Ferrexpo steckt in einer Lage, in der Bilanz, Liquidität und Börsenhandel direkt ineinandergreifen. Die Aktie bleibt seit dem 1. Mai in London vom Handel ausgesetzt, weil der geprüfte Geschäftsbericht 2025 nicht fristgerecht bis zum 30. April veröffentlicht wurde. Im Zentrum steht nun eine Kapitalerhöhung, ohne die der Abschluss kaum vorankommt.
Bilanz hängt an Finanzierung
Der entscheidende Punkt ist die Fortführungsprognose. Die Prüfer brauchen eine belastbare Einschätzung, ob Ferrexpo den Betrieb fortsetzen kann. Diese Einschätzung hängt nach Angaben des Unternehmens an einer Eigenkapitalaufnahme von mindestens 100 Millionen Dollar, die den laufenden Verpflichtungen und dem Working Capital für die nächsten 18 Monate dienen soll.
Der Druck ist hoch. Mitte April verfügte der Eisenerzpellet-Produzent nur noch über rund 17 Millionen Dollar frei verfügbare Nettoliquidität. Das ist für einen kapitalintensiven Produzenten mit operativen Einschränkungen wenig Spielraum.
Ferrexpo versucht bereits, zusätzliche Mittel zu mobilisieren. Dazu zählt eine Vereinbarung zum Verkauf des Umschlagschiffs „Iron Destiny“ für einen Netto-Barerlös von 7,7 Millionen Dollar. Das hilft kurzfristig, ersetzt aber keine umfassende Finanzierungslösung.
Produktion bricht massiv ein
Die Liquiditätsfrage verschärft sich, weil die operative Basis stark geschrumpft ist. Im ersten Quartal 2026 fiel die kommerzielle Gesamtproduktion um 72 Prozent auf 592.751 Tonnen. Das ist mehr als eine normale Schwankung im Zyklus.
Als Hauptgrund nennt Ferrexpo gezielte russische Angriffe auf die ukrainische Energieerzeugung und Netzinfrastruktur. Diese Belastung zwang das Unternehmen im Januar zu einer vorübergehenden Produktionspause. Ende Februar lief zwar eine einzelne Pelletierlinie wieder an, allerdings nur mit begrenzter Kapazität.
Damit fehlt Ferrexpo ausgerechnet in einer Finanzierungsphase operative Stabilität. Weniger Produktion bedeutet weniger Spielraum beim Cashflow, während die Fixkosten weiter drücken. Kein Wunder, dass der Markt vor der Aussetzung bereits nervös reagierte: Der letzte Schlusskurs lag bei 28,58 Pence.
Gericht und Hauptversammlung rücken näher
Die kommenden Tage bringen zwei konkrete Wegmarken:
- 20. Mai 2026: Ein Berufungsgericht soll über Fragen zur Einfrierung von Anteilen an ukrainischen Tochtergesellschaften entscheiden.
- 21. Mai 2026: Ferrexpo hält die Hauptversammlung ab, bei der die geplante Kapitalaufnahme und die Verzögerung des Abschlusses im Mittelpunkt stehen dürften.
Bis der geprüfte Abschluss veröffentlicht ist, bleibt die Aktie vom Handel ausgesetzt. Ferrexpo hatte zuvor gewarnt, dass die verfügbaren Barmittel ohne Finanzierungslösung nur ungefähr bis Ende August reichen könnten. Damit wird die Hauptversammlung zum nächsten realen Test: Dort muss klarer werden, ob die geplante Kapitalaufnahme tragfähig ist und wann die Bilanzblockade endet.
Ferrexpo-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Ferrexpo-Analyse vom 16. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Ferrexpo-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Ferrexpo-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Ferrexpo: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
