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Fünf EuroStoxx-Aktien mit Rückenwind: Thyssenkrupp führt das Feld an

Thyssenkrupp führt die EuroStoxx-Momentumliste an. Stadler Rail, Victrex, Evolution und United Internet profitieren von unterschiedlichen Wachstumstreibern.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Thyssenkrupp gewinnt binnen 30 Tagen 24 Prozent
  • Stadler Rail profitiert von Großaufträgen
  • Victrex erhält Impulse aus der Luftfahrt
  • United Internet treibt eigenes Mobilfunknetz voran

Ein Stahlkonzern an der Spitze einer Momentum-Rangliste— das klingt zunächst nach einem Widerspruch. Schließlich gilt die Branche als schwerfällig und zyklisch. Doch die Zahlen zeichnen ein anderes Bild: Fünf Unternehmen aus dem EuroStoxx-Raum haben in den vergangenen 30 Handelstagen zweistellige Kursgewinne verbucht, angeführt von einem Industriewert, der lange als Sanierungsfall galt.

Die Auswahl zeigt eine bunte Mischung aus Schwerindustrie, Bahntechnik, Spezialchemie, Online-Glücksspiel und Telekommunikation. Was die fünf eint: Alle haben in den letzten Wochen deutlich mehr relative Stärke gegenüber dem breiten Markt entwickelt als der Durchschnitt ihrer Sektorkollegen.

Thyssenkrupp: Der Konzernumbau zahlt sich aus

Mit einem Kursplus von 24 Prozent in 30 Tagen sitzt Thyssenkrupp klar an der Spitze. Der Schlusskurs von 15,34 Euro am Freitag liegt nur noch knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 15,79 Euro— ein Abstand von gerade einmal 2,9 Prozent. Seit dem Jahrestief im März hat sich die Aktie mehr als verdoppelt.

Der Auslöser liegt in der Neuausrichtung des Konzerns. Die geplante Verselbstständigung der Stahlsparte und der parallele Ausbau der Wasserstoff-Aktivitäten haben Anleger überzeugt, dass Thyssenkrupp seine Komplexität endlich in den Griff bekommt. Der Tagesgewinn von 3,1 Prozent am Freitag zeigt: Der Trend hat noch nicht an Kraft verloren.

Ein RSI von 63,7 signalisiert zwar noch keine akute Überhitzung, doch die Distanz zum 200-Tage-Durchschnitt von 43 Prozent ist beachtlich. Nach einem derart steilen Anstieg dürften Gewinnmitnahmen einsetzen, sollten die nächsten operativen Nachrichten die hohen Erwartungen nicht bestätigen. Als zyklischer Wert bleibt Thyssenkrupp zudem von der industriellen Nachfrage in Europa und den globalen Rohstoffpreisen abhängig.

Stadler Rail: Auftragsbücher als Kurstreiber

Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller legt um 19 Prozent zu und landet auf Rang zwei. Bei 31,22 Euro notiert die Aktie derzeit, nur 7,5 Prozent unter dem Rekordhoch vom August. Auffällig: Auf Wochensicht bewegt sich der Kurs mit minus 0,6 Prozent seitwärts— der eigentliche Schub kam bereits früher im Monat.

Die europäische Verkehrs- und Klimawende spielt Stadler Rail in die Karten. Mehrere Großaufträge für Regionalzüge und Lokomotiven haben die Visibilität der Umsätze für die kommenden Jahre erhöht. Besonders die technologische Position bei alternativen Antrieben— Wasserstoff und Batterie— wird am Markt honoriert.

Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 69 Prozent zählt Stadler Rail zu den schwankungsanfälligsten Titeln im Ranking. Verzögerungen in der Lieferkette bleiben ein Risikofaktor, der die Auslieferungen und damit die Cashflows belasten könnte. Der Sprung über wichtige charttechnische Marken hat den Aufwärtstrend aber zusätzlich befeuert.

Victrex: Luftfahrt-Nachfrage beflügelt Spezialchemie

Der britische Spezialist für Hochleistungspolymere schafft auf Wochensicht ein Plus von satten 12 Prozent— trotz eines Rücksetzers von 2,9 Prozent am Freitag auf 9,69 Pfund. Über 30 Tage steht ein Zuwachs von 19 Prozent zu Buche, das Jahreshoch von 10,24 Pfund liegt nur 5,4 Prozent entfernt.

PEEK-Polymere von Victrex kommen in Luftfahrt, Automobilbau und Medizintechnik zum Einsatz. Die Erholung der Luftfahrtbranche treibt die Nachfrage nach leichten, robusten Materialien für treibstoffeffiziente Flugzeuge an. Die Nische mit hohen Eintrittsbarrieren verschafft dem Unternehmen zudem Preismacht.

Mit einem RSI von 74,9 ist Victrex im Ranking der am stärksten überkaufte Titel. Das spricht für Zuversicht der Anleger, birgt aber auch das Risiko einer kurzfristigen Korrektur. Energiekosten bleiben ein Belastungsfaktor, da die Herstellung der Spezialpolymere energieintensiv ist— stabile oder sinkende Preise könnten die Margen zusätzlich stützen.

Evolution: Live-Casino-Geschäft expandiert

Der schwedische Anbieter von Live-Casino-Lösungen erreicht mit 16 Prozent Plus über 30 Tage Rang vier. Bei 77,50 Euro notiert die Aktie fast auf Rekordniveau— nur 0,8 Prozent fehlen zum Jahreshoch. Auf Zwölf-Monats-Sicht fällt der Zuwachs mit 6,5 Prozent allerdings deutlich moderater aus als bei den übrigen Werten im Feld.

Die Expansion in neue Märkte, insbesondere Nordamerika, treibt das aktuelle Momentum. Evolutions Geschäftsmodell zeichnet sich durch hohe Skalierbarkeit aus: Steigende Nutzerzahlen führen überproportional zu höheren Gewinnen. Mit einem RSI von 74,4 zählt auch dieser Titel zu den technisch heißgelaufenen Werten der Liste.

Regulatorische Eingriffe in einzelnen Ländermärkten bleiben das zentrale Risiko für das Geschäftsmodell. Die vergleichsweise niedrige 30-Tage-Volatilität von 21 Prozent deutet aber darauf hin, dass der Markt diese Unsicherheit derzeit gelassen einpreist.

United Internet: Netzausbau verbessert die Perspektive

Mit 14 Prozent Kursplus über 30 Tage komplettiert United Internet die Top 5— und liefert damit den auffälligsten Kontrast im Feld. Während die Aktie kurzfristig zulegt, steht seit Jahresbeginn nahezu eine Nullrunde von 0,07 Prozent zu Buche. Der Schlusskurs von 27,62 Euro liegt noch 8,2 Prozent unter dem Januar-Hoch.

Fortschritte beim Aufbau des eigenen Mobilfunknetzes stützen die jüngste Erholung. Investoren werten die Netzabdeckungs-Meilensteine als Signal, dass United Internet langfristig unabhängiger von Vorleistungen der Wettbewerber wird— ein Effekt, der die Margenperspektive verbessern sollte.

Die hohen Investitionskosten für den Netzausbau bleiben Diskussionsthema. Der aktuelle Kursanstieg deutet aber darauf hin, dass der Markt die Phase der größten Investitionsunsicherheit als eingepreist betrachtet. Der intensive Preiswettbewerb im deutschen Mobilfunk- und Breitbandmarkt bleibt dennoch ein Belastungsfaktor.

Was die fünf Momentum-Werte verbindet

Ein Blick auf die gemeinsamen Muster zeigt einige Auffälligkeiten:

  • Alle fünf notieren nahe ihrer Jahreshochs— die Abstände liegen zwischen 0,8 Prozent (Evolution) und 8,2 Prozent (United Internet)
  • Drei Titel zeigen RSI-Werte über 60, Victrex und Evolution sogar über 74— ein Hinweis auf kurzfristig überkaufte Marktlagen
  • Die Volatilität variiert stark: von 21 Prozent bei Evolution bis 69 Prozent bei Stadler Rail
  • Strukturelle Trends dominieren vor kurzfristigen Sondereffekten— Energiewende, Bahninfrastruktur, Luftfahrterholung und Netzausbau liefern die fundamentale Basis

Momentum als Frühindikator— mit Grenzen

Die 30-Tage-Rendite filtert kurzfristiges Rauschen heraus und zeigt, wo sich gerade relative Stärke aufbaut. Sie ersetzt aber keine fundamentale Bewertung. Kurs-Gewinn-Verhältnisse, Dividendenrenditen oder Bilanzqualität bleiben in dieser reinen Kursbetrachtung außen vor.

Für die fünf Werte im Ranking gilt: Die Treiber wirken überwiegend strukturell, nicht spekulativ. Ob sich der Schwung in den kommenden Wochen fortsetzt, hängt davon ab, ob die operativen Nachrichten— Auftragseingänge bei Stadler Rail, Netzausbau-Meilensteine bei United Internet, regulatorische Entwicklungen bei Evolution— die hohen Erwartungen weiter bestätigen können.

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Diskussion zu Thyssenkrupp

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.