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EZB-Umfrage: Inflationserwartungen sinken deutlich

Die Inflationserwartungen der Verbraucher im Euroraum sind deutlich gesunken, doch Zentralbanken sehen sich weltweit zunehmendem politischem Einfluss ausgesetzt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Inflationserwartungen für kommendes Jahr sinken auf 2,6 Prozent
  • Langfristige Erwartungen stabil bis leicht rückläufig
  • Arbeitsmarkt zeigt erste leichte Anzeichen der Stabilisierung
  • Zentralbanken weltweit unter politischem Beschuss

Die Inflationssorgen der Verbraucher im Euroraum lassen nach – das zeigt die neueste Umfrage der Europäischen Zentralbank. Doch während sich die Preisentwicklung beruhigt, kämpfen Zentralbanken weltweit mit einem ganz anderen Problem: dem wachsenden politischen Druck auf ihre Unabhängigkeit.

Verbraucher blicken optimistischer in die Zukunft

Die Inflationserwartungen der Verbraucher im Euroraum sind im Januar merklich gesunken. Laut der aktuellen Verbraucherumfrage der EZB rechnen die Befragten für die kommenden zwölf Monate mit einer Teuerungsrate von nur noch 2,6 Prozent – ein Rückgang um 0,2 Prozentpunkte gegenüber Dezember. Auch die wahrgenommene Inflation der vergangenen zwölf Monate fiel von 3,2 auf 3,0 Prozent.

Besonders interessant: Die langfristigen Erwartungen zeigen sich stabil bis leicht rückläufig. Während die Dreijahresprognose unverändert bei 2,6 Prozent liegt, sanken die Fünfjahreserwartungen auf 2,3 Prozent. Das deutet darauf hin, dass die Verbraucher der EZB zutrauen, die Preise mittelfristig im Zaum zu halten.

Auffällig bleibt die Diskrepanz zwischen Einkommensgruppen: Haushalte mit niedrigeren Einkommen erwarten weiterhin höhere Inflationsraten als wohlhabendere Befragte – ein Trend, der sich seit 2023 verfestigt hat. Jüngere Verbraucher zwischen 18 und 34 Jahren zeigen sich hingegen optimistischer als ältere Altersgruppen.

Einkommensentwicklung und Konsumklima im Fokus

Die Erwartungen für das Einkommenswachstum legten leicht zu: Verbraucher rechnen nun mit einem nominalen Zuwachs von 1,2 Prozent in den kommenden zwölf Monaten, nachdem es im Dezember noch 1,1 Prozent waren. Dieser Anstieg wurde vor allem von den drei höchsten Einkommensgruppen getragen.

Bei den Konsumausgaben blieb das Bild stabil. Die wahrgenommene Ausgabensteigerung der vergangenen zwölf Monate verharrte bei 4,9 Prozent, während die Erwartungen für die kommenden Monate unverändert bei 3,4 Prozent lagen. Hier zeigt sich, dass viele Haushalte trotz nachlassender Inflation vorsichtig bleiben.

Der Immobilienmarkt sendet gemischte Signale: Verbraucher erwarten für die kommenden zwölf Monate einen Preisanstieg von 3,7 Prozent – minimal mehr als die 3,6 Prozent im Dezember. Dabei rechnen einkommensschwächere Haushalte mit 3,9 Prozent Wertzuwachs, während wohlhabendere nur 3,5 Prozent erwarten. Die Hypothekenzinsen sehen die Befragten unverändert bei 4,7 Prozent, wobei auch hier niedrigere Einkommensgruppen mit höheren Sätzen von 5,4 Prozent rechnen.

Arbeitsmarkt stabilisiert sich zaghaft

Ein Hoffnungsschimmer kommt vom Arbeitsmarkt: Arbeitslose geben eine gestiegene Wahrscheinlichkeit an, innerhalb der nächsten drei Monate einen Job zu finden – von 24,5 Prozent im Oktober auf 30,1 Prozent im Januar. Gleichzeitig sank bei Beschäftigten die erwartete Wahrscheinlichkeit eines Jobverlusts leicht von 8,5 auf 8,2 Prozent.

Die allgemeine Arbeitslosenerwartung für die kommenden zwölf Monate blieb allerdings unverändert hoch bei 11,0 Prozent. Besonders pessimistisch zeigen sich einkommensschwächere Haushalte mit einer Erwartung von 13,5 Prozent, während wohlhabendere nur 9,5 Prozent für realistisch halten. Das Missverhältnis zwischen wahrgenommener aktueller Arbeitslosigkeit von 10,6 Prozent und den Zukunftserwartungen bleibt bestehen.

Zentralbanken unter politischem Beschuss

Während die EZB mit sinkenden Inflationserwartungen verhalten aufatmen kann, kämpfen Notenbanken weltweit an einer anderen Front: dem zunehmenden politischen Druck auf ihre Unabhängigkeit. Von Washington über Frankfurt bis Tokio stehen Zentralbanker unter Beschuss von Politikern, die niedrigere Zinsen fordern oder die Personalpolitik beeinflussen wollen.

In Europa nimmt der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau vorzeitig seinen Hut – offiziell auf eigenen Wunsch, doch Insider sehen darin den Versuch, vor einem möglichen Wahlsieg der Rechtsaußen-Partei Rassemblement National noch Kontinuität zu sichern. Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde erwägt Berichten zufolge einen frühzeitigen Abgang, auch wenn sie dies offiziell nicht ausschließt.

In Japan setzt Premierministerin Sanae Takaichi durch die Nominierung zweier zinsfreundlicher Ökonomen für den Notenbankrat ein klares Signal gegen weitere Zinserhöhungen. Die Bank of Japan bekräftigt zwar ihre Absicht, die Zinsen weiter anzuheben, doch die politische Einflussnahme ist unübersehbar.

Unabhängigkeit vs. demokratische Legitimation

Experten warnen vor den langfristigen Folgen dieser Entwicklung. „Zentralbanker werden in einen Kampf zwischen Establishment und Populisten hineingezogen. Sie sollten alles tun, um da rauszubleiben“, mahnt Carsten Brzeski, globaler Makro-Chef bei ING.

Das Dilemma ist klar: Wehren sich Notenbanker gegen politische Einmischung, wirken sie selbst politisch. Geben sie nach, riskieren sie ihre Glaubwürdigkeit bei der Inflationsbekämpfung. Die Türkei und Argentinien zeigen drastisch, was passiert, wenn Regierungen die Geldpolitik dominieren: Inflation explodiert, Investoren fliehen, Vertrauen verschwindet.

Die kommenden Monate dürften zeigen, ob die Märkte das letzte Wort haben. Denn während Zentralbanken Anleiherenditen drücken können, können sie Anleger nicht am Kapitalabzug hindern – mit fatalen Folgen für Währungen und Inflation. Japan hat bereits erlebt, wie brutal Märkte reagieren können, wenn Politik gegen die Notenbank arbeitet. Diese Lektion könnte auch anderen noch bevorstehen.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.