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Fed unter Druck: Powell kämpft an mehreren Fronten

Die US-Notenbank navigiert durch politische Angriffe der Trump-Administration und eine wirtschaftspolitische Debatte über Produktivität und Zinsen. Zentralbanker weltweit bekunden Solidarität.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Weltweite Solidaritätsbekundungen für Fed-Chef Powell
  • Debatte über Produktivität als Inflationsbremse
  • Fed-Vertreter skeptisch gegenüber frühen Zinssenkungen
  • Trump-Vorschlag zu Zinsobergrenzen sorgt für Konflikt

Die US-Notenbank Federal Reserve navigiert durch politisch aufgeheiztes Fahrwasser. Während Fed-Chef Jerome Powell mit strafrechtlichen Ermittlungen der Trump-Administration konfrontiert wird, ringen Zentralbanker weltweit um ihre Unabhängigkeit – und mit der Frage, ob steigende Produktivität den Inflationskampf erleichtern könnte.

Internationale Solidarität für bedrängten Fed-Chef

In einem beispiellosen Schritt haben sich Zentralbankchefs aus aller Welt hinter Powell gestellt. „Wir stehen in voller Solidarität mit dem Federal Reserve System und seinem Vorsitzenden Jerome H. Powell“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die von den Chefs der Europäischen Zentralbank, der Bank of England, der Bank of Canada und weiteren Institutionen unterzeichnet wurde. Die Trump-Administration hatte Powell mit strafrechtlichen Ermittlungen wegen einer Kongressaussage über Renovierungsarbeiten am Fed-Hauptquartier gedroht – ein Schritt, den Powell selbst als „Vorwand“ bezeichnet, um Einfluss auf die Zinspolitik zu gewinnen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde trieb die Initiative maßgeblich voran, während Pablo Hernandez de Cos vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht die einzelnen Gouverneure zusammenbrachte. Die Unabhängigkeit der Zentralbanken, so die Unterzeichner, sei „ein Eckpfeiler für Preis-, Finanz- und Wirtschaftsstabilität“. Bemerkenswert: Die Bank of Japan fehlt auf der Liste – sie verzichtete zunächst darauf, sich zu den Vorgängen bei anderen Zentralbanken zu äußern.

Inflationsdebatte: Produktivität als Joker?

Die politischen Spannungen überlagern eine fundamentale wirtschaftspolitische Debatte. Präsident Trump forderte nach den jüngsten Verbraucherpreisdaten „bedeutsame“ Zinssenkungen – die Inflation sei „sehr niedrig“. Die Realität sieht differenzierter aus: Der Verbraucherpreisindex stieg im Dezember um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, exakt wie im November. Die Kerninflation – ohne volatile Energie- und Lebensmittelpreise – verharrte bei 2,6 Prozent.

Doch hinter den stabilen Gesamtzahlen verbergen sich dramatische Einzelbewegungen. Lebensmittelpreise sprangen um 0,7 Prozent nach oben, der stärkste monatliche Anstieg seit Oktober 2022. Steakpreise schossen auf Jahressicht um 17,8 Prozent in die Höhe, Kaffee verteuerte sich um 1,9 Prozent – ein Effekt von Zöllen. Auch die Mieten zogen kräftig an, während der Strompreis mit einem Jahresplus von 6,7 Prozent die hohe Nachfrage durch Datenzentren im KI-Boom widerspiegelt.

Trump-Berater Kevin Hassett, ein Kandidat für Powells Nachfolge, argumentiert, dass steigende Produktivität die Inflation dämpfen und Raum für Zinssenkungen schaffen würde. Die jüngsten Zahlen scheinen ihm recht zu geben: Die Produktivität schnellte im dritten Quartal um 4,9 Prozent nach oben, die Lohnstückkosten sanken auf knapp zwei Prozent. Eine Situation, die an die Debatte Mitte der 1990er-Jahre erinnert, als Fed-Chef Alan Greenspan gegen den Widerstand anderer Notenbanker auf Produktivitätsgewinne setzte und Zinserhöhungen vermied.

Fed-Banker bleiben skeptisch

Doch die heutigen Fed-Vertreter zeigen sich zurückhaltend. „Ich bin hoffnungsvoll, dass wir wahrscheinlich in einem Regime höherer Produktivität sind. Aber ich denke, es ist zu früh, das zu sagen“, erklärte Alberto Musalem, Präsident der Fed von St. Louis. Es sei „sicherlich zu früh, unsere Aufgabe, die Inflation auf zwei Prozent zurückzubringen, auszulagern“. Der aktuelle Leitzins von 3,50 bis 3,75 Prozent sei ungefähr neutral und müsse nur fallen, wenn sich der Arbeitsmarkt deutlich verschlechtere oder die Inflation schneller als erwartet sinke.

John Williams, Chef der New Yorker Fed, warnt vor falschen Parallelen zur Greenspan-Ära. Damals hätten neben Produktivität auch andere Faktoren wie zunehmende Globalisierung die Inflation niedrig gehalten – Bedingungen, die heute nicht gegeben seien. „Ich glaube nicht, dass die Parallelen vollständig sind“, so Williams. Beide Fed-Vertreter sehen keinen Grund für kurzfristige Zinssenkungen.

Die Märkte erwarten auf der Fed-Sitzung am 27. und 28. Januar keine Zinsbewegung. Viele Investoren rechnen damit, dass die Notenbank bis zum Ende von Powells Amtszeit als Fed-Chef im Mai auf der aktuellen Linie bleiben könnte. Die eskalierenden Spannungen mit Trump lassen Ökonomen vermuten, dass die Währungshüter eher eine härtere Gangart anschlagen könnten, um ihre institutionelle Unabhängigkeit zu signalisieren.

Kreditkartenstreit erhitzt die Gemüter

Zusätzlichen politischen Sprengstoff liefert Trumps Vorschlag, Kreditkartenzinsen bei zehn Prozent zu deckeln. JPMorgan-CEO Jamie Dimon bezeichnete die Idee als „sehr schlecht für Verbraucher, sehr schlecht für die Wirtschaft“. Finanzvorstand Jeremy Barnum warnte, die Bank müsste ihr Geschäft drastisch umbauen und Kreditlinien zusammenstreichen. „Unsere Überzeugung ist, dass dies genau die gegenteiligen Konsequenzen haben wird, die die Administration will.“

Die Bankenbranche argumentiert, dass eine Zinsobergrenze Millionen Haushalten den Zugang zu Krediten abschneiden würde, besonders jenen mit niedrigerer Bonität. 82 bis 88 Prozent aller Kreditkartenkonten mit einem Credit Score unter 740 wären von Schließungen oder starken Einschränkungen betroffen, warnt die Electronic Payments Coalition. Der durchschnittliche Kreditkartenzins lag im November bei 20,97 Prozent.

JPMorgan selbst präsentierte gemischte Quartalszahlen: Der Gewinn übertraf mit 5,23 Dollar je Aktie die Erwartungen dank eines boomenden Handelsgeschäfts – die Markterlöse stiegen um 17 Prozent. Doch die Investmentbanking-Gebühren enttäuschten und verfehlten die Prognosen um acht Prozent. Die Aktie fiel um 2,8 Prozent, nachdem sie 2025 um 34 Prozent zugelegt hatte.

Globale Wachstumssorgen im Hintergrund

Während sich die Aufmerksamkeit auf Washington konzentriert, warnt die Weltbank vor nachlassender globaler Dynamik. Das Weltwirtschaftswachstum wird 2026 bei 2,6 Prozent erwartet – zu schwach, um extreme Armut zu bekämpfen. Die 2020er-Jahre drohen die schwächste Wachstumsdekade seit den 1960ern zu werden. „Mit jedem verstreichenden Jahr ist die Weltwirtschaft weniger in der Lage, Wachstum zu generieren“, warnte Weltbank-Chefökonom Indermit Gill.

Die USA bleiben ein Lichtblick mit erwarteten 2,2 Prozent Wachstum 2026, getragen von Steuererleichterungen trotz des Gegenwinds durch Zölle. Schwellenländer werden mit 4,0 Prozent wachsen, doch exklusive China fällt die Rate auf 3,7 Prozent. Der Inflationskampf der Fed wird damit zum Balanceakt: Zu frühe Lockerung könnte die Preise wieder anheizen, zu späte Schritte das fragile Wachstum abwürgen. In diesem Spannungsfeld muss Powell nicht nur gegen steigende Preise kämpfen, sondern auch um die Unabhängigkeit seiner Institution.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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