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Fünf Erneuerbare-Aktien, fünf völlig unterschiedliche Geschichten

Siemens Energy prüft einen Spartenverkauf, SolarEdge profitiert von US-Regeln, JinkoSolar senkt die Prognose und Nordex meldet starke Quartalsdaten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Siemens Energy bereitet Beteiligungsverkauf vor
  • ABO Energy veräußert Wasserstoff-Hub
  • JinkoSolar wechselt die Unternehmensführung
  • Nordex steigert EBITDA und Auftragseingang

Ein Milliarden-Deal bei Siemens Energy, ein Chefwechsel bei JinkoSolar mitten in der Preisschlacht, ein Regulierungs-Coup bei SolarEdge: Die Erneuerbare-Branche zeigt diese Woche, wie weit Erfolg und Existenzkampf auseinanderliegen können. Während ABO Energy um jeden Vermögenswert kämpft, kaufen Nordex-Insider munter zu.

Siemens Energy: Dampfturbinen-Verkauf nimmt Form an

Siemens Energy bereitet den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an seinem Dampfturbinengeschäft vor. Der Konzern treibt die Herauslösung der Sparte „Transformation of Industry“ voran, Goldman Sachs testet bereits den Markt. Der Aufsichtsrat soll demnächst über die Abgabe entscheiden. Mehrere Finanzinvestoren, darunter CVC, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR, prüfen ein Engagement.

Die Aktie reagierte positiv, aber nicht euphorisch. Heute springt der Kurs um 3,1 Prozent auf 155,80 Euro, nachdem der Titel gestern noch bei 151,14 Euro schloss. Auf Monatssicht steht damit ein Plus von 12 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 29 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,38 Euro trennen die Aktie aktuell noch 20 Prozent.

RBC senkte sein Kursziel von 210 auf 200 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Outperform“ – ein Signal, das eher auf Vorsicht bei Tempo oder Timing der Transaktion hindeutet als auf einen Zweifel an der Strategie selbst. Ein Verkauf dieser Größenordnung würde das Geschäft entschlacken und Kapital freisetzen, das mutmaßlich stärker in Netz- und erneuerbare Technologien fließen soll.

ABO Energy: Der nächste Vermögenswert verlässt das Portfolio

Die Restrukturierung bei ABO Energy geht weiter. Tyczka Hydrogen übernahm den Wasserstoff-Hub in Hünfeld-Michelsrombach, die Transaktion wurde vor wenigen Tagen rechtskräftig. Die Anlage kombiniert eine 350-bar-Tankstelle, einen 5-Megawatt-PEM-Elektrolyseur und eine Trailer-Abfüllstation im Gewerbepark „Hessisches Kegelspiel“ nahe Fulda. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Der Verkauf fällt in eine ohnehin schwierige Phase für die Aktie. Aktuell steht der Kurs bei 3,24 Euro, nach einem Plus von 4,3 Prozent heute. Auf Wochensicht bleibt dennoch ein Minus von 4,4 Prozent, über 30 Tage sind es 1,7 Prozent im roten Bereich. Das Unternehmen verweist auf ein externes Restrukturierungsgutachten, das seit Mai die grundsätzliche Finanzierbarkeit bestätigt – Details dazu blieben bislang unter Verschluss. Die Stillhaltevereinbarung mit den Gläubigern wurde bis zum 30. November verlängert, Kreditgeber können die Finanzierung bis dahin nicht kündigen. Analystenmeinungen zur Aktie sind rar, was die Unsicherheit um den Überlebensplan zusätzlich unterstreicht.

JinkoSolar: Neuer Chef navigiert durch die Margenklemme

JinkoSolar lieferte eine der folgenreichsten Nachrichten der Woche: Xiande Li trat als CEO zurück, Wei „Dimi“ Du übernahm die Führung. Das Unternehmen betonte, der Wechsel sei nicht auf Meinungsverschiedenheiten zurückzuführen und werde das operative Geschäft nicht wesentlich beeinträchtigen.

Das operative Umfeld bleibt hart umkämpft. Im zweiten Quartal lieferte der Konzern 15,9 Gigawatt an Modulen aus – ein Rückgang von 34,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Immerhin stieg der Rohertrag leicht, die Marge kletterte von 2,9 auf 4,2 Prozent. Das Management kappte die Jahresprognose deutlich: Statt der ursprünglich avisierten 75 bis 85 Gigawatt sollen nun nur noch 60 bis 70 Gigawatt ausgeliefert werden, spürbar weniger als die 86 Gigawatt des Vorjahres.

Der Umsatz spiegelte den Druck wider und sank im Jahresvergleich um 31,3 Prozent. Strategisch verschiebt sich der Fokus: Weg vom reinen Volumenwachstum, hin zu Profitabilität, Cashflow und einer bewussteren Steuerung von Auftragsbuch und Produktionsauslastung. Trotz der Talfahrt bei JinkoSolar bleibt die Analystenmeinung mehrheitlich konstruktiv – im Schnitt lautet das Votum „Kaufen“, mit Kurszielen, die deutlich über dem aktuellen Niveau liegen. Die Aktie selbst notiert bei 11,60 Euro und damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief.

SolarEdge: Eine Regulierungsentscheidung löst die Rally aus

SolarEdge war der auffälligste Kursgewinner der Branche, ausgelöst durch eine überraschende regulatorische Weichenstellung. UBS hob die Einstufung von „Neutral“ auf „Buy“ und begründete den Schritt mit den günstigen Angebots- und Nachfrageeffekten, die das Importverbot der US-Regulierungsbehörde FCC für ausländische Wechselrichter Ende Juli ausgelöst hat. Das Kursziel wanderte von 36 auf 42 US-Dollar nach oben.

Die Logik dahinter: Das Verbot betrifft mehr als die Hälfte des US-Wechselrichtermarkts. SolarEdge verfügt bereits über Fertigungsstandorte in Florida, Texas und Utah und könnte dadurch Marktanteile und Preissetzungsmacht gewinnen – über Privat-, Gewerbe- und Großanlagenprodukte hinweg. UBS-Analyst Jon Windham sprach von einem Angebotsengpass im US-Markt, der sowohl Marktanteilsgewinne als auch höhere Preise begünstigen dürfte.

Die Reaktion am Markt fiel deutlich aus: Der Kurs legte heute um 1,9 Prozent auf 29,00 Euro zu, nach 28,45 Euro gestern, und steht auf Wochensicht sogar 9,6 Prozent im Plus. Der breitere Analystenkonsens bleibt trotzdem skeptisch – von 27 Analysten votieren 20 für „Hold“. Die zugrunde liegenden Zahlen zeigten zumindest eine Stabilisierung: Der Umsatz im zweiten Quartal stieg um 19,6 Prozent, erstmals seit 2023 schrieb das Unternehmen wieder einen operativen Gewinn nach Non-GAAP-Rechnung. Mit nur 16 Millionen US-Dollar EBITDA bleibt der finanzielle Spielraum jedoch dünn, zumal ältere Wechselrichtermodelle noch ausgeliefert werden dürfen und spürbare Effekte erst in den kommenden Quartalen zu erwarten sind. Der Analystentag am 10. September dürfte hier mehr Klarheit bringen.

Nordex: Insider kaufen, die Analysten sind sich uneinig

Nordex hat sich nach einem starken Lauf etwas abgekühlt, notiert aktuell aber wieder bei 38,94 Euro – ein Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresschluss. Auf Jahressicht steht ein Kursgewinn von 83 Prozent, vom 52-Wochen-Hoch bei 51,40 Euro trennen die Aktie derzeit noch 24 Prozent.

Ein Vorstandsmitglied kaufte Mitte des Monats zwei nahezu identische Aktienpakete im Wert von jeweils rund 115.000 Euro – ein Muster, das nahelegt, dass Insider das damalige Kursniveau als attraktiven Einstieg betrachteten, kurz bevor positive Analystenkommentare folgten.

Die Analystenlager sind gespalten. Barclays hob sein Kursziel deutlich von 15,80 auf 35 Euro an, beließ die Einstufung aber bei „Equal-Weight“. Im Gegensatz dazu senkte RBC sein Ziel auf 36 Euro und vergab ein „Underperform“-Rating – beide Einschätzungen entstanden in derselben Woche. Fundamental zeigte das zweite Quartal klare Fortschritte: Das EBITDA mehr als verdoppelte sich auf 224 Millionen Euro, der Umsatz wuchs um rund 16 Prozent auf etwa 2,2 Milliarden Euro, beides über den Erwartungen. Der Auftragseingang legte um fast ein Drittel zu, CEO José Luis Blanco bekräftigte den Kurs Richtung mittelfristiges Margenziel von 10 bis 12 Prozent, nach 9,4 Prozent zur Jahreshälfte. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wirkt mit 36,6 auf Basis der Vergangenheitsgewinne ambitioniert, entspannt sich aber auf rund 25,6 für 2026 und 20,5 für 2027, sofern das Gewinnwachstum wie erwartet anzieht.

Sektordynamik im Überblick

  • Siemens Energy & Nordex: Getragen von Auftragsmomentum, Insider-Käufen und einem möglichen milliardenschweren Portfolioumbau
  • SolarEdge: Regulatorischer Sondereffekt sorgt für Kurssprung, Skepsis am breiten Markt bleibt
  • JinkoSolar: Chefwechsel mitten in schrumpfenden Margen und gekappter Jahresprognose
  • ABO Energy: Klarster Sanierungsfall der Gruppe, Portfolio schmilzt Stück für Stück

Was die fünf Werte verbindet, ist die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen und Finanzierungskosten. Ob US-Importverbote für Wechselrichter oder europäische Netzengpässe – solche Eingriffe entscheiden zunehmend darüber, welche Geschäftsmodelle skalieren können und welche in die Defensive geraten. Der Markt honoriert derzeit klare strategische Katalysatoren wie den Siemens-Energy-Verkauf, den SolarEdge-Rückenwind oder das Nordex-Auftragsbuch – und bestraft jene, die noch mitten in der Bilanzsanierung stecken.

Was Anleger in den kommenden Wochen im Blick behalten sollten

Der Fortgang des Dampfturbinen-Verkaufs bei Siemens Energy bleibt das größte Einzelereignis der Branche – eine Entscheidung des Aufsichtsrats und mögliche Gebote der Finanzinvestoren könnten den Kurs merklich bewegen. Bei SolarEdge dürfte der Analystentag am 10. September zeigen, wie schnell sich das FCC-Importverbot tatsächlich in Umsatz und Marge niederschlägt. JinkoSolar muss beweisen, dass die angepeilten 15 bis 17 Gigawatt Auslieferung im dritten Quartal und der neue Kurs unter CEO Dimi Du die Margen stabilisieren können. Bei ABO Energy bleibt das noch nicht vollständig offengelegte Restrukturierungskonzept vor der Stillhaltefrist im November der entscheidende Faktor. Und bei Nordex wird sich zeigen, ob sich die Kluft zwischen Barclays‘ optimistischer Kurszielanhebung und RBC’s „Underperform“-Votum auflöst, während der Konzern weiter auf sein mittelfristiges Margenziel zusteuert.

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Diskussion zu Siemens Energy

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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