Kritische Liquiditätslage und Kapitalbedarf
Die Situation beim Eisenerzförderer Ferrexpo erreicht eine entscheidende Phase. Wie das Unternehmen bereits Anfang August im Rahmen einer Mitteilung an die Märkte deutlich machte, reichen die verfügbaren Barmittel ohne eine zusätzliche Finanzierung voraussichtlich nur noch bis Mitte September 2026 aus. Um den drohenden Bankrott abzuwenden, arbeitet das Management an einer signifikanten Kapitalerhöhung. Auf der Hauptversammlung am 29. Juni wurde hierfür bereits die Genehmigung erteilt, das Eigenkapital um mindestens 100 Millionen US-Dollar aufzustocken. Diese Finanzspritze gilt zudem als Grundvoraussetzung dafür, dass der Konzern seine geprüften Jahresabschlüsse für 2025 vorlegen kann, da erst dann die notwendige Sicherheit über die Fortführung des Geschäftsbetriebs besteht.
Produktionsstopp und logistische Blockaden
Die operative Tätigkeit in der Ukraine ist bereits seit mehreren Wochen weitgehend zum Erliegen gekommen. Anfang August gab Ferrexpo die vorübergehende Einstellung der Bergbau- und Pelletierungsbetriebe bekannt. Grund für diesen Schritt waren massive Störungen der Exportlogistik über das Schwarze Meer. Diese Verschärfung folgte auf einen schwerwiegenden Zwischenfall Ende Juli, bei dem ein Schiff eines Drittanbieters, beladen mit Ferrexpo-Pellets, in ukrainischen Gewässern von einer Drohne getroffen wurde. Bei dem Angriff kam ein Besatzungsmitglied ums Leben. Das Schiff, das rund 55.000 Tonnen Pellets geladen hatte, wurde laut Unternehmensangaben mittlerweile aus der Gefahrenzone abgeschleppt und zur technischen Inspektion sowie zur Begutachtung der Ladung in einen Hafen gebracht.
Massiver Einbruch der Fördermengen
Die Berichte über das erste Halbjahr 2026 verdeutlichen die Schwere der Krise. Mitte Juli veröffentlichte Zahlen zeigen, dass die gesamte Eisenerzproduktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 54 Prozent auf 1,55 Millionen Tonnen eingebrochen ist. Besonders drastisch fiel der Rückgang beim Eisenerzkonzentrat aus, dessen Ausstoß um 86 Prozent auf nur noch 171.000 Tonnen sank. Die Herstellung hochwertiger Pellets verringerte sich im selben Zeitraum um 41 Prozent auf 1,22 Millionen Tonnen. Diese Entwicklung unterstreicht die massiven Einschränkungen, denen das Unternehmen durch die kriegerischen Auseinandersetzungen und die Blockade wichtiger Transportwege ausgesetzt ist.
Anhaltender Handelsstopp an der Börse
Anleger haben derzeit keine Möglichkeit, auf die operativen Entwicklungen zu reagieren, da der Handel mit den Papieren von Ferrexpo an der Londoner Börse bereits seit dem 1. Mai ausgesetzt ist. Die Aussetzung erfolgte, nachdem das Unternehmen die Frist für die Veröffentlichung der geprüften Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 versäumt hatte. Der Konzern betonte, dass die Erstellung des Berichts erst abgeschlossen werden kann, wenn eine ausreichende Finanzierung gesichert ist. Zur kurzfristigen Beschaffung von Liquidität hatte Ferrexpo bereits im April den Verkauf des Transportschiffs „Iron Destiny“ für 7,7 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Dennoch bleibt die finanzielle Lage aufgrund der unterbrochenen Exportwege und der eingestellten Produktion äußerst angespannt.
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