Fujikura kommt am heutigen Freitag zu Beginn der japanischen „Obon“-Sommerferien ins Straucheln. Die Aktie verliert 3,6 Prozent und schließt damit eine Phase extremer Kursschwankungen ab, in der das Papier innerhalb von sieben Tagen um rund 30 Prozent zugelegt hatte.
Der aktuelle Kurs liegt bei 30,71 Euro, nach einem Schlusskurs von 31,87 Euro am Donnerstag. Über 30 Tage steht dennoch ein Plus von 16 Prozent, über sieben Tage von 10 Prozent zu Buche – der heutige Rückgang relativiert die jüngste Euphorie, ohne sie auszulöschen.
Rekordquartal löste die Rally aus
Ausgangspunkt der Kursbewegung war der 7. August, als Fujikura Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres bis März 2027 vorlegte, die selbst optimistische Erwartungen deutlich übertrafen.
Der Umsatz kletterte um 50,1 Prozent auf 402,0 Milliarden Yen, der operative Gewinn schoss um 155,1 Prozent auf 104,8 Milliarden Yen nach oben. Der Marktkonsens hatte lediglich rund 73,4 Milliarden Yen operativen Gewinn erwartet. Der Nettogewinn verdreifachte sich nahezu und stieg um 156,8 Prozent auf 80,4 Milliarden Yen.
Parallel zu den Quartalszahlen hob Fujikura seine Jahresprognose zum zweiten Mal innerhalb des Geschäftsjahres deutlich an. Das Unternehmen rechnet nun mit einem operativen Gewinn von 432 Milliarden Yen statt zuvor 310 Milliarden Yen, mit einem Nettogewinn von 326 Milliarden Yen statt 229 Milliarden Yen und mit einem Umsatz von 1,755 Billionen Yen statt bislang 1,462 Billionen Yen.
Als Treiber nannte das Unternehmen die enorme Nachfrage nach optischen Komponenten für KI-Rechenzentren. Zusätzlich beschloss der Vorstand, eigene Aktien an die Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft abzugeben, um die Interessen der Belegschaft stärker an die der Aktionäre zu koppeln.
Kritische Stimmen mehren sich
Nicht alle Marktteilnehmer sehen die Rally als gerechtfertigt an. Ein Analyst namens Michael Allen veröffentlichte am 7. August unter dem Titel „Fujikura (5803): Elephants Can’t Fly“ eine skeptische Einschätzung.
Sein Argument: Nur etwa die Hälfte des Geschäfts von Fujikura sei tatsächlich an Rechenzentren gebunden, während die Segmente Elektronik und Automotive mit sinkenden Margen und rückläufigen Umsätzen zu kämpfen hätten. Die Bewertung als reiner KI-Rechenzentrums-Titel greife damit zu kurz.
Auch automatisierte Bewertungsmodelle äußerten zuletzt Vorbehalte gegenüber der Bewertungshöhe, etwa mit Verweis auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis deutlich über dem Branchendurchschnitt der japanischen Elektrobranche.
Strukturelle Weichenstellung in China
Neben der operativen Dynamik steht bei Fujikura auch ein struktureller Schritt an: Bis Ende September 2026 soll der komplette 60-Prozent-Anteil am chinesischen Gemeinschaftsunternehmen Fujikura Fiber Optics (China) Ltd. an den Partner Yangtze Optical Fibre and Cable Joint Stock Limited Company übergehen.
Der vereinbarte Preis liegt bei 500,24 Millionen Renminbi. Zudem wurde das Unternehmen bereits zum vierten Mal in Folge in den FTSE4Good Index Series sowie den FTSE JPX Blossom Japan Index aufgenommen, was die ESG-Performance des Konzerns unterstreicht.
Der nächste wichtige Termin für Anleger folgt am 11. November 2026, wenn Fujikura die Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorlegt. Bis dahin dürfte die Volatilität hoch bleiben: Mit einem annualisierten Wert von 85 Prozent über 30 Tage gehört die Aktie zu den schwankungsanfälligsten Werten im Sektor, während der RSI von 59,5 auf eine noch nicht überhitzte, aber angespannte Marktlage hindeutet.
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