Die Zinsentscheide der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Federal Reserve bringen kurzfristig wohl keine Bewegung beim Leitzins. Entscheidend für die Märkte ist vielmehr, welche Signale die Währungshüter für die kommenden Monate senden. Während an den Börsen für die aktuellen Sitzungen eine Pause erwartet wird, steht für den Jahresausklang bereits die nächste Straffung im Raum.
An den Finanzmärkten stellt sich die Mehrheit darauf ein, dass beide Notenbanken ihre Leitzinsen vorerst unverändert lassen. Durch die Umstellung auf die Winterzeit in Europa wird die Fed ihren Beschluss bereits um 19 Uhr veröffentlichen. Ein Stillstand bei den Zinsen bedeutet allerdings keine Ruhe an den Börsen. Ändert sich die Einschätzung zur Konjunktur oder zur Teuerung, kann das Anleiherenditen und Wechselkurse rasch bewegen.
Blick auf Inflation und den Dezember
Für die darauffolgende Sitzung im Dezember zeichnet sich an den Terminmärkten ein anderes Bild ab. Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet bei der Fed und der EZB mit einer weiteren Anhebung um jeweils 25 Basispunkte. Als wesentlicher Treiber gelten die nach wie vor sehr hohen Energiepreise, die für eine steigende Inflation mitverantwortlich sind.
Bleibt der Preisdruck hoch, wächst der Handlungsdruck auf die Währungshüter für das kommende Jahr. Längerfristig hohe Zinsen verteuern Finanzierungen für Unternehmen und können deren Gewinne belasten. Parallel dazu drohen steigende Anleiherenditen die Bewertungen wachstumsstarker Aktien zu dämpfen, während der Kaufkraftverlust auf der Wirtschaft lastet.
Signale für die kommenden Monate
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich deshalb auf die Begründungen der Notenbankspitzen. Die Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde dürften vor allem mit Blick auf das aktuelle Geschehen in Frankreich genau analysiert werden. Marktbeobachter werten Zwischentöne und den allgemeinen Tonfall der Pressekonferenzen als wichtigere Indikatoren als den Zinsbeschluss selbst.
Die Weichen für die Zinsentwicklung werden damit nicht erst bei den Sitzungen im Dezember gestellt. Sollten die Währungshüter bereits jetzt bekräftigen, dass die anhaltende Teuerung eine weitere Zinsanhebung erfordert, dürften die Anleihemärkte diesen Schritt unverzüglich einpreisen.
