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Fed-Chef Warsh bremst Dollar-Rally

Fed-Chef Warsh dämpft mit vagen Aussagen die Dollar-Rally. Schwache ADP-Daten und sinkende Industriewerte verstärken die Unsicherheit an den Märkten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Warshs Äußerungen drücken Dollar-Kurs
  • Yen erholt sich von 40-Jahres-Tief
  • ADP-Bericht zeigt schwächeren Jobaufbau
  • Industrie-PMI fällt stärker als erwartet

Ausgerechnet am ersten Handelstag des zweiten Halbjahres zeigt sich, wie fragil die Stimmung an den Finanzmärkten derzeit ist. Ein einziger Satz von Fed-Chef Kevin Warsh reichte aus, um den Dollar von seinen Tageshochs zu drücken und den japanischen Yen aus einem 40-Jahres-Tief zu befreien. Gleichzeitig zeichnen frische US-Konjunkturdaten ein Bild, das zwischen Stabilität und Abkühlung schwankt – und die Nervosität an der Wall Street befeuert.

Warsh sorgt für Verwirrung an den Devisenmärkten

Kevin Warsh, seit Mai an der Spitze der US-Notenbank, sagte auf einem internationalen Panel, dass sich Inflationserwartungen und Inflationsrisiken zuletzt entspannt hätten. Konkrete Hinweise auf die künftige Zinspolitik wollte er jedoch nicht liefern – wer versuche, aus seinen Worten Rückschlüsse auf die nächste Sitzung zu ziehen, werde damit „scheitern“, so Warsh selbst.

Diese bewusste Zurückhaltung hatte dennoch spürbare Folgen. Der Dollar-Index gab einen Teil seiner Gewinne wieder ab, nachdem er zuvor von steigenden Erwartungen auf eine Zinserhöhung profitiert hatte. Der Yen, der zuvor auf ein 40-Jahres-Tief von 162,35 je Dollar gefallen war, erholte sich um 0,15 Prozent. Japans Ministerium für Finanzen steckt dabei in einer Zwickmühle: Eine frühere Interventionen zur Stützung der eigenen Währung sei laut dem obersten Währungsdiplomaten Atsushi Mimura wirksam gewesen, doch aktuell zeigt sich Tokio auffallend gelassen gegenüber der Yen-Schwäche. Analysten vermuten, die Regierung warte bewusst auf einen schwächeren US-Jobsbericht, der den Dollar von selbst drücken könnte.

An den Terminmärkten preisen Händler mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent für eine Fed-Zinserhöhung bis September ein – ein Rückgang von 65 Prozent am Vortag. Auch der Euro geriet unter Druck und fiel auf 1,1394 Dollar, nachdem die Inflation in der Eurozone im Juni überraschend deutlich unter die 3-Prozent-Marke gefallen war und damit den Druck auf die Europäische Zentralbank verringerte.

Arbeitsmarkt zeigt Risse, bleibt aber stabil

Parallel zur Debatte um die Fed-Zinspolitik liefern neue Arbeitsmarktdaten Diskussionsstoff. Der private Stellenaufbau in den USA fiel im Juni mit 98.000 neuen Jobs deutlich schwächer aus als die von Reuters befragten Ökonomen mit 118.000 erwartet hatten. Das geht aus dem ADP-Bericht hervor, der gemeinsam mit dem Stanford Digital Economy Lab erstellt wird.

„Das Tempo der Einstellungen erzählt eine Geschichte von Angebot und Nachfrage zugleich“, erklärte ADP-Chefökonomin Nela Richardson. Fast alle neuen Stellen entstanden im Dienstleistungssektor, getrieben vom Bildungs- und Gesundheitswesen. Die Freizeit- und Gastgewerbebranche legte trotz laufender Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko nur um 2.000 Stellen zu – ein Hinweis darauf, dass der erhoffte Turnierschub bislang ausbleibt.

Positiver fällt der Blick auf die Kündigungswelle aus: Geplante Stellenstreichungen US-amerikanischer Unternehmen sanken im Juni um 53 Prozent auf 45.849. In der ersten Jahreshälfte insgesamt kündigten Firmen 443.604 Stellenabbauten an – ein Rückgang von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Das Tempo der Entlassungen hat sich deutlich abgekühlt“, kommentierte Andy Challenger von Challenger, Gray & Christmas, warnte aber zugleich, dass Kürzungen weiterhin vor allem die Technologiebranche träfen, wo künstliche Intelligenz die Personalplanung neu ordne.

Der offizielle Arbeitsmarktbericht des Bureau of Labor Statistics, der am Donnerstag folgt, dürfte laut Konsensschätzung einen Zuwachs von 110.000 Stellen bei einer unveränderten Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent zeigen. Dass es im Mai laut einer separaten Erhebung nur 1,04 offene Stellen je Arbeitslosem gab, unterstreicht die zunehmend austarierte Lage am Arbeitsmarkt – nicht mehr überhitzt, aber auch nicht kollabierend.

Industrie verliert an Schwung, Preisdruck bleibt hoch

Auch aus der Industrie kommen gemischte Signale. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des Institute for Supply Management fiel im Juni auf 53,3 Punkte, nach 54,0 im Mai – dem höchsten Stand seit Mai 2022. Ökonomen hatten mit einer stabilen Entwicklung gerechnet. Andere Erhebungen fielen sogar noch schwächer aus und lagen bei 53,9 Punkten gegenüber einer Prognose von 55,7.

Der Rückgang lässt sich zum Teil damit erklären, dass Unternehmen zuvor Bestellungen vorgezogen hatten, um möglichen Lieferengpässen und Preissteigerungen infolge des Nahostkonflikts zuvorzukommen. Dieser Vorzieheffekt läuft nun aus. Dennoch wächst die US-Industrie bereits seit sechs Monaten in Folge – gestützt auch von einem regelrechten Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz, der die Auswirkungen des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran abfedert.

Die Erzeugerpreise bleiben trotz einer leichten Entspannung hoch: Der Teilindex für Einkaufspreise sank von 82,1 auf noch immer erhöhte 73,0 Punkte. Ein brüchiger Waffenstillstand im Nahen Osten hat die Ölpreise zwar wieder auf Vorkriegsniveau gedrückt, doch die anhaltende KI-Investitionswelle treibt die Kosten für Technologiegüter wie Halbleiter und Elektronik weiter nach oben.

Wall Street bleibt vorsichtig

An der Wall Street überwog am Mittwoch die Zurückhaltung. Die Futures auf Dow, S&P 500 und Nasdaq gaben allesamt nach, belastet von neuen Zweifeln am Nahost-Friedensprozess. Teheran lehnte ein Treffen mit hochrangigen US-Gesandten ab, die eigens in die Region gereist waren – ein Signal, dass ein Durchbruch in den Verhandlungen vorerst ausbleibt.

„Die Märkte werden sich zunehmend auf das US-Zinsrisiko konzentrieren. Die Daten deuten darauf hin, dass die Beschäftigung kein Hindernis mehr für die Fed ist, gegen die Inflation vorzugehen und möglicherweise die Zinsen anzuheben“, sagte Kyle Rodda, Marktanalyst bei Capital.com. Einzelwerte sorgten zusätzlich für Bewegung: Nike verlor 3,5 Prozent nach Quartalszahlen, die zeigten, dass die Turnaround-Strategie des Sportartikelherstellers weiterhin holpert. Noch deutlicher traf es Shutterstock, dessen Aktie nach der geplatzten Fusion mit Getty Images um 28,3 Prozent einbrach.

Ausblick

Der Donnerstag dürfte für Klarheit sorgen – oder für noch mehr Verwirrung. Der offizielle US-Arbeitsmarktbericht wird zeigen, ob sich die Verlangsamung bei ADP bestätigt, während Warshs vage Andeutungen weiterhin für Rätselraten sorgen. Sollte sich die Wachstumsdynamik in Industrie und Beschäftigung tatsächlich abschwächen, dürfte das den Druck auf die Fed erhöhen, ihre für dieses Jahr avisierte Zinserhöhung noch einmal zu überdenken. Bis dahin bleibt der Dollar ein Spielball widersprüchlicher Signale.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.