Die europäische Bankenaufsicht hat der italienischen Großbank Unicredit grünes Licht gegeben, die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen. Die EZB erlaubt den Mailändern, die Schwelle von 30 Prozent der Anteile zu überschreiten und ihre Beteiligung ohne Obergrenze auszubauen. Damit bahnt sich der größte grenzüberschreitende Bankendeal in Europa seit der globalen Finanzkrise an.
Unicredit rechnet damit, die verbleibenden aufsichtsrechtlichen Verfahren bis zum Jahresende abzuschließen. Die Mailänder sicherten sich über ein 45 Milliarden Euro schweres Tauschangebot bereits Zugriff auf knapp die Hälfte der Papiere. Mit dem Vollzug steigt der Anteil von knapp 30 auf rund 50 Prozent der Stimmrechte.
Widerstand aus Berlin gegen rasche Fusion
Für Konzernchef Andrea Orcel ist die Entscheidung ein zentraler Durchbruch. Die Mailänder Großbank, die seit 2005 die Münchener Hypovereinsbank betreibt, hat ihren Einstieg bei den Frankfurter Rivalen über mehr als zwei Jahre hinweg vorbereitet. Das Votum der Aufsicht folgt einer klaren Linie. Die EZB befürwortet grenzüberschreitende Zusammenschlüsse im Euroraum seit Langem, um den europäischen Bankenmarkt zu stärken.
In Frankfurt und Berlin stößt der Vorstoß indes auf Gegenwehr. Die Bundesregierung hält gut 13 Prozent an dem Dax-Konzern. Berlin pocht darauf, den Frankfurter Unternehmenssitz sowie das Kreditgeschäft für den deutschen Mittelstand zu sichern. Zudem will die Regierung betriebsbedingte Kündigungen unter den weltweit rund 40.000 Vollzeitkräften verhindern.
Weichenstellung für das neue Jahr
Orcel drängt dennoch auf ein hohes Tempo bei der Neuausrichtung. Der Manager plant, bereits ab Januar eine neue Strategie zur Steigerung der Profitabilität bei der Commerzbank durchzusetzen. Eine vollständige Verschmelzung der beiden Institute peilt er für die Jahre 2029 bis 2030 an.
Sobald Unicredit die Commerzbank-Aktien offiziell eingebucht hat, kann das Institut eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Auf diesem Weg könnte Orcel vor der regulären Aktionärsversammlung im nächsten Jahr einen neuen Aufsichtsrat und ein neues Management in Frankfurt installieren.
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