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Fed-Schock erschüttert globale Märkte

Neue Fed-Spitze deutet Zinserhöhung an, Yen fällt auf Zweijahrestief. Globale Aktienmärkte reagieren mit Verlusten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Fed signalisiert mögliche Zinserhöhung
  • Yen fällt auf schwächsten Stand seit zwei Jahren
  • US-Einzelhandelsumsätze steigen überraschend stark
  • S&P 500 und Dow Jones geben deutlich nach

Der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh hat in seiner Antrittskonferenz eine Ära eingeleitet, die Anlegern weltweit den Atem verschlägt. Neun von 19 Fed-Währungshütern rechnen noch in diesem Jahr mit mindestens einer Zinserhöhung — ein Signal, das die Finanzmärkte von Tokio bis Frankfurt kalt erwischt hat.

Warsh setzt neue Maßstäbe

Die Fed beließ ihren Leitzins unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Doch die begleitende Botschaft war alles andere als neutral. Warsh betonte die Entschlossenheit der Notenbank, die Inflation zu zähmen, und kündigte eine umfassende Überprüfung der Geldpolitik an. Dabei ließ er Märkte bewusst im Unklaren — eine Abkehr von der gewohnten Fed-Transparenz.

Citigroup reagierte prompt und verschob seine Erwartung für die ersten Zinssenkungen um einen Monat nach hinten. Die Bank rechnet nun erst im Oktober und Dezember 2026 sowie Januar 2027 mit Lockerungen. Zuvor hatte Citigroup September als Startpunkt gesehen. Der Terminmarkt geht noch weiter: Laut CME FedWatch ist eine Zinserhöhung bis Dezember mit 83-prozentiger Wahrscheinlichkeit eingepreist.

Starke US-Konjunkturdaten befeuern diesen Trend. Die Einzelhandelsumsätze sprangen im Mai um 0,9 Prozent — erwartet worden war die Hälfte. Hinzu kommt das dritte Monat in Folge mit robusten Beschäftigungszahlen. Die US-Wirtschaft läuft, während die Notenbank gleichzeitig den Inflationsdruck im Blick behält.

Yen unter Druck — Tokio warnt

Am härtesten trifft der Dollar-Aufschwung Japan. Der Yen rutschte auf 160,80 pro Dollar — den schwächsten Stand seit rund zwei Jahren — und damit in ein Territorium, das Tokio traditionell als Interventionslinie betrachtet. Japans Regierungssprecher Minoru Kihara ließ keinen Zweifel: „Wir sind bereit, jederzeit angemessen auf Währungsbewegungen zu reagieren.“

Die Ironie ist offensichtlich. Die Bank of Japan hatte erst am Dienstag die Zinsen auf den höchsten Stand seit 31 Jahren angehoben — und dennoch hält die Yen-Schwäche an. Mit einem Leitzins von gerade einmal 1,0 Prozent gegenüber 3,50 bis 3,75 Prozent in den USA klafft eine Zinsdifferenz, die Spekulanten einlädt. Die spekulativen Netto-Short-Positionen auf den Yen erreichten den höchsten Stand seit Juli 2024.

Tokyo hatte zwischen Ende April und Anfang Mai bereits 11,7 Billionen Yen — umgerechnet rund 73 Milliarden Dollar — für Devisenmarktinterventionen aufgewendet. Der Effekt verpuffte. Seisaku Kameda, ehemaliger Chefökonom der Bank of Japan, sieht dennoch weiteren Spielraum für Zinsschritte: „Eine weitere Erhöhung im Oktober oder Dezember ist wahrscheinlich.“

Iran-Waffenstillstand: Erleichterung mit Fragezeichen

Der Hintergrund der gesamten Marktturbulenzen ist geopolitischer Natur. Die USA und Iran haben ein Interimsabkommen unterzeichnet, das den Waffenstillstand um 60 Tage verlängert und die Durchfahrt durch die Straße von Hormus wiederherstellt. Ölpreise gaben daraufhin nach — Brent fiel auf rund 78,40 Dollar je Barrel.

Vollständige Entwarnung ist das aber nicht. US-Präsident Donald Trump drohte offen, Angriffe wieder aufzunehmen, sollte Iran die Vereinbarungen brechen. Diese Unsicherheit hält Risikoprämien erhöht und den Dollar gestützt.

Die wirtschaftlichen Folgekosten des Konflikts sind bereits messbar. Das Deutsche Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) senkte seine Wachstumsprognose für Deutschland um 0,3 Punkte auf 0,6 Prozent für 2026. Für 2027 erwartet das IMK nun 0,9 Prozent statt zuvor 1,6 Prozent. Die Inflation dürfte 2026 bei 2,8 Prozent liegen. IMK-Direktor Sebastian Dullien gibt sich vorsichtig optimistisch: „Der wirtschaftliche Schaden ist erheblich, aber beherrschbar, wenn der Konflikt nicht noch viele Monate andauert.“ Das Institut appelliert zugleich an die EZB, scharfe Zinserhöhungen zu vermeiden, falls der Energieschock sich als vorübergehend erweist.

Bank of England im Wartemodus

Auch London schaut an diesem Donnerstag auf seine Notenbank. Die Bank of England wird ihren Leitzins bei 3,75 Prozent belassen — darin sind sich Märkte und Analysten einig. Doch die Debatte dahinter ist lebhafter als es scheint.

Britische Löhne legten im Dreimonatszeitraum bis April stärker zu als erwartet: Der Anstieg der Durchschnittslöhne ohne Boni hielt bei 3,4 Prozent, obwohl Ökonomen ein Absinken auf 3,2 Prozent prognostiziert hatten. Gleichzeitig fiel die Arbeitslosenquote überraschend auf 4,9 Prozent. Die Bank of England betrachtet Lohnwachstum deutlich über 3 Prozent als Hindernis für eine nachhaltige Rückkehr zur Zwei-Prozent-Inflation.

Für die Währungshüter in London stellt sich dieselbe Frage wie in Frankfurt und Tokio: Wie tief werden die Spuren des Iran-Kriegs in der Realwirtschaft tatsächlich sein — und wie lange?

Aktien unter Druck, Gold und Bitcoin stabil

An den Aktienmärkten hinterließ die Fed-Überraschung tiefe Spuren. Der S&P 500 verlor 1,21 Prozent auf 7.420 Punkte, der Dow Jones gab 507 Punkte nach, der Nasdaq büßte 1,34 Prozent ein. Der Rentenmarkt spiegelte die verschärfte Stimmung wider: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen sprang um 12 Basispunkte.

Tokio hingegen tanzte aus der Reihe. Der Nikkei kletterte erstmals über die Marke von 71.000 Punkten — getragen von Halbleiter- und KI-Aktien, die von der Dollarschwäche des Yen profitieren. Was für japanische Haushalte eine Belastung durch teurere Importe bedeutet, beschert exportorientierten Konzernen höhere Yen-Erlöse.

Die entscheidende offene Frage bleibt, ob Washingtons neuer Notenbankchef tatsächlich die Zinsen erhöht — oder ob fallende Ölpreise und abkühlende Kerninflation ihm im zweiten Halbjahr Spielraum für eine Kehrtwende lassen. Citigroup glaubt: Letzteres ist möglich, dauert aber länger als erhofft.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.