Die Federal Reserve hat die Zinsen gerade erst unverändert gelassen, in den Reihen der US-Notenbank wächst allerdings der Druck für eine baldige Fortsetzung des Straffungskurses. Gleich mehrere regionale Fed-Präsidenten signalisierten am Freitag, dass die Zinsen weiter steigen müssen, um den hartnäckigen Preisdruck einzudämmen. Die Debatte an den Märkten dreht sich längst nicht mehr darum, ob eine Erhöhung folgt, sondern wie rasch sie kommt.
In dieser Woche beließ das Führungsgremium der Notenbank den Leitzins vorerst in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Der Beschluss fiel mit breiter Mehrheit, wenngleich eine Minderheit im Gremium bereits für eine sofortige Anhebung votierte.
Führende Notenbanker fordern zügige Schritte
Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan forderte mindestens zwei weitere Anhebungen um jeweils 25 Basispunkte. Erst danach sei eine Pause ratsam, um die Wirkung auf die Wirtschaft zu prüfen. Logan hält das aktuelle Zinsniveau für unzureichend, um die Teuerung verlässlich auf das Inflationsziel von 2 Prozent zu drücken.
Ähnlich deutlich äußerte sich Alberto Musalem aus St. Louis. Kleinere, frühe Schritte seien für die Konjunktur und den Arbeitsmarkt weit weniger riskant als abrupte Bremsmanöver zu einem späteren Zeitpunkt. Seiner Einschätzung nach wirken die derzeitigen Finanzierungsbedingungen an den Märkten noch immer stützend statt bremsend. Ohne weiteres Eingreifen der Geldpolitik sei kaum mit einem Rückgang der Inflation zu rechnen.
Unterstützung für diesen Kurs signalisierte auch Richmond-Fed-Präsident Tom Barkin. Er beschrieb die Richtung der Zinspolitik angesichts der stabilen Nachfrage als eindeutig, stellte aber das Tempo zur Debatte. Neben steigenden Ausgaben für Löhne, Treibstoff und Computerchips heizen vor allem Ausgaben für Künstliche Intelligenz die Nachfrage an. Viele Unternehmen geben ihre Mehrkosten inzwischen direkt an die Verbraucher weiter, was den Preisdruck verfestigt.
Robuste US-Wirtschaft stützt die Falken
Die jüngsten Konjunkturdaten liefern den Befürwortern höherer Zinsen zusätzliche Argumente. Zuletzt wuchs das US-Bruttoinlandsprodukt so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Parallel dazu beschleunigte sich das von der Notenbank bevorzugte Inflationsmaß auf eine Jahresrate von 3,6 Prozent.
Fed-Chef Kevin Warsh, der die Führung der Notenbank im Mai übernahm, hält sich mit konkreten Festlegungen für künftige Sitzungen zurück. An den Terminmärkten wird ein Zinsschritt um einen Viertelprozentpunkt bei der nächsten geldpolitischen Beratung am 8. und 9. Dezember jedoch bereits fest eingepreist.
