditgeber verschaffen Luft
Auf der Finanzierungsseite hat Gerresheimer zuletzt Stabilität gewonnen. Kreditgeber verlängerten die Frist für Schuldscheine im Volumen von 870 Millionen Euro bis September 2026. Außerdem setzten sie wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad bis einschließlich des dritten Quartals 2026 aus.
Das operative Geschäft läuft derweil im Rahmen der Erwartungen. Für 2026 plant Gerresheimer Erlöse zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent.
Die Aktie notiert bei 21,52 Euro — rund 38 Prozent über dem Februar-Tief, aber noch immer 60 Prozent unter dem Stand vor zwölf Monaten. Das BaFin-Ergebnis bleibt die zentrale Unbekannte: Fällt es belastend aus, dürfte die mühsam erarbeitete Stabilisierung schnell unter Druck geraten.
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