Startseite » Marktberichte » Geopolitik unter Hochspannung

Geopolitik unter Hochspannung

Iran-Verhandlungen in der Schweiz, Russland verschärft Ukraine-Krieg und Trump entfremdet Verbündete prägen das nervöse Marktumfeld.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Waffenstillstandsgespräche mit Iran in Genf
  • Russland intensiviert Angriffe auf Ukraine
  • Offener Streit zwischen Trump und Meloni
  • Chinas Wirtschaft zeigt gespaltene Entwicklung

Die Welt ist dieser Tage kaum zur Ruhe gekommen. Während in der Schweiz Diplomaten über einen dauerhaften Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran verhandeln, eskaliert Russland seine Angriffe auf die Ukraine. Gleichzeitig kriselt das Verhältnis zwischen Trump und seinen europäischen Verbündeten – und an den Finanzmärkten hinterlässt all das deutliche Spuren.

Waffenstillstand mit Fragezeichen: Die Iran-Verhandlungen

US-Vizepräsident JD Vance ist am Wochenende in die Schweiz gereist, um den Auftakt der amerikanisch-iranischen Friedensgespräche zu begleiten. Das Ziel: ein dauerhafter Waffenstillstand und eine Einigung über Irans Nuklearprogramm. Beide Seiten arbeiten dabei unter einem Memorandum of Understanding, das Trump Anfang der Woche unterzeichnete und eine 60-tägige Verhandlungsphase festschreibt.

Die Delegation aus Teheran ist hochrangig besetzt – Parlamentspräsident Ghalibaf, Außenminister Araghchi und Zentralbankchef Hemmati reisen an. Auch Pakistan schickt Premierminister Sharif und Armeechef Munir als Vermittler. Das diplomatische Gewicht ist erheblich.

Allerdings bleibt die Lage brüchig. Iran hat erneut die Schließung der Straße von Hormus angeordnet – obwohl Teheran unter dem Memorandum eigentlich die Wiedereröffnung der strategischen Meerenge zugesagt hatte. Die Straße von Hormuz ist keine unbedeutende Wasserstraße: Rund ein Fünftel der globalen Öl- und Gaslieferungen wird dort durchgeschleust. Am Samstag passierten immerhin 55 Handelsschiffe mit mehr als 17 Millionen Barrel Öl die Route – ein Zeichen, dass der Verkehr trotz allem läuft. Ob das so bleibt, ist offen.

Trump ließ unterdessen verlauten, während der Verhandlungsphase dürften keine Transitzölle erhoben werden. Washington hat bereits die Seeblockade iranischer Häfen aufgehoben und Sanktionserleichterungen für Ölexporte in Aussicht gestellt.

Politische Kosten des Krieges

So sehr Trump den Waffenstillstand als Erfolg vermarkten will – politisch ist die Rechnung komplizierter. Laut Wolfe Research sind Trumps Zustimmungswerte seit seiner Amtsübernahme kontinuierlich gefallen, und der Iran-Krieg hat diesen Trend eher beschleunigt als gebrochen. Selbst eine vollständige Erholung auf Vorkriegsniveaus würde ihn laut den Analysten noch immer mehr als zehn Prozentpunkte im Minus lassen.

Für die Republikanische Partei ist das kein gutes Vorzeichen für die Halbzeitwahlen im November. Wolfe Research erwartet weiterhin, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückgewinnen, wenn auch knapp am Senat scheitern werden. Den Krieg werden die meisten Wähler dem Research-Haus zufolge nicht als Sieg in Erinnerung behalten – zu deutlich sind die gestiegenen Energiepreise, zu klar der Bruch mit dem anti-interventionistischen Wahlversprechen.

Risse im westlichen Bündnis

Die diplomatischen Verwerfungen beschränken sich nicht auf den Nahen Osten. Zwischen Trump und der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni hat sich ein offener Streit entwickelt, der beim G7-Gipfel in Frankreich kurz eingedämmt schien – und nun wieder eskaliert ist.

Trump behauptete auf Social Media, Meloni habe ihn um ein gemeinsames Foto gebeten, was er abgelehnt habe, weil Italien die US-Militäroperationen gegen Iran nicht unterstützt habe. Meloni konterte prompt auf Instagram: Trump solle sich lieber auf seine eigene Popularität konzentrieren. „Italien bleibt ein souveräner Staat“, schrieb sie – eine Ansage, die wenig Interpretationsspielraum lässt.

Der Bruch hat eine Vorgeschichte. Rom verweigerte Washington schon früher den Zugang zu einem Militärstützpunkt auf Sizilien für Kampfeinsätze. Meloni kritisierte zudem Trumps Kommentare über Papst Leo XIV., der sich ebenfalls gegen den Krieg ausgesprochen hatte. Für zwei Regierungen, die traditionell auf wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Ebene eng kooperieren, ist das eine ungewöhnlich öffentliche Entfremdung.

Ukraine: Keine Atempause

Während der Iran-Konflikt auf Deeskalation zusteuert, zeigt der Krieg in der Ukraine kein Ende. Präsident Selenskyj warnte in seiner Nachtansprache vom Samstag eindringlich vor einem bevorstehenden russischen Großangriff. „Die Russen haben sich auf einen massiven Angriff vorbereitet“, sagte er und rief die Bevölkerung auf, Luftalarmwarnungen genau zu verfolgen.

Die Warnung kam nicht aus dem Nichts. Allein am Samstag töteten russische Gleitbombenangriffe auf Saporischschja fünf Menschen, weitere Attacken trafen Sumy, Cherson und Poltawa. Russland hat seine Angriffe auf ukrainische Städte in den vergangenen Wochen deutlich intensiviert – zuletzt traf ein Angriff das historische Höhlenkloster Petscherska Lawra in Kiew. Die Ukraine antwortete mit Drohnenangriffen auf russische Ölraffinerien, darunter zweimal in dieser Woche auf Moskauer Anlagen.

Chinas gespaltene Wirtschaft

Abseits der militärischen Konfliktschauplätze zeigt sich auch wirtschaftlich ein unruhiges Bild. Chinas Volkswirtschaft präsentierte im Mai zwei gegensätzliche Gesichter, wie Citi in einer Analyse schreibt. Die KI-getriebene Hightech-Fertigung boomt – Chipproduktion, Robotik und Elektrofahrzeuge wachsen mit dem stärksten Tempo seit fünf Jahren. Auf der anderen Seite sind die Einzelhandelsumsätze erstmals seit der Pandemie zurückgegangen, Investitionen schwächeln, und stabile Verbraucherpreise neben anziehenden Erzeugerpreisen deuten auf wachsende Stagflationsrisiken hin.

Citi erwartet keine breit angelegte Konjunkturspritze aus Peking – die KP-Führung dürfte beim Politbüro-Treffen im Juli den Fokus auf Konsum und Haushaltseinkommen legen, ohne das Haushaltsdefizit auszuweiten. Die geopolitischen Turbulenzen im Nahen Osten und anhaltende Handelsspannungen mit Washington haben die Unsicherheit zusätzlich erhöht.

Ausblick: Fragile Ordnung

Das übergreifende Bild dieser Tage ist das einer fragilen globalen Ordnung. Der Waffenstillstand mit Iran steht auf unsicheren Beinen, solange Teheran die Meeresstraße von Hormuz erneut bedroht. Die Ukraine kämpft unter wachsendem Druck. Und innerhalb des westlichen Bündnisses schafft Trumps Konfrontationskurs neue Risse – zuletzt mit einem der engsten europäischen Partner der USA. Für die Märkte bleibt das Umfeld nervös. Was als nächstes aus Genf kommt, dürfte die Richtung vorgeben.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.