Fluence Energy stellt nach dem gestern angekündigten Führungsaustausch die Stabilisierung seiner Fertigung in den Mittelpunkt. Axel Meier übernimmt interimistisch als CEO, Ricardo Roizen interimistisch als CFO. Für Anleger zählt damit vor allem, ob die neue Führung die Auslieferungsprobleme beheben kann. Der nächste Prüfpunkt sind die für den 23. November angekündigten Jahresergebnisse.
Die Börse reagierte auf den Wechsel und die anhaltenden operativen Schwierigkeiten mit weiteren Verkäufen: Gestern verlor die Aktie -9,0% und schloss bei 4,67 €. Der Personalwechsel allein liefert noch keinen Beleg für eine Erholung des Geschäfts.
Fertigung entscheidet über den Auftragsbestand
Produktionsverzögerungen in neuen Auftragsfertigungswerken beeinträchtigten die Auslieferungen des Energiespeicherunternehmens. Besonders betroffen war das Werk Houston. Laut Washington Business Journal bremsen Lieferkettenverzögerungen die Produktion und das Umsatzwachstum. Die Schwierigkeiten betreffen damit nicht nur interne Abläufe, sondern auch die Umsetzung des vorhandenen Geschäfts.
Fluence verwies bei der Ankündigung der Führungswechsel auf einen Rekord-Auftragsbestand von 6,4 Mrd. US-Dollar aus den Ergebnissen des dritten Quartals im Geschäftsjahr 2026. Dieser Bestand steht im deutlichen Kontrast zu den Problemen bei der Abwicklung. Für die Bewertung einer möglichen Erholung ist deshalb entscheidend, ob daraus verlässlich Auslieferungen und Umsätze entstehen.
Wie stark die operative Schwäche bereits durchschlug, zeigen die Quartalszahlen: Der Umsatz betrug 649,8 Mio. US-Dollar, der Nettoverlust 44,3 Mio. US-Dollar. Die über einen Monat zurückliegende erneute Prognosesenkung unterstreicht, dass der hohe Auftragsbestand allein die Ergebnisentwicklung nicht absichert.
Übergangslösung mit klarer operativer Aufgabe
Die dauerhafte Besetzung der beiden Spitzenpositionen steht noch aus. Meier und Roizen übernehmen zunächst übergangsweise von Julian Nebreda und Ahmed Pasha. Parallel führt COO Bernerd Da Santos die operative Transformation. Ein vom Vorstand eingerichteter Ausschuss überwacht Fertigung und Kundenauslieferungen.
Der Umbau reicht zudem über die Unternehmens- und Finanzführung hinaus. Marco Boos soll am 15. November die Position des Chief Customer Success Officer von John Zahurancik übernehmen. Damit verändert Fluence auch die Führung des für den Kundenerfolg zuständigen Bereichs.
Jahreszahlen liefern den nächsten Prüfpunkt
Fluence plant die Veröffentlichung der Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2026 nach Börsenschluss am 23. November. Die Telefonkonferenz soll am 24. November folgen. Eine Prognose für das Geschäftsjahr 2027 will das Unternehmen erst später vorlegen.
Damit stehen bei den kommenden Ergebnissen zunächst die Entwicklung der Fertigung und die Verlässlichkeit der Auslieferungen im Vordergrund. Der Führungswechsel ist eine Reaktion auf die bisherigen Probleme. Ob er die Voraussetzungen für eine operative Erholung schafft, muss sich an der Umsetzung des Auftragsbestands zeigen — nicht an dessen Größe allein.
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