Zwei Kräfte ringen dieser Tage um die Kontrolle über die Finanzmärkte – und sie ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Ein US-Iran-Waffenstillstand drückt die Ölpreise auf ein Dreimonatstief. Gleichzeitig sendet die Federal Reserve unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh ein klares Signal: Zinssenkungen sind vorerst Geschichte, eine Erhöhung durchaus möglich.
Warsh läutet neue Fed-Ära ein
Das erste Fed-Treffen unter Kevin Warsh endete mit mehr Fragen als Antworten – aber mit einer unmissverständlichen Botschaft. Die Leitzinsen blieben in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent unverändert. Doch neun von 18 Notenbankern plädierten im aktualisierten Zinspfad für mindestens eine Erhöhung noch in diesem Jahr. Im März hatte kein einziger Offizieller eine solche erwartet.
Warsh gab sich dabei bewusst unkonventionell. Er legte keinen eigenen Zinspfad vor, deutete an, dass der sogenannte Dot Plot bis Jahresende ganz abgeschafft werden könnte, und reduzierte das Begleitstatement auf 132 Wörter – mehr als 300 weniger als noch im April. Der Text enthält nun explizit den Auftrag, „Preisstabilität zu liefern“. Jeder Hinweis auf das zweite Mandat der Fed – maximale Beschäftigung – fehlt.
Für Kathleen Brooks, Researchdirektorin bei XTB, ist das kein Nachteil: „Der Laser-Fokus auf Preise könnte es letztlich einfacher machen vorherzusagen, was die Fed als nächstes tut.“ Neben fünf internen Arbeitsgruppen, die Kommunikation, Bilanzstrategie, Datenbasis und KI-Produktivität untersuchen sollen, markiert dieser erste Auftritt Warshs einen klaren Bruch mit der bisherigen Fed-Doktrin.
Märkte schwanken zwischen Hoffnung und Zinsangst
Die Börsenreaktion fiel prompt aus. Am Mittwoch verlor der Dow Jones 507 Punkte, der S&P 500 gab 1,2 Prozent nach, der Nasdaq 1,3 Prozent. In Europa fiel der STOXX 600 am Donnerstag um 0,5 Prozent, der britische FTSE 100 sogar um fast ein Prozent.
Am Donnerstagmorgen erholten sich die US-Futures aber spürbar: Dow-Futures stiegen um rund 0,4 Prozent, S&P-500-Futures um 0,7 Prozent, Nasdaq-100-Futures sogar um 1,4 Prozent. Als Treiber dieser Erholung fungierten Technologieaktien – allen voran Intel, dessen Papiere vorbörslich um mehr als neun Prozent anzogen, nachdem Präsident Trump bekanntgab, Apple werde künftig Chips mit Intel in den USA fertigen. Nvidia, Micron und Marvell Technology legten ebenfalls zu.
Citigroup sieht die nächste Zinssenkung nun frühestens im Oktober, verschoben von zuvor September. Die Bank rechnet mit Viertelpunktsenkungen im Oktober, Dezember und Januar – aber erst, wenn ein gespaltenes Komitee Konsens findet. CME-Daten zeigen derzeit eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung bereits im September.
Öl fällt, Europa atmet auf – vorerst
Der zweite große Faktor ist der Iran-Deal. Washington und Teheran haben ein Interims-Abkommen unterzeichnet, das den April-Waffenstillstand um 60 Tage verlängert und die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr wieder öffnet. Trump unterzeichnete den Vertrag überraschend beim Versailler Dinner in Frankreich, statt wie geplant bei einer formellen Zeremonie in der Schweiz. Noch offen: Irans Atomprogramm, ein zentraler Streitpunkt.
Brent-Rohöl fiel auf rund 77 Dollar je Barrel – den tiefsten Stand seit Anfang März. Energiepreissensible Fluglinien wie Lufthansa und Air France legten zu, während BP und Shell jeweils rund 1,5 bis zwei Prozent verloren. Die Ironie liegt auf der Hand: Fallende Ölpreise sind gut für die europäischen Volkswirtschaften, belasten aber die Energie-Schwergewichte, die im STOXX 600 erhebliches Gewicht haben.
Analysten der ING warnen allerdings zur Geduld: „Iran erwartet eine rasche Aufhebung der US-Ölsanktionen. Wie schnell sich die Exporte normalisieren, hängt von operativen, logistischen und sanktionsbezogenen Faktoren ab.“ Yoshimasa Maruyama von SMBC Nikko Securities ergänzt: „Die gebührenfreie Transitphase ist auf 60 Tage begrenzt, und der künftige Rahmen bleibt ungewiss.“
Großbritannien und China im Schatten der globalen Impulse
Die Bank of England hielt am Donnerstag erwartungsgemäß an ihrem Leitzins von 3,75 Prozent fest. Der britische Markt zeigte sich trotzdem belastet: Hausbauwerte verloren 2,6 Prozent, Edelmetallminen büßten fünf Prozent ein. Tesco rutschte nach schwächeren Quartalszahlen um mehr als zwei Prozent ab. Auf der Gewinnerseite stand Informa mit plus 2,3 Prozent nach einer Prognoseanhebung für 2027.
In China erwartet derweil niemand eine Bewegung. Alle 30 Teilnehmer einer Reuters-Umfrage rechnen damit, dass die People’s Bank of China die Leitzinsen am Montag zum 13. Mal in Folge unverändert lässt. Goldman Sachs sieht den neuen, engeren Zinskorridor der PBOC als Puffer gegen übermäßige Liquiditätsverknappung. Citi erwartet symbolische Senkungen von zehn Basispunkten in der zweiten Jahreshälfte – angesichts schwacher Binnennachfrage und einem nach wie vor angeschlagenen Immobilienmarkt.
Ausblick: Zwei Unbekannte bleiben
Die Märkte navigieren weiter zwischen zwei großen Variablen. Wie schnell normalisieren sich die Ölströme durch die Straße von Hormus tatsächlich? Und wann – und ob überhaupt – liefert Warsh den von Anlegern ersehnten Zinswechsel?
UBS-Chefinvestmentstratege Mark Haefele bringt es auf den Punkt: Das Zusammenspiel aus neuem Fed-Chef, hawkishen Projektionen und breiter Meinungsstreuung im Komitee spreche für „eine verlängerte Pause“ – mit ernsthaften Anpassungen erst dann, wenn die internen Arbeitsgruppen ihre Arbeit abgeschlossen haben. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Warshs neue Fed-Doktrin die Inflation zähmt oder die Märkte auf Trab hält.
BP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BP-Analyse vom 18. Juni liefert die Antwort:
Die neusten BP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 18. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
