Ungewöhnlich hohe Aktivitäten am Derivatemarkt begleiten die Neuausrichtung des US-Videospielehändlers GameStop. Am heutigen Donnerstag wurden 258.342 Call-Optionen auf die Aktie gehandelt. Das entspricht einem Anstieg von 72 Prozent gegenüber dem üblichen Tagesvolumen. Zeitgleich legt das Papier im deutschen Handel um 4,3 Prozent auf 22,20 Euro zu.
Die Spekulationen an den Terminbörsen folgen auf massive Zukäufe der Unternehmensspitze. Vorstandschef Ryan Cohen erwarb am Montag 1.150.680 Anteile für rund 26,4 Millionen Dollar. Nach Angaben der US-Börsenaufsicht SEC stockte er damit seinen Direktbestand auf fast 40,5 Millionen Aktien auf. Bereits zehn Tage zuvor hatte Cohen eine Million Anteile gekauft. Auch Direktor Alain Attal griff am Montag zu und erwarb 17.500 Papiere.
Strategiewechsel weg vom Videospiel
Hinter den Transaktionen der Führungsebene steht ein grundlegender Wandel des Geschäftsmodells. Der traditionelle Verkauf von Konsolenspielen verliert für das Unternehmen rapide an Bedeutung. In einem Interview mit Bloomberg TV bezeichnete Cohen den Absatz physischer Datenträger jüngst als unbedeutend.
Stattdessen verlagert der Händler seine Prioritäten zunehmend auf das Geschäft mit Sammlerstücken. Diese Neuausrichtung zeichnet sich bereits in den Bilanzen ab, da margenstärkere Artikel das schrumpfende Softwaregeschäft kompensieren sollen.
Sammelkarten treiben den Gewinn
Die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 belegen diesen Trend. Während der Gesamtumsatz auf 790,2 Millionen Dollar sank, kletterten die Erlöse im Segment für Sammlerartikel um 57 Prozent auf 356,3 Millionen Dollar. Das Segment steuert inzwischen fast die Hälfte des gesamten Quartalsumsatzes bei.
Der operative Gewinn erreichte im Berichtszeitraum 160,2 Millionen Dollar nach 66,4 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Das Management stellte für das Gesamtjahr ein bereinigtes Betriebsergebnis von über 650 Millionen Dollar in Aussicht.
Parallel dazu nutzt der Konzern seine Liquidität für Beteiligungen. Laut einer SEC-Einreichung hielt GameStop gestern rund 43,4 Millionen Aktien des Online-Marktplatzes eBay. Das entspricht einem Anteil von 9,8 Prozent, nachdem ein Übernahmeangebot zuvor abgelehnt worden war. Für Anleger bleibt der Konzern damit eine Wette auf den Erfolg einer Transformation, die weit über das ursprüngliche Filialgeschäft hinausreicht.
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