Der neue Elektro-Ferrari polarisiert — und das auf eine Weise, die Ferrari selten kennt. Nicht technische Mängel oder schlechte Zahlen drücken die Aktie, sondern Häme aus dem Internet, Sticheleien aus der Politik und ein Ex-Chef, der öffentlich über sein eigenes Erbe klagt.
Vom Podest in die Kommentarspalten
Am Montag präsentierte Ferrari in Rom den Luce, sein erstes vollelektrisches Modell: vier Türen, fünf Sitze, Einstiegspreis bei rund 500.000 Euro. Das Fahrzeug soll noch im Laufe des Jahres in den Handel kommen. Das Design verantwortete maßgeblich Jony Ive, einst Chefdesigner bei Apple. Genau das wird Ferrari zum Verhängnis — zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. In sozialen Netzwerken kursieren Vergleiche mit Staubsaugern, das erste iPhone wird bemüht, und Ex-Ferrari-Chef Luca di Montezemolo fordert, wenigstens das springende Pferd vom Fahrzeug zu entfernen.
Die Aktie reagierte prompt. Notierte sie zuvor noch um die 310 Euro, fiel sie nach der Vorstellung auf unter 290 Euro — ein Rücksetzer von rund sieben Prozent.
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Was Analysten davon halten
Goldman-Sachs-Analyst Christian Frenes hält die Marktreaktion für übertrieben. Für ihn entscheidet sich der Erfolg des Luce letztlich am Fahrgefühl — nicht am Design-Scharmützel im Netz. Berenberg-Analyst Michael Filatov sieht das anders: Er bewertet die Strategie, das Portfolio auf eine technikaffinere Kundschaft auszudehnen, als erhebliches Risiko für eine 80 Jahre alte Luxusmarke.
Immerhin: Ferrari-Chef Benedetto Vigna meldete noch am Donnerstag erste Bestellungen — von Neu- und Bestandskunden. Das beruhigte die Stimmung etwas. Die Aktie legte zuletzt im Mailänder Handel rund zwei Prozent auf etwa 290 Euro zu, bleibt damit aber klar unter dem Niveau vor der Präsentation.
Das Zahlenwerk von Ferrari selbst liefert keinen Grund zur Sorge — der Kursrücksetzer ist eine reine Reaktion auf das Luce-Debüt. Ob der Wagen tatsächlich den Mythos beschädigt oder langfristig eine neue Käuferschicht erschließt, wird der Markt erst beurteilen können, wenn die ersten Auslieferungen stattgefunden haben.
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