Ferrari macht aus seinem ersten Elektroauto mehr als ein Fahrzeug — es wird zum Türöffner. Wer den Luce kauft, soll sich damit Zugang zu den begehrten Sondermodellen des Hauses sichern können. Eine Strategie mit Kalkül.
Das Prinzip Warteliste
Der Luce kostet rund 550.000 Euro und stieß nach seiner Ankündigung nicht auf ungeteilte Begeisterung in der Sammlerszene. Elektroantrieb, Ferrari-Badge — für einen Teil der Stammkundschaft bisher kein Pflichtprogramm. Ferrari reagiert darauf, indem das Modell in das bestehende Zuteilungssystem für Stammkunden eingebettet wird.
Konkret: Wer den Luce bestellt, signalisiert damit Loyalität — und steigert offenbar seine Chancen auf Allokationen künftiger Exklusivmodelle. Das System ist nicht neu. Ferrari nutzt seit Jahren Kaufhistorien als Auswahlkriterium für Sonderserien. Der Luce wird jetzt zur Eintrittsstufe.
Clever oder riskant?
Das Modell funktioniert in beide Richtungen. Für Ferrari löst es ein praktisches Problem: Zurückhaltende Nachfrage nach dem ersten reinelektrischen Modell wird durch bestehende Kundenbeziehungen abgefedert. Wer die nächste LaFerrari-Nachfolge oder das kommende Hypercar nicht verpassen will, hat nun einen konkreten Anreiz.
Für Kunden ist die Rechnung komplizierter. 550.000 Euro als strategische Investition in die eigene Ferrari-Beziehung — das setzt ein Vertrauen in die Marke voraus, das nur ein sehr kleiner Kundenkreis aufbringt. Kein Wunder, dass Sammler die Maßnahme genau beobachten.
Börsenrelevant ist das Signal vor allem deshalb, weil es zeigt, wie Ferrari Absatzrisiken bei neuen Modelllinien zu steuern versucht. Das Allokationssystem bindet Kapital frühzeitig, sichert Lieferplanungssicherheit und schützt Preise — drei Hebel, die direkt auf Margen wirken. Ob die Strategie die Nachfrage tatsächlich auf das gewünschte Niveau hebt, werden die Auslieferungszahlen des Luce in den kommenden Quartalen zeigen.
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